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Die Schulstraße in Reiskirchen ist aufgrund einer Umleitung der B 49 stark befahren.

Verkehr

„Katastrophe“ in Reiskirchen: B49-Baustelle macht Schulstraße zum beliebten Schleichweg

Noch bis Mitte April ist die B49 nahe dem Bahnhof gesperrt. Einigen Reiskirchener Anwohnern bereitet das Kopfzerbrechen, denn in ihrer Straße wird es eng. 

Reiskirchen – Hannelore Schraml ist sauer. Die Bewohnerin der Reiskirchener Schulstraße beklagt sich über viele Autofahrer, die »ihre« Straße derzeit als Schleichweg nutzen. Grund ist eine Baustelle auf der B 49. Zu viele Autofahrer würden die offiziell ausgewiesene Umleitung über die Bersröder Straße nach Grünberg ignorieren, kürzen über die Schulstraße ab.

»Morgens ist es am schlimmsten. Auto an Auto, Baufahrzeuge mit Hänger und Lastwagen fahren alle hier durch. Bis zum Bürgerhaus standen sie neulich Stoßstange an Stoßstange«, empört sich Schraml. Neben der Lautstärke störe sie und andere Anwohner vor allem der Dreck und der zunehmende Verschleiß der Straße. »Katastrophe, das sagt die ganze Schulstraße.«

Reiskirchen: B49 noch bis Mitte April gesperrt

Doch der Reihe nach. Seit einigen Tagen ist die B 49 im Bereich des Bahnhofs wegen einer Baustelle gesperrt. Grund ist ein Schaden an einer Trinkwassertransportleitung. Diese befindet sich direkt unter den Bahnschienen, die die Bundesstraße kreuzen. Schuld für den Rohrbruch sei schlichtweg Materialverschleiß, wie Peter Keller von den Stadtwerken Gießen (SWG) erklärte. Das betroffene Rohr sei nämlich eines »der ersten Stunde«, es stamme aus dem Jahr 1894. Es wird nun ein etwa 18 Meter langes Kunststoffrohr in die kaputte Gussleitung eingezogen. Da die Bauarbeiten bis zum 16. April dauern sollen, wird der Verkehr weiträumig umgeleitet. Und zwar ab der Bersröder Straße über die L 3129 und L 3357 nach Reinhardshain und Beltershain, von dort über die L 3127 nach Grünberg beziehungsweise umgekehrt. So zumindest die Theorie. Doch die Praxis sieht laut Hannelore Schraml anders aus: »Keiner hält sich daran«.

Bürgermeister Dietmar Kromm argumentiert hingegen: »Ortskundige nutzen die Umgehung, weil sie vielleicht gar nicht nach Grünberg wollen. Das sind öffentliche Straßen, das kann man nicht verhindern. Dazu haben wir gar keine rechtliche Möglichkeit.« Zwar könne er die Beschwerde und den Unmut der Anwohner verstehen, die Situation sei jedoch leider nicht zu ändern. »Natürlich muss der Verkehr irgendwohin umgeleitet werden, dagegen sage ich ja nichts, aber bitte nicht alles durch die Schulstraße«, sagt Schraml.

Schleichweg in Reiskirchen: Gleich drei große Probleme?

Auf dem von vielen Autofahrern gewählten Schleichweg sieht sie drei Probleme. Erstens läuft der hessische Radfernweg R7 an der Straße entlang, zweitens ist ein Kindergarten dort ansässig und drittens befindet sich ein Zustellstützpunkt der Post direkt neben der Gemeindeverwaltung. »Die werden alle durch den Verkehr behindert. Das ärgert mich am meisten«, sagt sie.

Außerdem sei es ärgerlich, dass in der kompletten Schulstraße ein absolutes Halteverbot für die Dauer der Bauarbeiten ausgesprochen wurde. »Wir brauchen auch mal Handwerker oder Besuch«, sagt Schraml. Dadurch ergäben sich zudem Probleme beim Bringen oder Abholen der Kita-Kinder. Erst vor einem halben Jahr war wegen einer Straßensanierung in der Nähe schon mal eine Halteverbotszone in ihrer und angrenzenden Straßen eingerichtet. »Damit der Verkehr fließt, sagt das Ordnungsamt. Die haben doch keine Ahnung«, schimpft die Frau.

Reiskirchen: Rettungsweg für die Feuerwehr

Der Bürgermeister erklärt, dass die Gemeinde gar nicht umhinkomme, das Halteverbot zu errichten. Zum einen werden Busse durch die Straße umgeleitet, dort befinde sich eine Ersatzhaltestelle. Zum anderen sei die Schulstraße zusätzlicher Rettungsweg für die Freiwillige Feuerwehr, die in der kreuzenden Freiherr-vom-Stein-Straße ansässig ist. »Die brauchen freie Fahrt«, sagt Kromm. Er sehe ein, dass das Verkehrsaufkommen für die Anwohner »unangenehm« sei. Dennoch sei der Rohrbruch »nun mal da« und müsse repariert werden, auch weil die Infrastruktur wichtig für Reiskirchen ist. Zudem würden auch andere Straßen als Schleichwege genutzt, dies sei kein Vergehen. (keh)

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