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Dalip Kryeziu vor einem der großformatigen Werke.

Vorliebe für verfremdete Physiognomie

  • VonVolker Heller
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Reiskirchen (vh). Eine Auswahl seiner Werke stellt der zeitgenössische Künstler Dalip Kryeziu bis 31. März 2022 im Golfpark Winnerod aus. Malerei und Skulpturen findet der Besucher im Club-Haus, Restaurant, Innenhof und Außenbereich. Wie es scheint, dreht sich bei Dalip - alle nennen ihn übrigens so, weil der Nachnahme ein Zungenbrecher wäre - alles um Gesichter.

Egal, ob das menschliche Antlitz nun ein Großformat dominiert oder in unverkennbaren Fragmenten collagiert.

Den höchsten Abstraktionsgrad erreicht der bildende Künstler mit Metallskulpturen. Das Gesicht, eigentlich der Kopf, wird beispielsweise durch mehrere hintereinander versetzte Scheiben mit ovalem Muster angedeutet.

Woher Dalips Vorliebe für das Verfremden von Physiognomie kommt, erläuterte Dalvin Kryeziu, Sohn des Künstlers und Kunsthistoriker. Zuvor hatte Emanuell Nujiqi (Künstleragent, Oberursel) die Gäste der Vernissage begrüßt. Er hatte Golfpark und Dalip zusammen gebracht.

Aus dem Kosovo in die Wetterau

Dalip ist im Kosovo gebürtig. Als Jugendlicher hatte es ihn an die Küste gezogen (Adria), wo er ausgiebig zeichnete und schließlich das Porträtieren der reichlich vorhandenen Touristen als gute Einnahmequelle für sich entdeckte. Wie aus dem frühreifen Straßenporträtist der mittlerweile international gefragte Künstler werden konnte, hängt mit dessen Fähigkeit zusammen, im Gesicht den Charakterkopf zu erkennen und diesen in Bildsprache zu fassen.

Über den Umweg Österreich und erste Ausstellungen hier kam Dalip in die Wetterau. In Nieder-Weisel hat er eine Hofreite zum Atelier ausgebaut. Den Maler und Skulpteur zu verstehen, bedeutet, sich auf sein Werk einlassen. Das zwingt zunächst zur näheren Betrachtung. Dalvin Kryeziu sagt dazu: »Der Betrachter vollendet das Gesicht selber« oder »der Betrachter hat das konstituierende Moment inne«. Dalips Skulpturen aus Holz und Eisen transformieren den Abstraktionsgrad einer wiederum menschlichen Gestalt konsequent weiter, deuten außer dem Kopf/Gesicht auch andere Körperteile an. Es sind bestenfalls nur vertraute Körperlichkeiten oder angedeutete Formzusammenhänge.

Kryeziu informierte, sein Vater habe ab 1995 Einzelausstellungen in Österreich, Italien und Deutschland beschickt, 1997 und 1999 an der Biennale Internazionale dell’Arte contemporanea in Florenz teilgenommen. 1999 sei ein erster öffentlicher Ankauf durch die Kunsthalle Gießen erfolgt, dann vom Museum der Moderne Salzburg. Auch Geldinstitute und die Versicherungswirtschaft hätten zugegriffen.

Die Ausstellung der Bilder und Skulpturen kann bis 31. März 2022 dienstags bis sonntags von 12 bis 20 Uhr besichtigt werden. Persönliche Besichtigungen auf Anfrage unter Tel. 01 51/23 55 20 00.

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