Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht: Lieselotte Barte (l.) übergibt demnächst das "Kauflädchen Trend" an Sabrina Trommer.
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Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht: Lieselotte Barte (l.) übergibt demnächst das "Kauflädchen Trend" an Sabrina Trommer.

Rollentausch im "Kauflädchen"

  • vonSiglinde Wagner
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Viel Herzblut hat Lieselotte "Lotti" Barte in den vergangenen Jahrzehnten in ihr "Kauflädchen Trend" in Großen-Buseck gesteckt. Nach 38 Jahren zieht sie sich aus der ersten Reihe zurück - und wird ab 2021 als Aushilfe tätig sein.

Fast 38 Jahre hat Lieselotte "Lotti" Barte das "Kauflädchen Trend" geführt. Zum Jahreswechsel übergibt sie das Zepter an Sabrina Trommer. In diesem Fall passt die Redewendung besonders gut, denn Trommer war die Gießener Fastnachtsprinzessin der vorletzten Kampagne. Schon 15 Jahre ist sie als Aushilfe im "Kauflädchen Trend" in Großen-Buseck beschäftigt, kennt das Geschäft aus dem Effeff.

Zwei Frauen, ein Ziel

"Es gab weitere Interessenten, doch für mich stand von Anfang an Sabrina Trommer an erster Stelle", sagt Barte. Die 71-Jährige spricht von einem Rollentausch: "Zukünftig wird Sabrina die Chefin sein und ich die Aushilfe." Dass Barte sich nicht von einem auf den anderen Tag komplett aus ihrem Laden zurückziehen kann, war klar. Es hängt einfach zu viel Herzblut dran.

Dem Start in die Selbstständigkeit ging eine gute Tat voraus: Mit dem Verkaufserlös aus einem Stand am "Busecker Samstag" (Weihnachtsmarkt) hatten Eltern einem Mitschüler ihrer Kinder eine Klassenfahrt ermöglicht. Barte betreute den Stand, nebenan verkaufte eine Bekannte Salzteigfiguren. Damals entdeckten die beiden Frauen ihre Freude an dem Verkauf von schönen Dingen. So entstand 1982 die Idee zu einem eigenen Laden. Der Wunsch der beiden Mütter, wieder berufstätig zu sein, bestand schon länger. Er scheiterte jedoch am Betreuungsproblem. "Wir fanden keine Halbtagsstelle mit Dienstende um 12 Uhr, um unsere vier und fünf Jahre alten Töchter pünktlich aus dem Kindergarten abholen zu können. Es gab seinerzeit keine Betreuung über die Mittagszeit hinaus", erzählt Barte, und "Deshalb wechselten sich meine Partnerin und ich mit dem Dienst ab, und die jeweils andere kümmerte sich um die Kinder".

Ein kleiner Laden wurde schnell gefunden, doch die Vermieterin musste überzeugt werden. Sie war nämlich der Meinung: Zwei Frauen wollen ein Geschäft eröffnen, das wird doch nix. Eröffnung war 1983 auf 25 Quadratmetern. Es lief gut. Ein größerer Laden musste her. 1987 zog man von der Ecke Schützenweg/Mollner Straße in die Kaiserstraße 19 um, erweiterte ein Jahr später das Angebot von Geschenkartikeln um die Sparte Kinderbekleidung.

Weihnachtsflair in der Kaiserstraße

Ab 1994, nachdem die Räume der ehemaligen Bäckerei Kuhn in der Kaiserstraße 14 frei wurden, fand ein Verkauf an beiden Standorten statt. Als sich 2002 die ehemalige Mitinhaberin aus dem Geschäft zurückzog, wurde die Filiale in der Kaiserstraße 19 aufgegeben. 2006 nahm Barte die Kinderbekleidung aus dem Sortiment. Fortan bestimmten Geschenkartikel, Wohn- und Tischdekoration, Accessoires und kulinarische Genüsse das Angebot. In einer Kinderecke gibt es Bilderbücher.

Die Geschäftsübernahme wurde vor zwei Jahren beschlossen. Trommer sagt, dass die mündliche Abmachung trotz Corona zu keiner Zeit infrage stand. Ebenso war für sie die Übernahme der beiden langjährigen Aushilfskräfte Andrea Reeh und Elke Kirschbaum selbstverständlich. "Wir sind schließlich ein tolles Team." Trotz Internethandel haben die Kunden dem Kauflädchen über Jahrzehnte die Treue gehalten. Das stimmt Trommer positiv. Ferner setzt sie darauf, dass sich die Menschen besonders in dieser Zeit, in der sie sich vermehrt zu Hause aufhalten, mit schönen Dingen umgeben möchten.

Barte hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. "Gerade jetzt, wo die Märkte überall ausfallen, kann man im Kauflädchen etwas Weihnachtsflair genießen. Natürlich corona-konform." Wegen Renovierungsarbeiten wird das Geschäft ab 29. Dezember vorübergehend schließen. Die Wiedereröffnung ist dann für den 6. Februar geplant. FOTO: SIW

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