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Jahrelang war die weiße Farbe auf der Straße kaum noch zu erkennen. Dafür ist das Schwarz jetzt um so deutlicher. Die Entfernung des Zebrastreifens in der Freiherr-vom-Stein-Straße stößt auf Unverständnis.

"Unglücklich"

Zebrastreifen im Negativ?

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Bürgermeister Dietmar Kromm hat seine Ankündigung umgesetzt und den Zebrastreifen in der Freiherr-vom-Stein-Straße entfernen lassen. Die Art und Weise stößt bei einigen auf Kritik.

Im Januar hatte die Reiskirchener SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung beantragt, den kaum noch sichtbaren Zebrastreifen in der Freiherr-vom-Stein-Straße aus Sicherheitsgründen wieder instand zu setzen. Eine Mehrheit der Parlamentarier lehnte dies allerdings ab. Der Bürgermeister entschied daraufhin in seiner Funktion als Ortspolizeibehörde, die Querungshilfe an der Ecke Sonnenstraße entfernen zu lassen. Weil sie nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspreche und in einer 30er-Zone nicht zulässig sei, wie Dietmar Kromm Anfang Juni erklärte.

In den Sommerferien ist der Fußgängerüberweg samt der dazugehörigen Schilder nun tatsächlich verschwunden. Irgendwie, aber irgendwie auch nicht. Denn die drei Meter langen und 60 Zentimeter breiten Streifen auf der Straße sind immer noch zu sehen. Nur sind sie eben nicht mehr weiß, sondern dunkelgrau.

Bei den Kritikern, die sich in den vergangenen Monaten für einen Verbleib der Querungshilfe ausgesprochen hatten, stößt das auf Unverständnis. Von einer "unglücklichen Umsetzung" spricht SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Stark. "Wenn man den Zebrastreifen schon entfernen lässt, hätte man das richtig machen müssen", findet sie. Eben so, dass dieser anschließend nicht einmal mehr zu erahnen gewesen wäre. "Jetzt ist es einfach ein Negativ-Zebrastreifen", sagt Stark.

Mit dieser Meinung steht sie offenbar nicht alleine. Viele Bürger schüttelten den Kopf über die Art der Ausführung, berichtet die Sozialdemokratin. Von einem Schildbürgerstreich sei die Rede.

Wirtschaftlichste Ausführung

"Wir können darüber nur lachen", sagt Simone Frischholz-Schmitt, die ihren Ärger über Kromms Entscheidung Mitte Juni öffentlich gemacht hatte, weil sie die Sicherheit ihres siebenjährigen Sohnes sowie anderer Mädchen und Jungen auf dem Weg zur Schule und zurück gefährdet sieht. "Für die Kinder ist der Zebrastreifen nach wie vor da - nur, dass er jetzt eben schwarz ist", sagt sie. Dass das Schild abgebaut wurde, helfe da gar nichts. "Das verstehen die Kinder ohnehin noch nicht." Eine wirkliche Entfernung des Fußgängerüberweges sieht für die Reiskirchenerin anders aus. Frischholz-Schmitt: "Das war die billigste Lösung."

Der Rathauschef formuliert es etwas anders: "Insgesamt betrachtet handelt es sich bei dieser Ausführung um die wirtschaftlichste Art." Aus gutem Grund, denn "die Gemeinde ist aus haushalterischen Gründen zur Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verpflichtet". Deshalb sei die Stelle auch nicht abgefräst und neu asphaltiert worden "Dafür hätten wir ein Tiefbauunternehmen beauftragen müssen, da wir keine entsprechenden Gerätschaften auf dem Bauhof haben", erklärt Kromm. Bei der derzeitigen Marktlage hätte sich aus seiner Sicht kein wirtschaftliches Angebot finden lassen und möglicherweise nicht einmal eine entsprechende Firma. Denn eine solche Kleinfläche sei schlichtweg uninteressant für die Betriebe. "Wir müssen bedauerlicherweise feststellen, dass Ausschreibungen für Tiefbaumaßnahmen verhaltenen Anklang finden." Kromm: "Selbst, wenn das Geld dafür vorhanden gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich Monate warten müssen, bis die Maßnahme erledigt gewesen wäre."

Auf die weißen Stellen wurden deshalb thermoplastische Streifen in asphaltgrau aufgetragen und der Fußgängerüberweg auf diese Weise "zurückgebaut", sagt Kromm. Aus seiner Sicht ist die Querungshilfe als solche nun nicht mehr erkennbar.

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