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Der Geldautomat der Volksbank Mittelhessen in Ettingshausen wird abgebaut.

Letzte Chance für Ettingshausen?

Reiskirchen (keh). Ende April ist es soweit: Der Geldautomat der Volksbank Mittelhessen am Standort Ettingshausen wird abgebaut. Wilfried Jox, Mitglied des Reiskirchener Seniorenbeirats, hatte bereits im Laufe des vergangenen Jahres »geahnt«, dass es schließlich so kommen würde. »Wir wussten schon, was auf uns zukommt«, sagt er.

Mietvertrag nicht verlängert

Im September 2019 wurde bereits die Bankfiliale wegen rückläufiger Nutzungszahlen geschlossen. Geldautomat und Kontoauszugsdrucker sollten als Selbstbedienungs-Terminal erhalten bleiben. Im Juli 2020 wurde dann der Kontoauszugsdrucker mangels häufiger Frequentierung abgebaut. Zwar betraf die Entscheidung ausdrücklich nicht den verbleibenden Geldautomaten, eine Bestandsgarantie konnte die Volksbank jedoch nicht geben, da alle Standorte regelmäßig auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden.

Der Grund für den baldigen Abbau des Automaten ist aber offenbar nicht mit einem Rückgang an Nutzungen verbunden. Dennis Vollmer, Pressesprecher des Geldinstituts, bestätigt, dass Vertragsschwierigkeiten dafür ausschlaggebend seien. »Entgegen unseres Wunsches wurde der Mietvertrag vom Besitzer des Gebäudes nicht verlängert«, sagt er. Jedoch stehe die Bank aktuell mit der Gemeinde Reiskirchen und Bürgermeister Dietmar Kromm im Austausch über mögliche Alternativen vor Ort. Aufgrund laufender Gespräche will Vollmer sich dazu derzeit nicht weiter äußern.

Wilfried Jox ist es jedoch wichtig, die Ettingshäuser Senioren zu vetreten. Doch nicht nur sie, sondern »das ganze Dorf« sei sauer. Immerhin zählten sie etwa 2000 Einwohner und seien auf die Infrastruktur angewiesen. Sollte es keine Alternative geben, müsse man zukünftig in eine Filiale nach Lich oder Reiskirchen fahren, um an das benötigte Bargeld zu kommen. Beide Orte sind jedoch knapp zehn Kilometer von Ettingshausen entfernt. »Ich bin noch mobil und kann das machen«, sagt Jox. Doch es gebe genug Senioren, die kein Auto mehr fahren könnten und auf einen Geldautomaten im Ort angewiesen seien. Auch die Busverbindung sei »nicht immer gut«, zudem auf Dauer teuer.

Notgedrungen hat Jox mit dem Onlinebanking angefangen. Das sei jedoch »gar nicht so einfach«, gibt er zu. So will das Ausdrucken der Kontoauszüge beispielsweise einfach nicht klappen, doch ihm bleibe ja nichts anderes übrig.

Widerstand in Form einer Unterschriftensammlung wie in Treis (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete) hat sich im Reiskirchener Ortsteil jedoch nicht gebildet. »Das bringt gar nichts, die machen sowieso, was sie wollen«, urteillt Seniorenbeirats-Mitglied Wilfried Jox über die Volksbank Mittelhessen.

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