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Gemeinsam werden Ideen und Ziele für eine Jugendvertretung entwickelt. FOTO: CON

Jungen Leuten eine Stimme geben

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Reiskirchen(con). Wie können Jugendliche und junge Erwachsene sich für die Zukunft ihrer Gemeinde einsetzen? Wie können sie ihre Interessen besser umsetzen? Und was benötigen sie, um sich eine Zukunft in ihrer Gemeinde vorstellen zu können? Das waren am Freitag die großen Fragen beim Startschuss zur Schaffung einer Jugendvertretung in Reiskirchen. Interessierte Jugendliche und junge Erwachsene loteten gemeinsam mit Jugendpflegerin Stefanie Abendroth und Franziska Ospald von "Dabeisein" die Möglichkeiten aus, wie mehr Beteiligung junger Menschen in der Gemeinde aussehen könnte.

"Dabeisein" ist eine "Partnerschaft für Demokratie" im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie Leben!". In Lollar, Staufenberg, Allendorf (Lumda) und Rabenau und seit diesem Jahr auch in Buseck und Reiskirchen soll die Initiative die Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft verbessern. Besonderes Gewicht wird dabei der jungen Bevölkerung beigemessen, denn wo demokratische Beteiligung nur theoretisch gelehrt wird und nur der oberflächliche Eindruck einer Beteiligung erzeugt wird, kann demokratisches Lernen nicht gelingen. Mit dem Projektstartschuss in Reiskirchen soll deshalb ein Leitfaden "Youth Town 2020" in Reiskirchen verwirklicht werden.

Gleich zur Begrüßung hatte Bürgermeister Dietmar Kromm ein Botschaft an die jungen Erwachsenen: "Viele Politiker wissen einfach nicht, welche Interessen die Jugendlichen heute haben". Deshalb seien ihre Meinungen und Positionen gefragt.

Gerade darum sollte es auch am Freitag gehen: Ideen zu entwickeln, wie man den Wünschen der jüngeren Generation besser gerecht werden kann, die Interessen Jugendlicher und junger Erwachsener in Reiskirchen ermitteln und Wege auftun, wie diese zu verwirklichen sind. Das erste Problem: "Kennen Jugendliche ihre eigenen Interessen überhaupt?", fragte einer der Teilnehmer.

Und tatsächlich hat er Recht: Gerade die Jugend ist eine Zeit, in der man seine Interessen erst noch entwickelt. Was aber nicht heißt, dass es keine Themen gäbe, für die sich Jugendliche interessieren und die ihnen wichtig sind. Wie in vielen anderen Gemeinden auch, kommt eine Anregung wie aus der Pistole geschossen: "Der ÖPNV muss besser werden", meint der 20-Jährige Tristan Kutscher aus Bersrod. "Am Wochenende fahren zum Teil keine Busse - ohne Auto ist es für viele deshalb einfach unmöglich, in den Ortsteilen zu leben." Daneben wünschen sich viele aber auch, dass Politiker die Jugendlichen mehr nach ihrer Meinung fragen - und auch das Alter vieler kommunaler Politiker sorgt für eine Diskrepanz mit der jüngeren Generation. "Die Politiker versuchen schon etwas für Jugendliche zu tun - aber es ist vermutlich schwierig, den Bezug zu finden", meint Tristan. Selbst hat er auch schon einmal darüber nachgedacht, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren, aber: "Es gibt derzeit einfache keine Themen, die für mich persönlich wichtig wären".

Gerade letzteres könnte sich durch die angestrebte Bildung einer Jugendvertretung verändern: Denn diese könnte ähnlich dem Seniorenbeirat Rederecht einfordern und auf Themen der der jungen Generation aufmerksam machen. Daneben könnte man sich auch dem Jugendforum der Teilnehmerkommunen am Bundesprogramm anschließen: Als solche hätte man Finanzmittel zur Hand (jährlich auf die Kommunen verteilt 17 000 Euro), mit denen man eigene Projekte finanzieren könnte.

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