"Ich spende einen Teil meiner Haare, um jemand anderen glücklich zu machen", sagt Ellice. FOTO: sgt

"Haare sind Haare, egal wie lang"

Warum die 13 Jahre alte Ellice aus Reiskirchen ihre Haare spendet - Auch Freundin ermutigt

  • vonSusanne Görnert
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"Um jemand anderen glücklich zu machen": Die 13 Jahre alte Ellice hat in der Zeitung einen Artikel über Echthaarspenden gelesen - und fasste noch am Frühstückstisch einen Entschluss.

Lange Haare sind für 13-jährige Mädchen eigentlich sehr wichtig. Dennoch entschied sich Ellice aus Reiskirchen nun dafür, sie abschneiden zu lassen - für einen guten Zweck.

In der Zeitung hatte sie einen Bericht gelesen, dass aus Echthaarspenden Perücken für Kinder angefertigt werden, die aufgrund von Krebs ihre Haare verloren haben. Aufgrund des Artikels hat sie sich viele Gedanken gemacht, wie es wohl sein müsste, ohne Haare Leben zu müssen. Daraufhin beschloss die 13-Jährige noch am Frühstückstisch zu handeln: "Ich spende einen Teil meiner Haare, um jemand anderen glücklich zu machen."

Ihre Mutter war zunächst überrascht: "Bisher wurden bei ihr immer nur die Spitzen geschnitten. Noch nie mehr, selbst dabei hat sie um jeden Millimeter gefeilscht." Doch sie unterstützte ihre Tochter bei der Idee.

Die 13-Jährige erklärt: "Haare sind Haare, egal wie lang. Hauptsache man hat welche. Wenn ich keine hätte, dann würde ich auch gerne welche haben wollen."

Gemeinsam mit ihren Eltern informierte sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten zur Haarspende. Beispielsweise muss das abgeschnittene Haar eine Mindestlänge haben, um daraus eine Echthaarperücke herstellen zu können. Auch die Art, wie es abgeschnitten und auf den Postweg gebracht wird, ist sehr wichtig. Liegen die Haare wirr durcheinander, würden die gegenläufigen Schuppenschichten reiben und sich verhaken. Dies führt zum Verfilzen der Haare und die Spende wird dadurch unbrauchbar.

"Es gibt Vereine, die verkaufen die Haare und spenden das Geld - das wollte Ellice nicht", sagte ihre Mutter. Zudem fanden die Eltern heraus, dass es viele Haare braucht, um eine Perücke zu schaffen. Daher müssen mehrere Haarspenden von gleicher Farbe und Beschaffenheit zusammenkommen.

Als der richtige Verein gefunden war, dauerte es noch ein bisschen, bis gespendet werden konnte: Die Haare hatten noch nicht die notwendige Länge von 30 Zentimetern erreicht.

Dann endlich war es soweit, um einen Termin beim Friseur zu vereinbaren, doch Corona kam dazwischen und die Haare durften noch ein paar Monate wachsen. In dieser Zeit erzählte die Teenagerin allen Freunden, Bekannten, Nachbarn oder Klassenkameraden von ihrem Vorhaben. Die meisten waren beeindruckt, konnten es sich jedoch nicht vorstellen, es ihr gleich zu tun. Einzig ihre Banknachbarin Nicole aus der Schule, sah es genauso wie Ellice und hat sich ebenfalls zu einer Haarspende entschieden.

Für Friseurmeisterin Olga Will war dieser Termin ebenfalls etwas besonderes, denn die Teenagerin ist die Erste, die in ihrem Friseursalon ihre Haare abschneiden lässt, um diese zu spenden. "Lange Haar abschneiden, das passiert öfter, doch gespendet hat noch nie eine Kundin", sagte die Chefin.

Weil am Ende noch eine schöne Frisur für die Dreizehnjährige möglich sein soll, hat Ellice sich entschieden, dass nur bis zum Kinn gekürzt werden darf. Schließlich sollen bis zur Konfirmation im nächsten Jahr die Haare wieder so lang sein, dass eine schöne Mädchenfrisur möglich ist. Und danach gibt es vielleicht die nächste Haarspende.

sgt/FOTO: SGT

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