Das Rotlicht-Geschäft ist auch im Kreis Gießen umkämpft. 
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Das Rotlicht-Geschäft ist im Kreis Gießen umkämpft. 

Bordellprozess

Prostitution im Kreis Gießen: Polizist macht erschreckenden Fund - „Irgendwo mussten die ja sein“

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Im Prozess um den Brand in einem geplanten Bordell in Reiskirchen haben Polizeibeamte als Zeugen ausgesagt. Einer berichtete von einem Waffenfund.

Reiskirchen – Zwei konkurrierende Bordellbetriebe in einer Straße: Auf diese spezielle Situation im Gewerbegebiet von Reiskirchen hatte die Polizei ein besonderes Auge, noch ehe es in der Nacht zum 14. Mai 2018 im kleineren der beiden Etablissements während der Umbauphase brannte. Im Prozess gegen die beiden Männer, denen vorgeworfen wird, den Brand gelegt zu haben, sagten am Montag am Landgericht Gießen vor der 7. großen Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Kathrin Exler erneut mehrere Polizeibeamte aus. Darunter auch ein 47-Jähriger, der bei einer Durchsuchung auf dem Gelände des früheren Hotels Alberg, dem heutigen FKK-Village, eine Pistole gefunden hatte.

Der Mann hatte eigenen Angaben zufolge im Vorfeld seiner Aussage keinen Zugang zu den Akten gehabt, zu vielen Details konnte er keine Angaben machen. »Das ist drei Jahre her und ich habe seitdem um die tausend Einsätze gehabt«, begründete der Beamte seine Erinnerungslücken. Selbst zum Zeitpunkt - war es tagsüber oder nachts? - konnte er nichts sagen und verwies einmal mehr auf die Aktenlage.

Kreis Gießen: Pistole in Kanal nahe Bordell in Reiskirchen gefunden

Die Ereignisse aus dem Mai 2018 beschrieb er folgendermaßen: Nach einem Anruf bei der Polizei, der eine Eskalation der Situation in der Carl-Benz-Straße befürchten ließ, waren mehrere Streifen und auch Beamte des Kriminaldauerdienstes nach Reiskirchen geeilt. Am ehemaligen Hotel Alberg seien mehrere Personen kontrolliert worden. An die Anwesenheit der beiden Angeklagten konnte sich der Zeuge nicht erinnern. »Ich kenne die Herren. Aber ich kann nicht sagen, ob sie da waren.« Die Kontrolle jedenfalls verlief ergebnislos. Gefährliche Gegenstände oder Waffen wurden nicht gefunden. Der Zeuge berichtete, dass er darauf hin die Idee gehabt habe, den Nachbereich abzusuchen. »Wenn Kontrahenten einander gegenüber stehen und sich an die Gurgel wollen, dann haben sie üblicherweise Waffen dabei«, so seine Erfahrung. »Irgendwo mussten die ja sein.«

In der Tat. Auf dem Schottergelände der damaligen Baustelle, in einem abgedeckten Kanalschacht, fand sich eine Faustfeuerwaffe. Eine Pistole der Marke Walther mit herausgeätzter Seriennummer und eingeführtem Magazin, nicht durchgeladen - so steht es in den Akten.

Kreis Gießen: Diskussion um Zeugenaussage zu Bordell-Ermittlungen in Reiskirchen

Frank Richtberg und Henner Maaß, die Rechtsanwälte der beiden Angeklagten, hakten nach. Ob es denn einen Durchsuchungsbeschluss gegeben habe? Wer die Entscheidung getroffen habe? Ob Gefahr im Verzug gewesen sei? Ob irgendwer vor Ort einen Richter oder Staatsanwalt kontaktiert habe? Staatsanwalt Rouven Spieler wandte ein, dass es sich nicht um ein Wohngebäude gehandelt habe, der Richtervorbehalt für eine Durchsuchung also nicht gegeben sei. Und Vorsitzende Richterin Dr. Katrin Exler merkte an, dass sich in manchen Gemengelagen präventive und repressive Maßnahmen vermischen könnten.

Rechtsanwalt Maaß wies allerdings darauf hin, dass die Pistole 25 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt gefunden worden sei. »Das sieht nach gezielter Nachsuche aus.« Beide Verteidiger widersprachen der Verwertung dieser Zeugenaussage.

Ebenfalls im Zeugenstand an diesem vierten Prozesstag standen drei Polizeibeamte, die in die Festnahme des Angeklagten B. am 3. September 2020 eingebunden waren. Gegen den 38-Jährigen lag zu diesem Zeitpunkt ein U-Haftbefehl vor. Die Fahnder berichteten, dass B. auf dem Gießener Messeplatz festgenommen wurde, als er sich einem grauen Ford Focus näherte, in dem sich zwei Säcke mit frischen Kleidern befanden.

Kreis Gießen: Angeklagter in Bordell-Prozess war polizeibekannt

Seine Wohnung in der Gießener Innenstadt hatte er zu diesem Zeitpunkt aufgegeben und auch bei seiner Mutter nebenan habe nichts auf eine kürzliche Anwesenheit hingedeutet. Das Kennzeichen des grauen Kombi war einige Monate zuvor in Biebertal gestohlen worden, den Wagen selbst hatte ein Butzbacher Gebrauchtwagenhändler für 1000 Euro angeboten und gegen Barzahlung ohne Vertrag an einen unbekannten Kunden verkauft.

»Es war nicht das erste Mal, dass wir Herrn B. festnehmen mussten«, berichtete einer der Fahnder, der sich über das Verhalten des Angeklagten nur wundern konnte. Wie könne einer, der so stadtbekannt ist, das Risiko eingehen, mit einem geklauten Kennzeichen herumzufahren. Der Prozess wird fortgesetzt.

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