Hund an Autobahn

Hund lebte über Wochen an der A5: Amys Autobahn-Odysee

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Die Odyssee der Hündin, die über Wochen entlang der A 5 gesichtet wurde, ist vorbei. In der Nacht zum Freitag konnte sie bei Reiskirchen gerettet werden.

Wir sind überglücklich", sagt Tierheimleiterin Claudia Maid. Nach sechs Wochen nächtlicher Suche, Einrichten von Futterstellen und Aufstellen von Kameras kann die grau-schwarze Hündin, die lange als "Phantom" bezeichnet wurde, im Tierheim Butzbach aufgepäppelt werden.

Noch sei sie sehr scheu und ängstlich, berichtet Hanne Kolb, Erste Vorsitzende des Butzbacher Tierschutzvereins. Im Freigelände werde sie noch besonders gesichert, manchmal auch mit Schleppleine, denn "im Moment würde sie sonst sofort versuchen wieder auszubüxen". Schließlich sei die Hündin, die den Namen "Amy" bekommen hat, wahrscheinlich schon sehr lange auf sich gestellt gewesen.

Mal bei Gießen aufgetaucht, mal im Frankfurter Raum

"Sie ist sehr abgemagert und erschöpft, und wir vermuten, dass sie schon lange Zeit unterwegs war", sagt Kolb. Wahrscheinlich viel länger als die drei Monate, in denen die etwa acht Jahre alte Hündin immer wieder entlang der A 5 gesichtet wurde. Mal tauchte sie bei Gießen auf, mal im Frankfurter Raum, manchmal habe sie 50 Kilometer am Tag zurückgelegt. "Bislang haben wir nur wenige Anhaltspunkte, woher sie stammen könnte", erzählt Claudia Maid. "Was wir wissen, ist, dass sie ursprünglich aus Bulgarien kommen muss, sie hat eine rote Ohrmarke, wurde also irgendwann von Tierschützern kastriert." Ein Halter habe sich bislang nicht gemeldet "Sie kann auch aus dem Süden Deutschlands stammen. Wir versuchen gerade, mehr herauszufinden und haben schon einige Anhaltspunkte", sagt die Tierheimleiterin.

Überfahrene Tiere gefressen

Warum die Hündin sich direkt an der Autobahn aufhielt, dafür gebe es eine einfache Erklärung: "Sie ernährte sich von Tieren, die dort überfahren wurden", sagt Kolb. An der Autobahn hatte die Hündin wohl die größten Chancen irgendetwas essbares zu finden.

"Phantom" wurde das grau-schwarz-weiß gezeichnete Tier deshalb genannt, weil immer wieder Hinweise auf Sichtungen bei der Polizei eingegangen seien, häufig bei der Butzbacher Autobahnpolizei. "Bis die Polizei dann vor Ort war, gab es keine Spur mehr von ihr", erklärt Kolb. Die ganze Zeit über habe es kein Foto der Hündin gegeben. "Bis am Dienstag. Da wurde sie das erste Mal von einer Wildkamera, die wir an der Futterstelle angebracht hatten, erfasst", sagt Maid. "Und dann ging es eigentlich ganz schnell."

Amy wird zunehmend ruhiger

Es wurde eine Falle mit Leckereien, wie Hühnchen und Leberwurst vorbereitet. "Nachts um drei hatte ich dann den Alarm auf dem Handy, dass die Falle ausgelöst wurde", sagt Maid. Sie wirkt erleichtert, als sie von der Nacht zum Freitag berichtet, als die scheue Amy überlistet wurde. "Wir sind mit unseren Mitarbeitern sofort dorthin gefahren."

Auch von Darmstadt sei einer der Tierschützer gekommen, um zu helfen. Immerhin wiege die Falle fast 100 Kilogramm. Mitsamt Hund ging es dann ins Butzbacher Tierheim. Hier müsse sich Amy von den Strapazen erstmal erholen: "Sie ist noch etwas ängstlich und man merkt ihr auch den Stress noch an, aber sie wird zunehmend ruhiger", erzählt Kolb.

Vermittlung an Hundehalter denkbar

Wahrscheinlich sei Amy als ehemaliger Straßenhund ein Leben auf sich selbst gestellt bereits vorher gewohnt gewesen, "sonst hätte sie niemals so lange durchgehalten", ist sich Kolb sicher. Wenn sie wieder fit sei, sei eine Vermittlung an einen erfahrenen Hundehalter denkbar. "Dass es so lange gedauert hat, Amy einzufangen, lag leider auch am Verhalten einiger Tierschützer", kritisiert Kolb. Immer wieder seien Sichtungen in sozialen Medien öffentlich gemacht worden. Daraufhin seien von Menschen, die helfen wollten, andere Futterstellen angelegt worden. Das sei sicherlich gut gemeint gewesen, aber: "Wenn zu viele Menschen zu den Orten gehen, wo sich so ein scheues Tier aufhält, dann verschwindet es natürlich", erklärt Kolb. "Wir haben uns in den letzten Wochen daher sehr bedeckt gehalten", sagt Maid. Die Hündin in Sicherheit gebracht zu haben, "hat geklappt."

Da die Butzbacher Tierschützer in den vergangenen Wochen sehr viel Zeit und Geld in das Aufspüren und die Rettung von Amy investiert haben, bitten sie um Spenden für das Tierheim auf das Spendenkonto bei der Sparkasse Oberhessen mit der IBAN: DE68 5185 0079 0002 0005 39.

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