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Jugendliche mehr einbinden

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Von: Volker Heller

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Noah Hoepfner © Volker Heller

Reiskirchen (vh). Das Demokratie-Förderprojekt »Dabeisein in den Gießener Lahntälern« veranstaltet an wechselnden Orten Diskussionen innerhalb der Reihe »Jugenddialog«. In der Sport- und Kulturhalle Saasen standen die Jugendparlamente und -beiräte auf dem Prüfstand. Man wollte herausfinden, ob sie denn als »das Herzstück einer breiten Beteiligungsstrategie« taugten, wie es eine These im 16.

Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung vom November 2020 vorgibt.

Andreas Schaper moderierte. Podiumsgäste waren die Bürgermeister Thomas Benz (Allendof/Lumda) und Dirk Haas (Buseck) sowie Noah Hoepfner (Jugendforum Nord) und Hendrik Jany (Kinder- und Jugendbeirat Buseck).

Der rege Austausch machte die überragende Bedeutung dieser Jugendgremien deutlich. Keiner mochte darauf verzichten. Gleichwohl sollten weitere Beteiligungsformen ergänzend hinzu kommen. Hoepfner meinte, diese Altersgruppe bekäme die Folgen des Klimawandels deutlicher zu spüren und sollte allein deshalb mehr eingebunden sein.

Mit Planspielen Interesse wecken

Jany erläuterte, der Kinder- und Jugendbeirat (KJB) funktioniere in Buseck gut. In Allendorf gibt es noch keinen KJB. Benz erklärte, die vorhandenen Jugendzentren verwalteten sich selbst. Ein älterer Jugendlicher bilde mit einem jüngeren ein Team. Hoepfner vertrat die Ansicht, der KJB sollte nur eine Säule sein. Manche jungen Leute wollten sich nicht binden, nur einzelne Aktionen unterstützen.

Einigkeit bestand ebenfalls über die These, dass die KJB sozial selektiv seien, nicht den gewünschten Querschnitt abbildeten.

Jany meinte, es könnten wohl nicht alle dadurch profitieren, denn die Wünsche seien viel zu unterschiedlich. Das Gremium stehe aber für alle offen. »Je höher die Bildung, umso größer das politische Interesse«, so Benz. Kontakt zu jungen Leuten müsse er selber aufbauen, die Jugendzentren oder Vereine besuchen.

Hoepfner sagte, für Jugendliche mit Migrationshintergrund brächte es niederschwellige Angebote. Politische Dinge oder Gesetzestexte seien allgemein schwer verständlich, sich damit zu beschäftigen zeitaufwändig. Das schrecke viele Leute ab.

Haas meinte, wer kommunalpolitisch aktiv sei, habe meistens auch noch eine Funktion in einem Verein. Oft sei jemand familiär vorbelastet. Aus dem Nichts heraus mitzumischen, das falle schwer. Im Busecker Parlament säßen ehemalige Mitglieder des KJB. Die Mehrheit der Jugendlichen sei in den Beiräten wohl nicht vertreten. Um Demokratieverständnis zu stärken, könne vielleicht die Schule mehr Wissen vermitteln, so Haas.

Hoepfner sagte, dass Wahlen in der Schule vor- und nachbereitet werden könnten, und hinterfragte, ob Beiräte tauglich seien, dass Jugendliche nicht nur Interesse an Politik bekämen, sondern sich damit identifizierten.

Jany, er besucht die 10. Klasse der IGS Busecker Tal und ist Mitglied der Schülervertretung, erklärte, er habe viel gelernt durch die Mitarbeit im KJB. Hoepfner stimmte dem zu. Kollegen aus dem Jugendforum seien mittlerweile in eine politische Partei eingetreten. »Ich glaube nicht, dass das sonst passiert wäre. Das Forum war ein Sprungbrett«.

Jany meinte, im Politikunterricht lerne man nicht genug. Hoepfner war für Planspiele, zum Beispiel in einer Projektwoche ein Gemeindeparlament zu simulieren. Haas informierte, an der IGS gebe es seit Jahren das Planspiel, eine Klasse baut eine Firma auf. Und Schaper wusste von dem Gießener Projekt »Grundschulen im Rathaus«. FOTO: VH

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