Auf dem Anwesen Gießener Straße 10-12 in Rodheim sollen eine Wohnanlage und kleinere Gewerbeeinheiten entstehen. FOTO: SO
+
Auf dem Anwesen Gießener Straße 10-12 in Rodheim sollen eine Wohnanlage und kleinere Gewerbeeinheiten entstehen. FOTO: SO

Rodheim im Wandel

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Das Gesicht der Gießener Straße in Rodheim-Bieber wird sich in naher Zukunft gleich an zwei Adressen deutlich verändern. In die Jahre gekommene Anwesen werden ganz oder zu Teilen niedergelegt und durch Neubauten ersetzt. Stichworte sind Wohnen und Gewerbe. Zudem soll neuer Raum für eine Kita und die Senioren-Tagespflege entstehen.

Nach dem Krieg wurde im Saal bei Listmanns erstmals wieder Fastnacht gefeiert. Im Garten gab es eine Außen-Kegelbahn. 1954 spielte im Gasthaus Listmann gar der legendäre Ernst Mosch auf. Das Haus hat Geschichte. Die Mauern können Geschichten erzählen. Doch die Zeiten sind vorbei.

Die einstige Gastwirtschaft und Metzgerei Bender-Listmann in der Gießener Straße 50 - gegenüber vom Schindwasen-Areal in Rodheim-Bieber - soll abgerissen werden. Anstelle des als nicht mehr erhaltungswürdigen Anwesens sollen seniorengerechte Wohnungen, eine zweigruppige Kindertagesstätte und eine Tagespflege entstehen.

Geplant sind zwei Gebäude, die miteinander verbunden sind. Das neue Ensemble soll von der Straßenansicht her mit einem zweigeschossigen Wohnhaus die Kubatur des heute noch vorhandenen Gebäudes wieder aufgreifen.

Das weitere, sich zum Talweg hin erstreckende Gebäude wird "abgetreppt", damit es nicht so hoch wird. Das legte Investor Wolfgang Lust zusammen mit seinen Projektpartnern am Mittwoch im Bauausschuss der Gemeindevertretung dar, der gemeinsam mit dem Ortsbeirat tagte.

Die Zufahrt zu einer Tiefgarage mit 15 Stellplätzen erfolgt vom Talweg aus, weitere Stellplätze sollen auf dem Freigelände entstehen. Die Idee dahinter: Tagespflege und Sternschnuppe, bislang in der Alten Schule wenige Häuser weiter angesiedelt, könnten in den Neubau umziehen. Das würde der Kommune aufwändige Umbauten zugunsten der Kleinkinderbetreuung ersparen und zudem für die Senioren eine Verbesserung der Betreuung bringen, legte Bürgermeisterin Patricia Ortmann dar. Sie sieht das Vorhaben als "klassische Verdichtung innerorts".

Dem schlossen sich die Vertreter aller Fraktionen an. Der Bauausschuss hat die Pläne für das Listmann-Areal damit einstimmig empfohlen. Letztgültig entscheidet die Gemeindevertretung am 17. November über das Aufstellen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes.

Neubauten sollen auch auf dem Areal Gießener Straße 10-12 entstehen. Dort, auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen mit alter Schmiede, Wohnhaus, Ställen, Scheune, Nebengebäuden, sollen all jene Gebäude fallen, die nicht unter Objektschutz stehen. Eine lokale Investorengruppe plant den Bau einer Wohnanlage, die sich ebenfalls Richtung Talweg erstreckt; hinzu kommen sollen kleinere Gewerbe-Einheiten.

Das Projekt ist schon seit etlichen Monaten "im Geschäftsgang". Nach deutlichen kritischen Stimmen wurde nochmals nachgearbeitet. So soll die Verkehrsanbindung nur noch über die Gießener Straße erfolgen, nicht mehr über den Talweg, wie zuerst überlegt. Für diese Wohnanlage ist ebenfalls eine Tiefgarage geplant. Bedenken gab es wegen des Streuobstbestandes, der der Bebauung zum Opfer fällt. Da ist die Auflage, an anderer Stelle einen gleich großen Ausgleich zu schaffen.

Nicht geändert ist die Höhe der geplanten Bebauung. Diese wird mit Flachdach bis zu 14 Meter hoch werden, beklagt ein Nachbar, der sich im Ausschuss zu Wort meldete und seine bereits vorgebrachte Kritik erneuerte. Anwohner haben die Möglichkeit, ihre Anregungen und Bedenken nochmals formal einzubringen, wenn der zu ändernde Bebauungsplan für das Vorhaben für vier Wochen offengelegt wird. Dann muss die Politik abwägen und darüber entscheiden.

Doch auch für dieses Vorhaben zeichnet sich breite Zustimmung ab. Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Inge Mohr, begrüßt die Entwicklung: "Ich denke, Rodheim wird dadurch gewinnen". Einzig der Vertreter der Grünen enthielt sich bei der Abstimmung.

Ambitioniertes Bauvorhaben

Drittes ambitioniertes Bauvorhaben, wie bei dem Listmann-Areal ebenfalls von Wolfgang Lust und dem Gießener Architekturbüro Studio AW projektiert: Am Ortseingang von Vetzberg, in der Burgstraße 2, soll eine neue Wohnbebauung entstehen. Geplant sind dort mehrere Wohneinheiten, angepasst ans hängige Gelände und mit maximal zwei Vollgeschossen. Stichworte sind hier terrassenartig angelegte Bebauung und Dachbegrünung.

Die vorgelagerte Schotterfläche, vielfach als Abstellplatz und Parkplatz genutzt und in den vergangenen Jahren auch Standort der Container für Flüchtlings-Unterkünfte, soll in diesem Zuge zu einem ausgebauten Parkplatz werden, der teils öffentlich, teils privat genutzt werden kann. Die kleine Schotterfläche auf der anderen Seite der Burgstraße soll ebenfalls Parkplatz werden. Dieses Vorhaben passierte den Bauausschuss ebenfalls einstimmig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare