1871 kam das Wasser in Hattenrod noch nicht aus der Leitung, sondern aus Brunnen - wie hier in der Licher Straße. REPRO: LA
+
1871 kam das Wasser in Hattenrod noch nicht aus der Leitung, sondern aus Brunnen - wie hier in der Licher Straße. REPRO: LA

Als das Wasserschöpfen ein Ende hatte

  • vonRedaktion
    schließen

Reiskirchen(la). Während der Dürrezeit in diesem Sommer machten sich viele Menschen Sorgen um den Garten oder den Rasen. Als es noch keine zentrale Wasserversorgung gab, war der sorgsame Umgang mit Wasser jedoch noch ein größeres Thema.

Es waren die Brunnen in den Dörfern, die das notwendige Wasser lieferten. In Hattenrod gibt es die Brunnengasse. Bekannt ist, dass dort zu fast jedem Haus ein Brunnen gehörte. Das Wasserschöpfen aus dem Brunnen war keine leichte Arbeit. Jeweils ein Eimer wurde an ein Seil gehängt und in den Brunnen hinabgelassen, gefüllt und wieder mit dem Seil nach oben befördert. Selbstverständlich kam es auch vor, dass ein Eimer unten im Brunnen liegenblieb.

Die Brunnen waren mit Eisenstäben und einem Blechdach versehen. Einmal im Jahr wurden sie gesäubert. Dabei wurde mancher Unrat gefunden, vielleicht auch einmal eine tote Katze. Auf einem Bauplan von 1871 sind in Hattenrod neun Brunnen eingezeichnet. Die Brunnen in der Brunnengasse müssen wohl erst nach 1871 entstanden sein, da sie darauf nicht verzeichnet sind.

1890 erste Idee für Versorgungsleitung

Bereits um 1890 gab es die Idee für eine zentrale Wasserversorgung. Der damalige Bürgermeister Christian Mengel schlug das Projekt vor, wollte für die Verwirklichung 1000 Mark spenden. Der Gemeinderat lehnte jedoch den Bau der Wasserversorgung ab, wobei ein Gemeindevertreter auf den Tisch schlug und lauthals sagte: "Wir haben immer das Wasser getragen und können es auch weiterhin tragen."

Erst 1910 erhielt Hattenrod eine zentrale Wasserversorgung. Dafür war ein ergiebiger Brunnen notwendig. Danach waren die Brunnen mehr und mehr entbehrlich. Dennoch wurden viele zunächst einmal erhalten.

1944 wurde der Brunnen von einer Bombe getroffen - ein Fehlabwurf, der eigentlich dem nahe gelegenen Flugplatz gegolten hatte.

1947 war es so trocken, dass der Brunnen an der "Gäusbach" kaum Wasser hatte, somit eine Trinkwasserknappheit herrschte. Bauern führten ihre Kühe auf die Weiden, oft in der Nähe der Jossoller, damit sie durchkamen. Die Gemeindevertretung beschloss, dass das Leitungswasser nur noch als Trinkwasser für Mensch und Tier verwendet werden durfte. Garten bewässern war bei strenger Strafe verboten.

Die Trinkwasserknappheit in Hattenrod nahm zu, bis sich schließlich die Gemeinde entschloss, in unmittelbarer Nähe des Hochbehälters 1960/61 einen 60 Meter tiefen Brunnen zu erschließen. Dies kostete 70 000 DM. Schon damals wurde der steigende Pro-Kopf-Wasserverbrauch deutlich. Die Pumpstation befand sich an der Ecke der Straße nach Harbach. Von dort wurde das Wasser zum Hochbehälter gepumpt.

Preis pro Kopf berechnet

Die Wasserversorgung für Hattenrod war wieder gesichert. Wurde der Wasserpreis bisher nach Anzahl der Personen in einem Haushalt und der Zahl von Großvieh errechnet, und war dadurch sehr günstig, so wurde im Mai 1961 der Einbau von Wasseruhren beschlossen. Inzwischen ist der erste Brunnen genau 110 Jahre alt, versteckt in dem Pappelhain. Würde in der Umgebung ein Brand ausbrechen, würde er allerdings wichtige Dienste leisten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare