Nur 100 Besucher gleichzeitig sind im Club zugelassen. Vor Corona tanzten hier an so manchem Wochenende bis zu 900 Menschen dicht an dicht.
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Nur 100 Besucher gleichzeitig sind im Club zugelassen. Vor Corona tanzten hier an so manchem Wochenende bis zu 900 Menschen dicht an dicht.

»Fun« wieder offen

Nach Schließung wegen Corona: So lief der erste Tag im „Fun“

  • vonStefan Schaal
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In die Diskothek »Fun« in Reiskirchen ist am Samstag das Leben zurückgekehrt. Nach einem halben Jahr der Schließung wegen Corona hat der Club wieder geöffnet.

Die Bässe wummern wieder. Der Boden vibriert. Gäste jubeln auf, grölen, tanzen, flirten, feiern. Auch der Wodka fließt in der Diskothek »Fun« wieder in Strömen. Nach einem halben Jahr der Schließung wegen der Pandemie ist das Leben in den Club zurück gekehrt. Und doch ist in diesen Corona-Zeiten alles anders. Auch hier in der »Russendisko«.

Es ist kurz vor eins, eine milde Spätsommernacht. Vladislava Gross schnappt vor dem »Fun« frische Luft. Während die 26-Jährige, die an diesem Samstagabend aus Bad Homburg nach Reiskirchen gefahren ist, durch die offene Tür nach drinnen schaut, sagt sie: »Man braucht das auch.« Auf die Frage, was sie damit meint, hält sie für einen Augenblick inne, dann erklärt sie: »Die Menschen.« Begegnungen mit Freunden, die Musik und dieses Abschalten vom Alltag, das habe sie in den vergangenen Monaten, als die Diskothek wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden musste, vermisst.

»Fun« wieder offen: Rote Linien auf dem Boden

Dieses Vermissen, diese Sehnsucht teilen so gut wie alle, die an diesem Abend das »Fun« aufsuchen. Ein erster kurzer Blick in den Club allerdings lässt daran zweifeln, ob unter Corona-Bedingungen ein ausgelassenes Feiern möglich ist. Rote Linien auf dem Boden markieren um jeden Tisch herum den Bereich, den die Gäste beim Feiern jeweils nicht verlassen sollen. Die Besucher sitzen maximal zu sechst in Gruppen zusammen. Nur unter sich plaudern, lachen, sitzen, stehen und bewegen sie sich an ihren Tischen zur Musik. Der DJ erinnert die Gäste an das Abstandsgebot von 1,50 Metern.

Und wer in die Diskothek will, muss draußen eine Maske über Mund und Nase ziehen und in einer Schlange anstehen. Nur 100 Besucher gleichzeitig sind im Club zugelassen. Drinnen gilt die Maskenpflicht für Gäste, wenn sie auf die Toilette gehen oder an der Bar ein Getränk bestellen. Ausgelassenheit sieht anders aus. Vor Corona tanzten hier an so manchem Wochenende bis zu 900 Menschen dicht an dicht. Vor allem Russlanddeutsche und ihre Nachkommen suchen im »Fun« nach einem Stück Heimat. Es wird zu russischer Musik getanzt und Russisch gesprochen.

»Fun« wieder offen: Club vor der Schließung

Trotz aller Einschränkungen und Corona-Auflagen ist Mohamed Dbira, einer der beiden Geschäftsführer, auch erleichtert. »Das ›Fun‹ lebt«, sagt er. Der Club stand durch die monatelange Schließung vor dem Aus. Der Verlust liege bei mehr als 15 000 Euro. Mit dem jetzigen Betrieb könne man wenigstens die laufenden Kosten decken, sagt Dbira. »Geld verdienen wir nicht.«

Bereits im August haben er und sein Geschäftspartner das »Fun« geöffnet, Behörden hätten dem allerdings zunächst wieder einen Riegel vorgeschoben. »Jetzt dürfen wir als Barbetrieb öffnen«, erklärt Dbira. Ein zweiter Raum, wo vor Corona-Zeiten regelmäßig zu Hip Hop getanzt wurde, ist daher geschlossen.

Der einstündige Besuch in der Diskothek zeigt, dass die Gäste die Regeln weitgehend annehmen. Bisweilen ragt ein Stuhl über eine der roten Linien hinaus. Ordner laufen durch den Club, schieben Stühle zurecht. Deutsche Behördengründlichkeit in der »Russendisko«.

»Fun« wieder offen: Regeln nur schwer einzuhalten

Als der Reporter dieser Zeitung Fotos schießen will, hat Dbira dennoch Bedenken. Sollten im Hintergrund Gäste zu sehen sein, die nicht zur selben Gruppe gehören und in einem Moment zu eng beisammen stehen oder tanzen, könnte er Schwierigkeiten bekommen, befürchtet er. Diskotheken leben davon, dass man sich näherkommt, einen Cocktail zu viel trinkt, flirtet, sich berührt. Abstandsregeln sind in einem Club mit alkoholisierten Gästen kaum komplett einzuhalten.

»Ich bin froh, dass das ›Fun‹ wenigstens in kleiner Form wieder offen ist«, sagt Besucher Meik. »Auf zwei Quadratmetern in deinem Bereich kannst du natürlich schlecht tanzen«, fügt er hinzu. Der gebote Abstand in Corona-Zeiten habe in Clubs einen grundsätzlichen Vorteil, erwähnt derweil eine Besucherin. Bedrängt werde man als Frau eher seltener.

Am kommenden Samstag öffnet das »Fun« erneut. Am vergangenen Wochenende spricht Dbira einen Satz aus, der unrealistisch ist, in dem aber all die Hoffnung und all die Sorgen stecken, die Betreiber von Clubs derzeit umtreiben. »Wir hoffen«, sagt er, »dass die Corona-Geschichte bald vorbei ist.«

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