+
Der Zebrastreifen in der Freiherr-vom-Stein-Straße soll zügig entfernt werden. Eltern von Schulkindern fordern dagegen, die Querungshilfe zu erhalten.

Sicherer Schulweg

Protest gegen Zebrastreifen-Aus in Reiskirchen

  • schließen

Ein verblasster Zebrastreifen sorgt für erhitze Gemüter: Die Eltern sehen mit dem Wegfall die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet. Sie planen eine Unterschriftenaktion.

Schon lange ist er kaum noch richtig erkennbar. Jetzt soll er ganz verschwinden. Die Rede ist vom Zebrastreifen in der Freiherr-vom-Stein-Straße, Ecke Sonnenstraße in Reiskirchen. Bürgermeister Dietmar Kromm hatte dies Ende vergangener Woche in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht. Begründung: Der Fußgängerüberweg entspreche zum einen nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften, zum anderen sei er in einer 30er-Zone nicht erlaubt.

Bei einigen stößt Kromms Entscheidung auf Kritik. Beispielsweise bei Simone Frischholz-Schmitt, die ihren Ärger darüber öffentlich gemacht hat und eine Unterschriftenaktion plant. Sie fühlt sich vom Rathauschef falsch informiert und sieht die Sicherheit ihres siebenjährigen Sohnes und anderer Kinder auf dem Weg zur Schule und zurück gefährdet. Fußgängerüberwege seien laut R-FGÜ - also den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen in einer Tempo-30-Zone - weder "nicht erlaubt" noch verboten, sondern lediglich "entbehrlich", so die Reiskirchenerin. Und genau das ist der Zebrastreifen in ihren Augen nicht. "Wir halten ihn für unentbehrlich", sagt die Mutter. Er sei Teil des Sicherer-Schulweg-Konzeptes, dem die Vorschulgruppe ihres Sohnes gefolgt sei und Teil des offiziellen Schulweges, den die Kirschbergschule ausgewiesen habe.

180 betroffene Kinder

Letzteres ist richtig, wie die Pressestelle des Landkreises und Schulleiterin Anne Peters auf GAZ-Anfrage bestätigen. "Ja, der Zebrastreifen ist Teil des Sicherer-Schulweg-Konzeptes, das den Eltern von der Schule an die Hand gegeben wird. Es wird gerade 70 Mal für die neuen Erstklässler innerhalb der Informationsschrift gedruckt", so Peters, die sich einen Erhalt des Fußgängerüberweges für die rund 180 betroffenen Kinder gewünscht hätte. Laut Landkreis ist der Schulweg aber mit und ohne Zebrastreifen sicher, da es sich um eine Tempo-30-Zone handelt, so Dirk Wingender, Pressesprecher der Behörde.

"Viele Kinder überqueren an diesem Zebrastreifen zweimal täglich die Straße, um zur Schule und wieder nach Hause zu gelangen", sagt Frischholz-Schmitt. Fällt er weg, geht in ihren Augen ein großes Stück Sicherheit verloren. Das Verkehrsaufkommen sei zu den regulären Schulzeiten hoch. Zum einen kürzten über diese Route viele Autofahrer ab, um sich dem stockenden Verkehr der B 49 zu entziehen. Zum anderen würden die Schulbediensteten, Lieferanten und viele Eltern-Taxis über die Freiherr-vom-Stein-Straße zur Kirschbergschule fahren.

Suggerierte Sicherheit

Bürgermeister Kromm sieht das anders. In seiner Funktion als Ortspolizeibehörde habe er die dortigen Fußgängerquerungen und Fahrzeugbewegungen erheben lassen. Die erforderlichen Zahlen, die einen Überweg an dieser Stelle rechtfertigten, würden nicht erreicht, so Kromm. "Der Zebrastreifen ist an der Stelle entbehrlich, weil es sich um eine Tempo-30-Zone handelt", sagt der Rathauschef. Die Kritik von Frischholz-Schmitt an seiner Formulierung in der Pressemitteilung weist er als "spitzfindig" zurück. Zudem ist er der Meinung, dass Zebrastreifen eine nicht vorhandene Sicherheit suggerierten. Unfälle wie der im November 2017, als eine Frau auf dem Zebrastreifen in der Kinzenbacher Straße in Krofdorf angefahren und so schwer verletzt wurde, dass sie wenig später starb, zeugten davon.

Frischholz-Schmitt ist anderer Auffassung. Gesicherte Überquerungsstellen könnten die Fortbewegung schwächerer Verkehrsteilnehmer unterstützen. Sie fordert den Bürgermeister auf, den Fußgängerüberweg in der Freiherr-vom-Stein-Straße zu sanieren und das Verkehrsaufkommen in diesem Bereich durch zusätzliche Maßnahmen zu reduzieren. Doch dazu wird es wahrscheinlich nicht kommen. Kromm hat den Bauhof bereits mit der Beseitigung beauftragt. "Man wird den Zebrastreifen zügig wegmachen."

SPD-Antrag im Januar abgelehnt

Die SPD Reiskirchen hatte im Januar in der Gemeindevertretung beantragt, die Querungshilfe in der Freiherr-vom-Sein-Straße wieder sichtbar zu machen. Andere Fraktionen und der Bürgermeister standen dem ablehnend gegenüber. Zum einen wegen der Kosten. Zum anderen, weil Zebrastreifen eine nicht vorhandene Sicherheit vermittelten. Bei der Abstimmung votierten acht Parlamentarier (SPD, Grüne) für die Erneuerung des Zebrastreifens, 15 dagegen (CDU, FW, Grüne). Zwei Mandatsträger enthielten sich (SPD, FW).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare