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Erinnerungen an das Weihnachtsfest 1944

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2020 ist bei vielen Menschen die Weihnachtsstimmung gedrückt. Einige haben Sorgen um ihr Geschäft oder ihren Job, manche vermissen den Besuch von Freunden und Familienmitgliedern, wieder andere kurieren Krankheiten aus. Es gibt aber Menschen, die sich an schlimmere Weihnachtsfeste erinnern können. Heiligabend 1944 etwa wurde Bellersheim bombardiert - 13 Menschen starben, zig Familien wurden obdachlos.

In Hattenrod erlebte Willi Launspach als Fünfjähriger das Weihnachtsfest 1944. "Da hatte man ganz andere Sorgen. Es war die Sorge um den Vater, Bruder oder Ehemann, der irgendwo in Russland eingesetzt war und über dessen Befinden man schon lange nichts mehr erfahren hatte", erinnert er sich. Gießen war gerade erst am 6. Dezember bombardiert worden. "Weihnachten war kein Fest, auf das man sich freuen konnte. Weihnachtsbriefe an das Christkind gab es nicht."

Um ihren Kindern überhaupt etwas schenken zu können, griffen viele Eltern auf einen Trick zurück: "Puppen verschwanden schon mehrere Wochen vor dem Fest", erinnert sich Launspach. "An Heiligabend erstrahlte die Puppe dann mit einem neuen Kleidchen unterm Weihnachtsbaum." Man war zufrieden.

Nicht selten kam es vor, dass Gesellschaftsspiele, die vor vielen Jahren die nun Erwachsenen als Kinder bekommen hatten, als Weihnachtsgeschenk "weitervererbt" wurden. Geschenke kaufen ging nicht - die Reichsmark war wertlos. Nur über Tauschgeschäfte konnte man an Dinge kommen.

Willi Launspach erhielt vor 76 Jahren ein besonders Geschenk: "Das Christkind hatte ein Schaukelpferd mitgebracht." Sofort wurde das Holztier auf den Namen Hektor getauft. Erst Jahre später erfuhr er, dass seine Mutter und Großeltern dafür einen Sack Weizenmehl eingetauscht hatten - wodurch der Schreiner seine Familie versorgen konnte. "Dieses Geschenk wurde in Ehren gehalten und glänzt auch heute noch in seiner einstigen Pracht." bf/FOTO: BF

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