Öllampen beerdigt

  • vonRedaktion
    schließen

Reiskirchen (la). Vor 100 Jahren hatten die Menschen, nicht nur in Hattenrod, harte Zeiten hinter sich. Nach Ende des Ersten Weltkriegs grassierte die die Grippe, ihr fielen insbesondere Kinder und ältere Menschen zum Opfer. Gustav Ernst Köhler hielt in der Dorfchronik fest, dass die wichtigsten Lebensmitteln kontingentiert waren, 1920 jeder Erwachsene nicht mehr als 200 Gramm Brot pro Tag erhielt.

Gleichzeitig stiegen die Preise, Kohle wurde unbezahlbar, dann kam der harte Winter 1920/1921.

Lichterfest gefeiert

Mitten in diese dunkle Zeit fiel ein für Hattenrod prägendes Ereignis: die Elektrifizierung. In der Gastwirtschaft Rock (damals im Kuhtrieb, heute im Birkenweg) brannte das erste elektrische Licht über dem Tanzboden. Was dies für die Besucher bedeutet haben muss, lässt sich heute nur noch erahnen - leider sind alle Zeitzeugen schon lange Zeit verstorben. Zuvor hatte es nur Öllämpchen gegeben, die in der Dunkelheit für etwas Licht sorgten.

Das Ereignis wurde mit einem Lichterfest ausgiebig gefeiert. Die Dorfbewohner gingen mit ihren Laternen zum neuen Transformatorenhäuschen, um diese dort zu »beerdigen«.

Reiskirchen und Burkhardsfelden standen schon einige Jahre eher »unter Strom«. In Reiskirchen gab es seit 1913 elektrisches Licht, Burkhardsfelden hatte bereits am 14. November 1911 einen Vorvertrag mit den Überlandwerken zur Stromversorgung abgeschlossen.

Wo sich früher die Menschen an den langen Winterabenden um die Petroleumlampe setzten, da brannte nun die helle Glühbirne und spendete Licht, bei dem das Arbeiten, Stricken und Lesen eine Freude wurde.

1913 gab es schon Straßenlampen in einigen Orten und kurze Zeit später, nach Klärung der Kostenpflicht, auch Licht in den Schulsälen. Vermutlich hatte es einen positiven Effekt auf Hattenrod, dass zwei Nachbardörfer bereits elektrifiziert waren: War der Bau der zentralen Wasserversorgung 1909 noch ein stark umstrittenes Projekt, gab es beim Strom keinen Widerstand. Heute wäre das moderne Leben ohne Elektrizität undenkbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare