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Eintreten und gruseln: Der Vorgarten von Marina und Sascha Keil öffnet sich heute Abend wieder für Besucher.

Halloween

Kreis Gießen: Das interaktive Gruselhaus lockt zu Halloween 

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Seit etlichen Monaten schon bereiten Marina und Sascha Keil ihr Haus in Ettingshausen auf Halloween vor. Das interaktive Gruselhaus ist mittlerweile Kult im Ort.

Reiskirchen - An einem 8,10 Meter hohen Mast hängen zwei schwarze Segel. Darunter ragt das Heck eines Schiffes aus der Hecke. Installiert zwischen zwei Pfosten, dort, wo sich eigentlich das Hoftor des Anwesens befindet. Allein wegen seiner Größe zieht das hölzerne Bauwerk am Ettingshäuer Ortseingang die Blicke von Passanten auf sich. Doch nur, wer fremd ist, wundert sich darüber. Im Dorf selbst weiß jeder, was es damit auf sich hat. Es ist Halloween, und zu diesem Tag lassen sich Marina und Sascha Keil immer etwas Besonderes einfallen.

Das allerdings übersteigt längst, was sich hierzulande normalerweise am Abend des 31. Oktober an den Haustüren abspielt. Zwar gibt es auch in der Harbacher Straße 28 Süßes, aber gespickt mit einer ordentlichen Portion Saurem. Wer hier Einlass erbittet, betritt das Grundstück "auf eigene Gefahr", wie auf einem Hinweisschild am Eingang zu lesen ist. "Fass nichts an, dann fasst Dich nichts an", steht gleich darunter.

Wer sich überwindet, den erwartet eine Geisterbahn mit garantiertem Gruseleffekt. Denn auf den folgenden 120 Metern bieten die Macher den Besuchern nicht nur jede Menge unheimlicher Dekorationen, sondern auch 30 halloweenbegeisterte Akteure, die den Gästen ein unvergessliches Erlebnis bereiten wollen. Jeder hat seine eigene Rolle. Rund 20 Minuten dauert das interaktive Theaterstück, das im Vorgarten der Keils auf geführt wird. Das Motto: Piraten.

Reiskirchen: Eine Mutprobe für die Kinder

"Angefangen hat alles vor 15 Jahren mit drei Kürbissen und einer Axt vor der Tür", erzählt Sascha Keil. Er hatte sich damals als Monster verkleidet und die Kinder aus dem Dorf erschreckt, wenn die um Süßes baten. "Das hat sich dann von Jahr zu Jahr gesteigert", erzählt seine Frau Marina. Die Dekorationen wurden immer aufwendiger. Irgendwann installierte die Familie die erste Kulisse.

"Für die Kinder im Dorf war es eine Mutprobe, bei uns zu klingeln", erinnert sich das Paar. Es wurden immer mehr Besucher, Mitstreiter schlossen sich den Keils an, um die beiden bei Planung und Umsetzung zu unterstützen. 2015 entschied man sich, die Abende erstmals unter ein Motto zu stellen. "Weil es uns nicht nur darum geht, Leute zu erschrecken, sondern Geschichten zu erzählen", sagt Sascha Keil. Das sei mit einem Thema wesentlich einfacher, weil es ein strukturelleres Vorgehen erleichtert.

Auf dem Weg durch die Geisterbahn warten gruselige Dekorationen.

Die Ideen entstehen in der Regel schon beim Aufbau im Vorjahr. "Wir überlegen, was man machen könnte und welche Figuren sich anbieten", sagt Marina Keil. In den Frühjahr- und Sommermonaten wird das Ganze dann ausgebaut, bevor sie und ihr Mann "die Fragmente schließlich zu einem Gebilde zusammenstricken". Im August steht das Gesamtkonzept, dann werden Rollen verfeinert, zeitliche Abfolgen und Szenerie festgelegt.

Zeitgleich beginnt die bauliche Umsetzung. Etwa drei Monate vor Halloween werden abends und an den Wochenenden zunächst größere Elemente wie das Schiffsheck auf dem Nachbargrundstück zusammengebaut und schließlich an Ort und Stelle installiert. "Die letzten vier Wochen sind dann immer ziemlich anstrengend", berichtet Sascha Keil. Der Vorgarten wird zur Baustelle, in dem täglich irgendwer herumwerkelt. Einige nehmen sich sogar in den letzten Tagen Urlaub, damit alles rechtzeitig fertig wird. Einer davon ist Eugen Tissen, ein guter Freund der Familie und Mitstreiter der ersten Stunde.

Reiskirchen: 2018 kamen 500 Besucher

Ziemlich viel Aufwand für ein paar schaurige Stunden am Abend vor Allerheiligen, aber für die Keils und ihr Team aller Mühen wert. "Es macht uns einfach großen Spaß, den Kindern diese Freude zu bereiten", sagt Sascha Keil auf die Frage nach seiner Motivation. "Die freuen sich das ganze Jahr darauf." Aber auch die Tatsache, dass auf dem Land nur noch wenig los sei und der Spaß, den das Team mittlerweile selbst bei den Vorbereitungen habe, spiele eine große Rolle.

Die Resonanz spricht für sich: Knapp 500 Besucher kamen 2018 am Halloween-Abend in den Vorgarten am Ortsrand. In diesem Jahr rechnen die Keils mit noch mehr Zuspruch, haben deshalb bei Kaufmann Nurhan Uras um Spenden gebeten. Acht große Körbe randvoll mit Gummibärchen, Schokoriegeln und anderen Leckereien warten darauf, verteilt zu werden, wenn es heute Abend wieder heißt: Süßes oder Saures.

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