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Typisches Bild im "Hohl": Ein Traktor steht bereit, um Astschnitt von den Bäumen abzutransporieren. Foto: con

Lebensraum für Steinkäuze

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Reiskirchen(con). Streuobstwiesen sind ein wichtiger Faktor im Bereich der Biodiversität. Oftmals sind sie die einzigen Plätze, an denen alte Obstsorten noch in größerer Zahl wachsen. Doch leider werden die Streuobstwiesen immer weniger: Wenn sie an Ortsrändern liegen, müssen sie Neubaugebieten weichen.

Die Folge: Immer mehr alte Bäume verschwinden und damit auch die Tiere, die solche alten Obstbäume als Lebensort brauchen. In Reiskirchen gibt es derzeit eine gegenteilige Entwicklung: In den letzten zwei Jahren wurden im Gebiet "Hohl" Hunderte neue Bäume gepflanzt und gepflegt. "Eine ganze Bandbreite der Reiskirchener Vereinsgemeinschaft war in den letzten beiden Jahren in den Streuobstwiesen unterwegs, um Aufgaben im Sinne des Naturschutzes zu übernehmen", berichtete Bürgermeister Dietmar Kromm. "Von den Handballern der TSG über die Obst- und Gartenbauvereine, bis hin zur Burschenschaft ›Fidelio‹ wurden Kooperationen mit der LPV eingegangen, dazu noch ein Ehepaar aus Staufenberg und die Arbeitsloseninitiative Gießen."

Im Zuge der Sicherung von Streuobstgebieten hat die Landschaftspflegevereinigung Gießen Naturschutzmittel des Landes Hessen für das Streuobstgebiet "Hohl" in Reiskirchen gewinnen können. Rund 50 000 Euro Förderung gingen über die letzten beiden Jahre hier ein, mit der die Pflege und Neubepflanzung des Gebiets bewerkstelligt wurden. Jetzt wurden rund 100 Bäume auf der "Hohl" neu gepflanzt - selbstverständlich alles alte Obstsorten. Nahezu alle Parzellen des Areals befinden sich innerhalb des FFH-Gebietes "Wieseckaue und Jossolleraue".

Damit dieses Projekt so gut funktioniert, war viel Vorarbeit nötig: Denn die Besitzrechte der alten Streuobstbestände sind oft nicht so einfach zu ermitteln. Alleine auf der Hohl zählte die Landschaftspflegevereinigung rund 150 bis 200 Grundstückseigentümer. "Wir haben alle Besitzer angerufen und mit ihnen gesprochen, ob sie sich bei dem Projekt beteiligen wollen", erklärte Fabian Zech von der Vereinigung. "Die meisten haben sich darüber gefreut und sich gerne beteiligt."

Viele Bäume hatten die Pflegemaßnahmen dringend nötig: "Viele Bäume wurden über Jahre nicht geschnitten - der vielerorts bekannte ›Besen‹ war ein häufiges Erscheinungsbild", erinnerte sich Lech. Das führt zu einer schlechten Durchlüftung der Krone und macht den Baum anfällig für Pilze und Krankheiten.

Nach den Schnitten herrscht jetzt wieder "Durchblick" auf der Hohl. Die große Unterstützung wurde auch von Umweltdezernentin Dr. Christiane Schmahl, zugleich Vorsitzende der LPV, hervorgehoben: "Ein solches Projekt bedeutet viel intensive Arbeit, die ohne Ehrenamtliche gar nicht geht - dazu ist es noch sehr kostenintensiv, Streuobstflächen zu pflegen."

Die Förderung läuft zum Ende dieses Jahres aus - damit ist es auch noch nicht klar, wie genau es weitergeht. "Eine weitere Förderung für das kommende Jahr ist bereits beantragt", erklärte LPV-Geschäftsführerin Ingrid Moser.

Eines ist für alle Akteure auch weiterhin klar: Das Projekt zum Erhalt der Streuobstwiesen auf der "Hohl" soll weitergehen. Denn nicht nur der Mensch profitiert von den Streuobstwiesen, sondern auch viele Tier- und Pflanzenarten. So finden bedrohte Vogelarten wie der Steinkauz oder der Gartenrotschwanz in den Höhlen alter Obstbäume Unterschlupf und Nistmöglichkeiten.

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