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Windparkpläne in Reiskirchen: Sind Jahrtausende alte Hügelgräber in Gefahr?

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Ein Investor will in Reiskirchener neun Windräder bauen. Im Ort sorgt man sich nun um wertvolle Bodendenkmäler. Hat deren Existenz gar Auswirkung auf notwendige Genehmigungen?

Zwei Vorranggebiete für Windkraftanlagen weist der Teilregionalplan Energie Mittelhessen für die Gemeinde Reiskirchen aus. Die eine liegt östlich von Bersrod und nördlich der A 5, die andere östlich von Winnerod und südlich der Autobahn.

Die Energiequelle GmbH aus Zossen (Brandenburg) will dort einen Windpark errichten. Neun Anlagen sind geplant. Die Mitglieder der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen fürchten jetzt um die Existenz der dortigen Hügelgräber.

Unterstützt das Parlament den Bau?

Bei der Gemeinde hat sich der Investor bereits vorgestellt, bestätigt Bürgermeister Dietmar Kromm auf GAZ-Anfrage. Da sich ein kleiner Teil des nördlichen Vorranggebietes in kommunalem Besitz befindet, kann das Parlament in diesem Bereich Einfluss nehmen. Will man den Bau unterstützen und von Pachteinnahmen profitieren oder – wie im vergangenen Jahr im benachbarten Fernwald geschehen – Windräder auf der gemeindeeigenen Fläche verhindern?

Auf den größeren Teil der Vorranggebiete haben die politischen Entscheidungsträger ohnehin keinen Einfluss, da es sich um Staatswald und somit Landeseigentum handelt. Bei HessenForst ist man sich offenbar bereits mit der Energiequelle GmbH einig.

Die Firma aus Brandenburg hat bei einem Bieterverfahren den Zuschlag erhalten, bestätigt André Schulenberg, Pressesprecher bei HessenForst. Die Bürger sollen bei einer Informationsveranstaltung über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Ein konkreter Termin steht zwar noch nicht, laut Tauke wird dieser aber in den nächsten viereinhalb Monaten stattfinden.

40 Jahrtausende alte Gräber rund um den "Sengkopf"

Von den Plänen des Investors hat die Heimatgeschichtliche Vereinigung (HGV) Reiskirchen Wind bekommen und ist alles andere als erfreut. Der Grund: Im Bereich des Vorranggebietes südlich der Autobahn befindet sich ein Feld von Hügelgräbern, darunter das vermutlich größte im Landkreis Gießen, sagt HGV-Vorsitzender Kurt Herber. Über 40 Gräber sollen es rund um den "Sengkopf" sein. Es wird vermutet, dass sie aus der Bronzezeit stammen, also über 3000 Jahre alt sind.

Seit mehr als 25 Jahren besucht Herber die große Grabstätte regelmäßig und überprüft sie auf Veränderungen, wie sie beispielsweise durch Raubgrabungen entstehen würden. "Wir sehen es als Aufgabe unseres Vereins, diese Zeugen unserer Vergangenheit zu schützen und zu bewahren", unterstreicht der Reiskirchener.

Der Bau eines Windparkes gefährdet in seinen Augen die Existenz der Gräber, weshalb er bereits den Bürgermeister, die Untere Denkmalschutzbehörde und die Arbeitsgruppe Archäologie des Oberhessischen Geschichtsvereins in dieser Angelegenheit kontaktiert hat. "Damit die Bodendenkmäler weder durch den Bau von Windkraftanlagen vernichtet, noch im Zuge von umfangreichen Bauarbeiten in diesem Gebiet geschädigt werden", so der HGV-Chef.

Könnte gar der Bau des Windparks verhindert werden?

Aber besteht überhaupt eine Chance auf den Schutz der Grabstätten? Könnten solche gar den Bau eines Windparks verhindern? Unter bestimmten Umständen ja.

Liegen Hügelgräber im unmittelbaren Bereich von geplanten Windrädern, könnte dies die Einhaltung eines größeren Abstandes der Anlage zu den Bodendenkmälern erforderlich machen, erklärt RP-Pressesprecher André Rieb. Sind solche Standortänderungen nicht möglich, komme es auf die denkmalschutzrechtliche Bewertung an, also ob die Beeinträchtigungen zulässig sind oder nicht. Die Prüfung obliege den Denkmalschutzbehörden, die im Genehmigungsverfahren beteiligt werden.

Vielfach erfolgten erst zu diesem Zeitpunkt genauere Untersuchungen zu Ausdehnung und Details eines Bodendenkmals.

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