+
Wolfgang Martin

"Jetzt gehe ich eben spazieren"

  • schließen

Reiskirchen(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt.

Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag gewähren. Heute: Wolfgang Martin, Leiter der Seniorenwerkstatt Reiskirchen.

Herr Martin, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Ich bin Rentner und in der Seniorenwerkstatt tätig. Dort erledigen wir ehrenamtlich Sachen für die Gemeinde, etwa indem wir Bänke reparieren, Verschiedenes für den Kindergarten machen oder andere Reparaturarbeiten übernehmen. Meistens bin ich vormittags circa eineinhalb Stunden mit Dingen für die Seniorenwerkstatt beschäftigt und nachmittags auch noch einmal bis zu zwei Stunden. Wie wir uns die Aufgaben einteilen, hängt davon ab, wie viel Arbeit anfällt. Aber in der Großgemeinde Reiskirchen ist immer etwas zu tun.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die Arbeit in der Seniorenwerkstatt fällt ja weg. Jetzt gehe ich eben spazieren. Außerdem erledige ich nun Sachen, die zu Hause sonst immer liegen bleiben, Gartenarbeit zum Beispiel.

Was vermissen Sie am meisten?

Das klingt jetzt blöd, aber ich vermisse tatsächlich Arbeit. Bevor ich in Rente gegangen bin, habe ich 46 Jahre gearbeitet - ohne dass ich je länger krank gewesen wäre oder aus anderen Gründen länger gefehlt hätte. Von daher fehlt mir Arbeit, das ist ganz normal. Ich arbeite eben gerne und mit Lust.

Was ist positiv?

Spazieren gehen und mehr Zeit zu Hause verbringen, das ist das Positive an der jetzigen Situation. Ich denke, etwa 60 Prozent aller Menschen hierzulande sind Wohlstand gewöhnt. Genau das ist der Grund, dass manche mit der derzeitigen Lage schlechter umgehen können, weil eben Gewohntes und auch Liebgewonnenes einfach so wegbricht. Aber wir sollten uns bewusst machen, dass wir schon mehr als 70 Jahre keinen Krieg mehr hatten. Und dass jetzt so etwas wie diese Corona-Pandemie passiert, das ist eben so. Das werden wir auch überstehen. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare