Rettung auf den letzten Drücker

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Noch vor zwei Wochen drohte den Grünen in Reiskirchen das Aus für die bevorstehende Kommunalwahl. Es mangelte an Bewerbern. Am Tag vor Silvester konnte doch noch eine Liste verabschiedet werden. An der Spitze ein neues Gesicht: die partei- lose Carolin Launspach aus Hattenrod.

Als die Grünen im April 1989 erstmals in die Reiskirchener Gemeindevertretung einzogen, waren Heidemarie Hagemann-Haag und Dr. Rolf Tobisch schon dabei. Fast 32 Jahre haben die beiden Grünen wacker durchgehalten, aber noch vor zwei Wochen sah es so aus, als ob die beiden Urgesteine auch das (vorläufige) Ende grüner Kommunalpolitik in Reiskirchen besiegeln müssten. Zu diesem Zeitpunkt gab es lediglich drei Kandidaten für die Liste zur Kommunalwahl: Tobisch, Hagemann-Haag und den parteilosen Renz Hornischer. Wenn sich nicht weitere Bewerber melden sollten, werde es in der Reiskirchener Gemeindevertretung in den kommenden fünf Jahren keine grüne Fraktion geben, hatte Ortsverbandsvorsitzender Tobisch Mitte Dezember in einer Pressemitteilung gewarnt. "Wir drei Senioren alleine werden nicht antreten."

Doch soweit ist es nicht gekommen. Quasi in letzter Minute, fünf Tage vor Ende der Bewerbungsfrist, konnten die Reiskirchener Grünen doch noch eine Liste für die Kommunalwahl aufstellen. Sie umfasst 14 Personen, also genug, um Stimmverluste zu vermeiden.

14 Bewerber

Tobischs Appell in den lokalen Zeitungen und die beherzte Intervention des Kreisvorstands hatten dafür gesorgt, dass sich auf den letzten Metern doch noch eine ganze Reihe jüngerer Leute in die Verantwortung nehmen ließ. Zur Spitzenkandidatin wurde Carolin Launspach aus Hattenrod gewählt. "Ich fände es schade, wenn die Grünen nicht mehr dabei wären", begründete sie ihre Bewerbung. Launspach ist nicht Mitglied der Grünen, sondern kandidiert als Parteilose. Das ist bei den Grünen nicht unüblich. Schon gar nicht in Reiskirchen, wo der Ortsverband gerade mal vier Mitglieder zählt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der ebenfalls parteilose Ettingshäuser Bio-Bauer Jannik Hornischer, dessen Schwiegervater Renz Hornischer drei Legislaturperioden lang der Grünen-Fraktion angehörte, sowie Heidemarie Hagemann-Haag. Weitere Bewerber sind Vyacheslav Yashchenko, Katja Loepke, Caio Mathiowetz, Helen Hornischer, Hans Mattusch, Martina Kuhn-Mattusch, Rolf Tobisch, Renz Hornischer, Dieter Rosenbaum, Dirk Sarres und Christian Lütje. Auch für den Ortsbeirat Ettingshausen gibt es eine grüne Liste. Es kandidieren Michael Kettner, Renz Hornischer, Heidemarie Hagemann-Haag und Dieter Rosenbaum.

"Im Ortsverband Reiskirchen muss eine Weiterentwicklung stattfinden", appellierte Kreisvorstandsmitglied Christian Zuckermann, der das Treffen im Bürgerhaus gemeinsam mit Versammlungsleiterin Gerda Weigel-Greilich eröffnet hatte. "Wir haben keine Ermüdungserscheinungen. Aber wir brauchen neuen Input", unterstrich auch Hagemann-Haag, die aktuell dem Gemeindevorstand angehört.

Zuckermann machte den Interessenten Mut, sich zu engagieren. "Kommunalpolitik kann stinklangweilig sein, aber auch sehr spannend, denn man kann unmittelbar Einfluss nehmen auf die Infrastruktur vor Ort." Und Gerda Weigel-Greilich forderte alle auf, sich in die politische Arbeit vor Ort einzubringen, auch die, die nicht ins Parlament einziehen. "Wie brauchen eine breite Basis, damit wir in fünf Jahren nicht wieder kurz vor knapp suchen müssen."

Am kommenden Montag Vormittag hat Heidemarie Hagemann-Haag einen Termin bei Reiskirchens Wahlleiter Jan Feldbusch. Der wird die Wahlunterlagen prüfen. Falls etwas fehlen sollte, hat die Vorstandsfrau noch bis 18 Uhr Zeit, die Mängel zu beheben. Wenn alles glatt läuft, wird der Kreisvorstand ein wichtiges Ziel erreicht haben: In allen 18 Kommunen des Landkreises Gießen stehen grüne Listen zur Wahl.

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