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Kurt Herber mit dem selbstgebauten Tandem. FOTO: LA

Mit dem Tandem nach Paris

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Reiskirchen(la). Im Jahr 1974 ist Kurt Herber, der Vorsitzende der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen, gemeinsam mit Heinz Schreyer auf einem selbstgebauten Tandem von Reiskirchen aus in die französische Hauptstadt Paris gefahren. Über seine durchweg positiven Erfahrungen hatte er unter anderem bei einem Vortrag berichtet.

Unterwegs geschweißt

Das Tandem hatte Herber, damals Maschinenbau-Student, im Jahr zuvor aus zwei alten Damenfahrrädern zusammengebaut, die er ziemlich verrostet in einer alten Scheune gefunden hatte. Nachdem die Idee geboren war, ging es mit großem Fleiß an die Arbeit. Unterstützung erfuhr er durch seinen Mitfahrer Schreyer, der damals Sanitätssoldat bei der Bundeswehr war. Es wurde gesägt und geschweißt.

Bevor die beiden ihre große Fahrt über 1100 Kilometer antraten, sollte eine Testfahrt nach Luxemburg gemacht werden. Doch bereits in der Nähe von Braunfels gab es die erste große Panne: Ein Reifen platzte, und Hilfe musste in Anspruch genommen werden. Schnell fanden die beiden nette Menschen, die dazu bereit waren - eine Erfahrung, die sie auf ihren weiteren Fahrten immer wieder machen sollten.

An Erfahrung und Routine reicher geworden, starteten Herber und Schreyer am 24. August 1974 schließlich das Unternehmen. Mit einem selbstgetexteten Lied "Paris ist unser Ziel, wir fahren so schnell es geht auch dorthin", verließen beide Reiskirchen. Über die Wetterau und Frankfurt steuerten sie Heidelberg an, das erste Etappenziel. Am zweiten Tag war Karlsruhe angesagt. Durch das Rheintal, über den Rhein erreichten die beiden die französische Grenze. Der dritte Tag bescherte den Abenteurern dann eine erste große Panne, bei der wieder Schweißerarbeiten notwendig waren. Aber auch hier waren Hilfe und Freundlichkeit der Menschen bemerkenswert, erinnert sich Herber. Anschließend ging es entlang des Marne-Rhein-Kanals durch kleine, schöne Dörfer und die Champagne mit ihren zahlreichen Weinbergen. Am sechstem Tag standen die beiden schließlich vor den Toren der französischen Hauptstadt - voller Stolz, das Ziel erreicht zu haben. Dort steuerten die Reiskirchener schnurstracks auf den Eiffelturm zu. Begeistert waren die Oberhessen auch vom Louvre, Notre Dame, Sacré- Coeur, dem Invalidendom, den Champs-Elysée, dem Arc de Triomphe und von Schloss Versailles.

Auf der Heimreise fuhren die beiden zunächst mit dem Eilzug von Paris nach Straßburg. Die restliche Strecke wurde wieder mit dem "Pedalix" zurückgelegt. Damit auch jeder sehen konnte, woher die beiden kamen, hatten sie am Ende des Tandems ein großes Schild angebracht: "Paris - Straßburg - Reiskirchen". Das war am 7. September 1974.

Als er einige Jahre später noch einmal einen Teil der Strecke in Frankreich mit dem Auto zurücklegte, habe er jede Kurve und jedes markante Fleckchen noch einmal genau erkannt, berichtete Herber abschließend.

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