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Die Umnutzung des ehemaligen Hotels Alberg (gelber Bau im Hintergrund) zum Bordell ist seit 2015 genehmigt. Jetzt hat der Landkreis Gießen die Arbeiten auf dem Außengelände gestoppt.

Prostitution

Reiskirchen: Baustopp am geplanten Bordell

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Seit Monaten macht in Reiskirchen das Gerücht die Runde, dass im ehemaligen Hotel Alberg "eine zweite FKK-World" entstehen soll. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, aber auf dem Gelände ist seit dem Frühjahr umfassend gearbeitet worden. Nun ist erst einmal Schluss damit: Der Landkreis hat einen Baustopp verhängt.

Aus dem Inneren dringt Baulärm, aber draußen auf dem Gelände herrscht seit drei Wochen Ruhe. In Reiskirchen sind die Arbeiten auf dem Gelände des geplanten Bordellbetriebs im ehemaligen Hotel Alberg zum Erliegen gekommen. Eigentlich hätten sie noch gar nicht beginnen dürfen, denn eine Baugenehmigung liegt nicht vor. Deshalb hat der Landkreis einen Baustopp verhängt.

Nach Auskunft von Dirk Wingender, dem Pressesprecher des Landkreises Gießen, ist beim Landkreis am 23. April ein Bauantrag für einen als Freizeitanlage deklarierten Komplex eingegangen. "Bei einer Ortsbesichtigung am 6. August stellte die Bauaufsicht fest, dass mit der Errichtung bereits begonnen wurde", schreibt Wingender. Entgegen der Darstellung im Bauantrag sei das Gelände von Norden her ausgekoffert und nach Süden aufgeschüttet worden. Zur Sicherung der Abgrabungen und Aufschüttungen seien Stützmauern errichtet worden, die teilweise abstandsflächenrelevant sind. Zudem stellten die Mitarbeiter der Bauaufsicht fest, dass bereits ein Pool ausgebaggert wurde. Große Teile der Außenanlage seien schon ausgebaut und zudem ein Erdwall auf der nicht bebaubaren Fläche nach Osten aufgeschüttet worden.

Reiskirchen: Bordell in ehemaligem Hotel Alberg geplant?

Das ehemalige Hotel Alberg und die Nachbarvilla in der Carl-Benz-Straße 11 und 11a stehen seit längerer Zeit im Fokus. Ende 2015 hatte das Hotel seinen Betrieb eingestellt. Schon damals machte in Reiskirchen die Nachricht die Runde, dass in den Räumen künftig einem anderen Gewerbe nachgegangen werden soll: der Prostitution. Und in der Tat: Der Landkreis und die Gemeinde Reiskirchen hatten der Umnutzung des Hotels zum Bordellbetrieb zugestimmt. Eine Wahl blieb ihnen auch nicht, denn das Gebäude liegt in einem Gewerbegebiet; auch das horizontale Gewerbe ist dort zulässig.

Damals hieß es seitens der Kreispressestelle, dass bauliche Veränderungen nur in geringem Umfang geplant seien. Zwei Jahre lang tat sich nichts. Im Februar 2019 allerdings wurden Anwohner von Baumfällarbeiten aufgeschreckt, die sich nicht nur auf die Grundstücke in der Carl-Benz-Straße erstreckten sondern auch auf die dahinter liegenden Flächen in der Robert-Bosch-Straße 8a und 8b, also dort, wo jetzt in großem Umfang Erde aufgeschüttet wurde. Sie gehören einer Privatperson. Als Eigentümer der Grundstücke Carl-Benz-Straße 11 und 11a hingegen ist im Grundbuch die Toprak Grundstücksgesellschaft mbH eingetragen.

Reiskirchen: Bußgeldverfahren eingeleitet

Von den Arbeitern, die die Bäume fällten, erfuhren die Nachbarn damals, dass auf dem Gelände "eine zweite FKK-World" mit Schwimmbad und Holzhäusern geplant sei. Eine Bestätigung für dieses Gerücht gab es bislang nicht. Zwar hat die Kreisverwaltung bestätigt, dass seit dem 23. April ein Bauantrag vorliegt, Einzelheiten nannte Pressesprecher Wingender jedoch nicht. Das sei in diesem frühen Planungsstadium nicht möglich. Auch jetzt lässt er Fragen nach Details offen. Nur soviel: Nach dem Ortstermin am 6. August habe die Bauaufsicht einen sofortigen Baustopp angeordnet. Die entsprechenden Unterlagen seien am 20. August förmlich zugestellt worden. Und weiter: "Der Baustopp wird eingehalten. Ein Bußgeldverfahren wurde eingeleitet. Die Bauaufsicht hat zusätzliche Unterlagen und Stellungnahmen beim zuständigen Architekten angefordert."

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