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Auf Rilkes Spuren

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Was der Dichter Rilke mit der Salzböde zu tun hat und wie die Siedlung Schmelz zu ihrem Namen gekommen ist, das erschließt eine knapp 12 Kilometer lange Tour von Fronhausen nach Lollar.

Ob auch Rainer Maria Rilke im Lokal oder auf dem Hof der Schmelzmühle gesessen und einen Schoppen genossen hat? Die Frage ist schon mehrfach aufgeworfen worden. Eine Antwort gibt es nicht. Aber möglich wär’s schon. Der Dichter war in den Jahren 1905 und 1906 jeweils für einige Wochen zu Gast auf dem gar nicht so weit entfernt liegenden Schloss Friedelhausen. Gräfin Luise von Schwerin hatte ihn an die Lahn eingeladen.

Rilke hat, so ist es überliefert, das Salzbödetal landschaftlich besonders reizvoll genannt. Und Rilke hat recht! Das zeigt eine Wanderung entlang der letzten Kilometer des Flüsschens heute so wie damals. Empfehlenswerter Startpunkt ist Fronhausen im Südkreis Marburg, der Endpunkt ist Lollar. Denn ein Rundweg ist es nicht, der das Salzbödetal erschließt, vielmehr eine der vielen reizvollen Etappen des Lahn-Wanderweges.

Da folgt man während der gut drei Stunden Gehzeit durchgehend dem roten "LW". Das Ziel Lollar und der Startpunkt Fronhausen sind idealerweise über die Bahn verbunden, die bald stündlich fährt.

Die Schmelz ist einer der geschichtsträchtigen Orte in der Region: Schon vor weit mehr als 1000 Jahren, wohl zu karolingischer Zeit, wurde auf einem Felssporn nahe der Salzböde am Rande des Krofdorfer Forstes das "Gronauer Schloss" errichtet. Von diesem frühmittelalterlichen Bau sind heute nur noch Fundamentreste versteckt im Wald zu entdecken. Aus jeder Zeit stammt auch das Gronauer Feld oder Battingsfeld, das bis heute bewirtschaftet wird.

Dieses gute Stück Ackerland im Forst westlich des Tales diente einst zur Versorgung der Bewohner des Gronauer Schlosses und wird heute noch vom Kronauer Hof aus bewirtschaftet.

Den Namen Schmelz hat der malerische Weiler direkt an der Salzböde übrigens im frühen 18. Jahrhundert bekommen, als dort Eisenerz abgebaut und verhüttet wurde. Wohl wenig ertragreich seinerzeit, denn der Betrieb wurde bald wieder eingestellt. Der Name indes blieb.

Die Schmelzmühle ist ein feines Ausflugslokal, seit 1844 wird sie von Familie Jung und deren Ahnen geführt; heute bereits in fünfter Generation. Eine Einkehr ist empfehlenswert, ebenso knapp zwei Kilometer weiter flussab am Ortsrand von Salzböden in der Schönemühle. Dort gibt es leckeren Kuchen.

Empfohlen sei der Weg von der Schmelz nach Salzböden entlang des Waldrandes und oberhalb des Mühlgrabens - oder aber mitten durch den Wiesengrund. Es waren früher übrigens etliche Mühlen mehr, die das Flüsschen säumten.

In Salzböden selbst ist das Augenmerk auf ein paar historische Kleinode zu richten. Etwa die steinerne Brücke über den Fluss, die heute noch unversehrt in Funktion ist: 1751 wurde sie gebaut.

Im Ort selbst hat die Förderung aus Mitteln der Stadt- erneuerung überaus positive Spuren hinterlassen. Das Dörfchen ist herausgeputzt; erst recht, seit vor wenigen Jahren die Ortsdurchfahrt neu gemacht worden ist. Salzböden ist ein schöner Flecken Hessen zum Leben.

Hinter Salzböden geht es weiter Richtung Odenhausen und auf den knapp 300 Meter hohen Altenberg, der nach Osten hin den Blick weit ins Lahntal ermöglicht. Weiter führt der Weg durch Feld und Forst Richtung Ruttershausen. Bemerkenswert dort: Die Vogelschutzhütte am Ortsrand, die Einblicke in die heimische Vogelwelt gibt und zugleich mit unterschiedlich gestalteten Vogelhäuschen aufwartet. Gleich am Ortseingang von Ruttershausen führt der Weg über die Lahn Richtung Lollar und dort zum Bahnhof.

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