OGV Hattenrod blickt auf 75 Jahre Vereinsbestehen zurück

Reiskirchen (la). Im Januar 1937 wurde der Obst- und Gartenbauverein Hattenrod gegründet, am 2. September feiert er sein 75-jähriges Jubiläum. Es war seinerzeit eine erstaunlich große Zahl an Interessenten, die sich zur Gründungsversammlung einfanden, sodass der junge Verein schon gleich auf Anhieb auf 69 Mitglieder kam.

Sicherlich war es die Pflege und vor allem auch die Neuanlage von Obstbaumgrundstücken, die die Gründung begünstigten. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Heinrich Münster gewählt. Er stand nicht nur als Vorsitzender an der Spitze des Vereins, sondern hatte auch selbst große Obstbaumgrundstücke angelegt.

Im Vordergrund stand zum einen die Selbstversorgung; denn Obst in der vielfältigen Auswahl wie es heute der Fall ist, gab es seinerzeit nicht. Wichtig war natürlich auch die Sortenauswahl, möglichst eine ausgewogene Mischung von frühem Obst, aber solchem, das erst im Frühjahr genießbar war. Obstanlagen erfüllten auch einen wirtschaftlichen Zweck. Es war eine Art von Alterssicherung, für die man sich schon in jungen Jahren einsetzte. Schließlich war der Verkauf von heimischem Obst begehrt und brachte eine entsprechende Rendite ein. Um gute Erträge zu bekommen, galt das Hauptaugenmerk der Pflege der Bäume und der richtigen Sortenwahl. Um auf der anderen Seite wieder Kosten zu sparen, wurden wild wachsende Bäume veredelt. So war es keineswegs verwunderlich, dass viele Menschen das Veredeln von Obstbäumen beherrschten. Selbst die Gemeinde sah im Besitz von Obstanlagen eine nicht unerhebliche Einnahmequelle.

Belege weisen hier ansehnliche Beträge aus. Bekannt sind die Obstanlagen auf dem Rosengarten, auf dem Ziegenberg sowie an der heutigen Flugplatzstraße.

Nachfolger von Heinrich Münster wurde Heinrich Seip. Es war sicherlich auch ein Verdienst des Vereins, dass 1948, nur wenige Wochen nach der Währungsreform, große Mengen an Obst, in erster Linie Äpfel, "von privat" über die örtliche Genossenschaft verkauft werden konnten, was zugleich einen warmen Geldsegen für die Obstbaumbesitzer des Ortes bedeutete.

Erwin Balser 45 Jahre Vorsitzender

Im Jahre 1949 übernahm Erwin Balser die Vereinsführung. Mit ihm stand wieder ein Fachmann an der Spitze, denn Balser war Baumfachwart und vertiefte sein Wissen bei Fortbildungsveranstaltungen, die dem Verein, aber auch den privaten Obstbaumgrundstücksbesitzern zugute kamen. Balser, der den Vorsitz über 45 Jahre innehatte, hat den Verein wesentlich geprägt und ihm auch neue Impulse gegeben.

Balser, der auch gleichzeitig Vorsitzender der VdK-Ortsgruppe war, sah in der Pflege der Obstanlagen und der Geselligkeit zwei wichtige Säulen des Vereinslebens. So organisierten beide Vereine alljährlich auch eine gemeinsame Mehrtagefahrt zu verschiedenen Zielen in Deutschland. In diese Zeit fällt auch die Übertragung des Grundstücks "Auf den Vier Morgen" durch die Gemeinde Reiskirchen zur Pflege und damit auch zur Ernte des Obstes.

Während andere Vereine sich Gedanken machten, wie es aufgrund der sinkenden Mitgliederzahl weitergehen werde, konnte sich der Obst- und Gartenbauverein Hattenrod glücklich schätzen: Anlässlich der Feier des 50-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1987 gab es ein überraschendes und für die Vereinsentwicklung ein einmaliges Geburtstagsgeschenk: Der 1. Kadochaclub Hattenrod, der gerade einmal vier Jahre zuvor gegründet worden war, trat geschlossen dem Verein bei, sodass die Mitgliederzahl auf Anhieb erheblich anstieg.

Alle Neueingetretenen zahlten gleichzeitig an diesem Jubiläumstag auch ihren Jahresbeitrag. Zur Erinnerung an das Jubiläum wurde in der Anlage vor dem Dorfgemeinschaftshaus ein Stein gesetzt.

Mit vielen jungen Mitgliedern konnten weitere Maßnahmen in Angriff genommen werden. Die Gemeinde überließ dem Verein zwei weitere Grundstücke auf den "Vier Morgen", und der Verein übernahm die Pflege und Nutzung. Obstbäume wurden von verschiedenen Seiten, darunter auch von Mitgliedern, gespendet, die die Neuanlage komplettierten. Der Verein bot Obstbaumschnittlehrgänge an, die sich stets eines guten Besuchs erfreuten und auch neue Mitglieder brachten, denn die erhielten wertvolle Tipps für den "Eigengebrauch". Auf Erwin Balser folgte 1994 Wilhelm Hahn als Vorsitzender, ein Enkel des Gründungsvorsitzenden Heinrich Münster. Bei seinem Ausscheiden wurde Balser als Anerkennung für seine Verdienste und sein Engagement einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Wilhelm Hahn führte den Verein bis 2000, bis schließlich Horst Rink, der heutige Vorsitzende, die Vereinsführung übernahm.

Tradition hat schon seit vielen Jahren das Grillfest an der Grillhütte auf dem "Ziegenberg", das alljährlich am Fronleichnamstag stattfindet, und sich eines guten Zuspruchs erfreut. Neue Aufgaben kamen 2004 hinzu. Die Landschaftspflegevereinigung Gießen hatte den Verein gebeten, das Gelände auf dem "Ziegenberg" zu entbuschen, damit der dortige Magerrasen und besondere Blumen wieder wachsen können. Und so sind die Mitglieder im Sommer und im Herbst immer wieder damit beschäftigt, den Holzausschlag zu entfernen.

Apfelwein und eigene Brände

Inzwischen ist der Verein auch "auf den Geschmack" gekommen. Vor sechs Jahren begann man, eigenen Apfelwein herzustellen. Seit 2009 übt man sich im Herstellen von Schnaps aus Zwetschen. Gebrannt wird in der Brennerei Becker in Watzenborn-Steinberg. Weitere Brände mit Birne, Apfel oder Apfel-Birne kamen hinzu.

Da unter den inzwischen über 100 Mitgliedern viele junge und auch Kinder sind, kann der Verein in seinem Jubiläumsjahr hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

Das Jubiläum wird am morgigen Sonntag, dem 2. September, um 10 Uhr mit "dem Musikalischen Frühschoppen" im Dorfgemeinschaftshaus gefeiert. Neben der Vereinschronik und zahlreichen Grußworten und Gratulationen, steht die Ehrung von Mitgliedern für langjährige Vereinszugehörigkeit im Mittelpunkt der Veranstaltung. Für die Jüngsten werden mittags Ponyreiten und Kutschfahrten angeboten.

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