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Hanno Müller Historiker

Ein Hund namens Hitler

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Reiskirchen(la). Im Rahmen des Neujahrsempfangs der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen informierte Hanno Müller über die Geschichte der Juden in der Gemeinde. Unter anderem war da Levi Selig aus Reichelsheim im Odenwald. Er war Metzger, Schächter und Ellenwarenhändler.

1903 heiratete er Frieda Stern aus Burkhardsfelden. Ihre Tochter Gerdi wurde 1904 in Burkhardsfelden geboren. Die Familie zog nach Reiskirchen, Gartenstraße 8, und wohnte ab 1910 in der Burkhardsfeldener Straße 24. Die Eltern und die 1912 geborene Tochter Margot Elvira zogen 1936 nach Frankfurt, von wo aus die Eltern nach Argentinien emigrierten. Ihren Hund hatten die Seligs in den 1920er Jahren "Hitler" genannt. Auf einem Foto, das Hanno Müller zeigte, war die Familie Selig mit Eltern und Kinder zu sehen.

Ernst Stiefel wurde 1912 als Sohn des Kaufmanns Leopold Stiefel in Reiskirchen, Hauptstraße 62, geboren. Er emigrierte 1936 über Amsterdam in die USA und starb 1991 in Skoki in Illinois.

Berthold Löwenberg war Viehhändler und wohnte mit seiner Familie in Reiskirchen, Oberdorfstr. 24. Jakob Levi aus Ottrau bei Ziegenhain heiratete 1925 Hedwig Löwenberg aus Reiskirchen. Das Paar emigrierte in die USA. Eine weitere Tochter des Viehhändlers war Irma. Sie erkrankte an Kinderlähmung und war in der Folge behindert. Mit ihrer Mutter Bertha und ihrem ebenfalls behinderten Bruder Leopold, der nach der Reichspogromnacht 1938 für drei Wochen im KZ Buchenwald inhaftiert war, zog sie im Mai 1942 aus Beuern, Borngasse 15, nach Gießen. Sie wurden alle im September 1942 deportiert und in Polen ermordet.

Gretel Korn wurde 1906 zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Erna als Tochter des Handelsmanns Hermann Korn und Julchen geb. Katz aus Ettingshausen in Ettingshausen, Hauptstraße 62, geboren. Von 1935 bis 1937 arbeitete sie als Hausangestellte in Gießen. Ältere Besucher der Veranstaltung konnten sich noch an die Namen der Reiskirchener Juden erinnern, ebenso an deren Wohnhäuser, die beim Wegzug der Bewohner an Reiskirchener verkauft wurden. Bekannt ist, dass nach dem Krieg und der Einführung der DM Geld nachbezahlt werden musste und vor allem nach Amerika überwiesen wurde.

Der Vorsitzende der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen, Kurt Herber, dankte für die Ausführungen von Müller. Er gab zudem einen Ausblick auf anstehende Termine.

Befreundete Heimatvereine informierten zudem über ihre Arbeit. Marie Herber aus Queckborn hatte sich mit den Gemeinden der ehemaligen Klosteranlage Wirberg befasst und berichtete über die Geburtenzahlen. Dabei fiel vor allen Dingen auf, dass es sehr viele uneheliche Geburten gab, teilweise sogar auf dem Weg nach Gießen in das Gebärhaus. Margitta Handloser ergänzte, dass in früheren Jahrhunderten eine Heirat sehr teuer war und arme Bürger nicht das Geld dazu hatten. So sei die große Zahl der unehelichen Kinder auf dem Land zu erklären. F.: LA

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