In Reiskirchen entsteht ein neues Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung. FOTO: US
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In Reiskirchen entsteht ein neues Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung. FOTO: US

Umzug

In Reiskirchen für jeden Bewohner ein eigenes Zimmer

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Die Schottener Sozialen Dienste bauen ein neues Kinder- und Jugendheim in Reiskirchen. In Langgöns werden die Bungalows aus den 70ern abgerissen.

Lukas wohnt momentan in Langgöns ganz nah am Wald. Im kommenden Sommer soll er umziehen, nach Reiskirchen. Sein neues Zuhause am Ende der Goethestraße liegt nicht ganz so idyllisch wie das bisherige. Dennoch freut sich der Zwölfjährige auf den Umzug. Der Grund: "Ich kriege ein Einzelzimmer."

Das Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung, das die Schottener Soziale Dienste gGmbH am Rand von Reiskirchen baut, erfüllt hohe Standards. Die 24 Zimmer in vier Wohngruppen sind mindestens 16 Quadratmeter groß und haben ein eigenes Bad. Solchen Komfort waren die Bewohner in Langgöns bislang nicht gewohnt. Die Bungalows dort, 1972 errichtet, versprühen mit ihren Doppelstockbetten und den Gemeinschaftsbädern eher den Charme einer Jugendherberge aus früheren Zeiten. "Eine Sanierung am alten Standort war nicht möglich", sagt Angelika Maus, die Regionalleiterin der Schottener Sozialen Dienste für den Landkreis Gießen. Deshalb habe man schon lange nach einem neuen passenden Standort gesucht.

2016 wurde die gemeinnützige Gesellschaft in Reiskirchen fündig, einer Gemeinde, die über ähnliche Voraussetzungen verfügt wie Langgöns: gute Infrastruktur, gute Verkehrsanbindung, Nähe zu Gießen. Seither war der Träger damit beschäftigt, die Planungen gemeinsam mit dem Landeswohlfahrtsverband, dem Landkreis Gießen, dem Land Hessen und der Gemeinde Reiskirchen auf den Weg zu bringen. Anfang August konnte mit dem Bau begonnen werden. Ein offizieller erster Spatenstich fand wegen Corona nicht statt.

Bei einem Baustellenbesuch am Freitag stellte Maus gemeinsam mit Einrichtungsleiter Richard Dost, Teamleiterin Anik Budde und Erzieherin Simone Wießner die Pläne vor. Mit dabei auch Lukas Gaul, Marvin Schorge und Ernesto Scrivano, drei künftige Bewohner. Die Kosten für das neue zweistöckige Wohnheim sind mit 3,7 Millionen Euro veranschlagt. Davon stellt das Land Hessen Fördermittel in Höhe von 708 000 Euro bereit.

Die Kinder und Jugendlichen, die in der Einrichtung der Schottener Soziale Dienste leben, sind zwischen sechs und 23 Jahre alt und kommen aus der ganzen Region, etwa die Hälfte aus dem Landkreis Gießen. Sie haben ganz unterschiedliche Diagnosen, manche sind auch mehrfach beeinträchtigt. Viele von ihnen besuchen die Martin-Buber-Schule in Gießen. Für sie wird sich daran auch nichts ändern, erläuterte Maus. Für Kinder, die neu einziehen, komme in Zukunft aber auch die Gallusschule in Grünberg in Frage.

Potenzielle Kooperationspartner für das Wohnheim gibt es zudem in nächster Nachbarschaft. Gleich gegenüber liegt das Familienzentrum "Anne Frank", das von der "Lebenshilfe" betrieben wird. Und auch bis zur Tagesstruktur des Martinsheims für psychisch erkrankte Menschen sind es nur ein paar Schritte. Wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, muss noch ausgelotet werden. Aber das hat Zeit. "Erst einmal fertig werden und einziehen", sagt die Regionalleiterin.

Für die ältesten Bewohner des Heims, die nach der Schule in den Beruf, meistens in einer Behindertenwerkstatt, einsteigen, bietet das neue Wohnheim ganz neue Möglichkeiten: ein von den Gruppen abgegrenztes Apartment. Hier können sie schon mal ausprobieren, wie es ist, selbstständiger zu leben, ehe sie in eine andere Wohnform umziehen.

Abriss in Langgöns

Wenn die Kinder und Jugendlichen nach Reiskirchen umgezogen sind, sollen die Bungalows in Langgöns abgerissen werden. Wie die Fläche dann genutzt werden soll, sei noch nicht klar, sagt Angelika Maus. Aber es gebe Bedarf. Gleich nebenan steht die große Wohnanlage für Erwachsene mit geistiger und psychischer Beeinträchtigung. Auch sie stammt aus den 1970er Jahren. Ein bisschen Spielraum kann da nicht schaden.

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