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Edwin Damm und Karl Heinz Scherer (r.) kennen die alten Schulbänke noch aus eigener Erfahrung.

Erinnerungen an die Schulzeit

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Reiskirchen (la). Mit dem Thema "Die alten Dorfschulen der Gemeinde Reiskirchen" hatte die Heimatgeschichtliche Vereinigung Reiskirchen genau ins Schwarze getroffen: Zahlreiche Besucher wollten die alten Klassenfotos und Bilder aus dem Schulalltag sehen. Teilweise sind die Gebäude längst nicht mehr als Schule in Gebrauch.

HGV-Vorsitzender Kurt Herber war angesichts des großen Besucherzuspruchs begeistert. Er dankte allen Helfern, welche die Ausstellung unterstützt hatten. Ortsvorsteher Edwin Damm begrüßte in Reiskirchener Mundart die Besucher. Er hob hervor, dass die Heimatgeschichtliche Vereinigung die Vergangenheit in der Gegenwart anschaulich präsentiere.

In den alten Schulbänken, die mitten in der Ausstellung standen, nahmen auch manche Besucher Platz. Die in den Schulbänken integrierten kleinen Tintengläschen faszinierten. Fotos von verschiedenen einstigen Lehrkräften entlockten auch so manche nicht gerade positive Bemerkung und verrieten so einige Besonderheiten im Umgang mit den Schülern. Natürlich war in diesem Zusammenhang immer wieder zu hören "Weißt Du noch, als …". Es waren eben die wenig gegliederten Dorfschulen, in denen Jüngere von Älteren lernten.

Schreiben auf Schiefertafeln

Alte Schulbücher konnten angesehen werden, Schiefertafeln mit den dazugehörigen Griffeln erweckten die Neugier der heutigen Schulgeneration, für die diese Utensilien absolut fremd waren. Klassenbücher aus der Zeit zum Beginn des 20. Jahrhunderts lieferten interessante Einblicke in das damalige Schulgeschehen. Auch die große Anzahl von mehreren Jahrgängen in einer Klasse war den jüngeren Besuchern absolut unbekannt.

Mit dem Aufkommen der Mittelpunktschulen in Hessen, Mitte der 1950er-Jahre, hatte das ein Ende. Zunächst blieben die Jahrgänge 1 bis 4 noch in den Dorfschulen, die Schüler ab dem fünften Schuljahr wurden mit Bussen in eine der Mittelpunktschulen gefahren. Das war oft von vielen in den Dörfern nicht gern gesehen, zumal es in vielen gar keine Schulraumnot gab. Es waren harte politische Diskussionen, Anfeindungen zwischen Befürwortern und Gegnern waren an der Tagesordnung; denn Schule und Kirche müssen im Dorf bleiben, hieß es sehr oft.

Auch das war Inhalt mancher interner Gespräche, wie überhaupt die Ausstellung Anlass und Stoff zu vielen Erinnerungen lieferte. In Reiskirchen bildete sich ein Schulzweckverband, dem die Gemeinden Harbach, Hattenrod, Burkhardsfelden, Oppenrod, Reiskirchen mit Winnerod und Lindenstruth angehörten.

Der Bau der Mittelpunktschule auf dem Kirschberg zählte zu den ersten im Landkreis Gießen. Schließlich wurde die heutige Kirschbergschule, die inzwischen Grundschule für Kinder aus Hattenrod, Burkhardsfelden, Reiskirchen, Winnerod, Lindenstruth und Saasen ist, am 8. September 1963 eingeweiht. Der Reiskirchener Ortsteil Ettingshausen hat eine eigenständige Grundschule. Die Grundschulkinder des Ortsteils Bersrod besuchen die Grundschule im benachbarten Beuern.

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