Früher war Aschermittwoch nicht alles vorbei

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Reiskirchen (la). Karneval ist eigentlich etwas, was man aus dem katholisch geprägtem Rheinland kennt. Doch schon seit Jahrzehnten wird man auch in Mittelhessen zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch närrisch. In Hattenrod etwa veranstaltet seit 1983 der Kadochaclub einen Umzug - doch die Pandemie macht seit einem Jahr einen Strich durch die Rechnung.

Lange bevor Vereine zur Fastnacht einluden, wurde diese in den Spinnstuben gefeiert. Katharine Alexander beschreibt in ihrem Büchlein »Das Jahr auf dem Lande«, dass sich die Jugend schon Wochen zuvor auf dieses Datum freute. Am Sonntag und Montag wurde mit Musik vom Plattenspieler im Gasthaus getanzt. Dienstag und Mittwoch wurde die Feier ins Elternhaus eines Mädchens verlagert. Die Burschen gingen in ihrem Sonntagswams, die Mädchen kleideten sich mit einem weißen Kollerhemd, einem mit Pailetten bestickten Mieder, einem roten oder grünen Bauernrock und einer weißen Schürze.

Einige Male am Tag zog die gesamte Gesellschaft mit Gesang durch das Dorf. Kartoffelsalat und Fleischwurst wurden abends verzehrt. Teils lernten sich dabei spätere Ehepaare kennen. Hermann Ferdinand Gundrum erinnert sich, dass in seiner Jugendzeit die Fastnacht erst anfing, wenn sie dem Kalender nach bereits zu Ende sein sollte. Am Rosenmontag wurde Kuchen gebacken. Dann wurde gefeiert über den Faschingsdienstag und Aschermittwoch hinaus bis zum Freitag. Gnudrum gefiel diese Zeit, sie habe den Zusammenhalt unter den jungen Menschen gestärkt.

Ein beliebter Brauch war auch das Sammeln von Eiern und Speck am Fastnachtsdienstag. Die Burschen gingen von Haus zu Haus und sammelten mit den Worten »Hat’s Gickelchen gelegt?« In der Spinnstube wurden die so gesammelten Lebensmittel dann zubereitet.

Die Spinnstuben mögen zwar Geschichte sein, der Eiersammelbrauch existiert jedoch noch heute. Heute sind es in erster Linie Schulkinder, die auf diese Weise versuchen, nach Möglichkeit ihr Taschengeld aufzubessern und dazu auch noch Süßigkeiten zu bekommen.

Mancherorts sammelt auch die Dorfjugend - und danach geht’s ans sogenannte Eierbacken. Natürlich nur, wenn Corona diese Bräuche nicht ausbremst.

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