Erhaltenswertes gesichert

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Reiskirchen (la). Die Heimatgeschichtliche Vereinigung (HGV) erreichte kürzlich ein Kontakt vom Geschäftsführer des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen, Hans Lochmann. Er hat vor allem für die Geschichte von Hattenrod interessante Utensilien gesammelt. Neu gewonnene historische Erkenntnisse können aber erst nach dem Ende der Corona-Pandemie Interessierten in einem Vortragsabend vorgestellt werden.

Lochmann berichtete in einem Telefongespräch mit der stellvertretenden HGV-Vorsitzenden und Sprecherin der Gruppe Hattenrod, Christa Launspach, dass er vor Jahren während seiner Studienzeit in Gießen in Hattenrod gewohnt und sich mit der Geschichte des Ortes befasst habe. Neben Fotos aus früheren Jahrzehnten und geschichtlichen Forschungen über den Ort fand Lochmann erhaltenswerte Gegenstände im Ort, die ihm zur Verfügung gestellt wurden, sonst wären diese ohnehin auf dem Müll gelandet.

Der Fachmann wusste um den Wert des Erhalts für spätere Generationen. In der ortsnahen Feldflur fand Lochmann einen Spinnwirtel, den Fachleute in Gießen als »mittelalterlich« eingestuft haben. Spannende historische Geschichten wurden gesammelt, ausgeblendet blieben noch die NS-Zeit, Krieg, Kriegsende in Hattenrod und das Ankommen der Flüchtlinge. Intensiv befasste man sich mit der Flachsverarbeitung, nachdem in dem Haus, in dem Lochmann wohnte, ein Webstuhl gefunden wurde. Nach und nach wurde das zugehörige Gerät aufgespürt, Reff, Schwingstock und -eisen, Breche, Hechel, Spinnrad, Haspel, Garnwickler, Spulen, Scherrahmen, Webgeschirr und -schiffchen, Spanner und Leseholz.

Für die Nachwelt erhalten

Bei Landfrauenvereinigungen hielt der Experte Vorträge über Flachsanbau und -verarbeitung sowie über Fachwerkbau. Auslösender Faktor war die Beschäftigung damit in Hattenrod. Folgende Gegenstände können der HGV zur Verfügung gestellt werden: Webstuhl von 1770 mit Zubehör; Seitenteil Flachsstock (mit Inschrift »Mag. Seipp in Hattenrod)«; Schwingeisen; Seitstollentruhe, Weichholz 18. Jahrhundert; Vertiko, Weichholz, holzfarben lasiert mit Aufsatz, um 1910; bestickter Behang Eckbord; besticktes Nackenkissen für Tragejoch; Mehlsack, Leinen, stark geflickt (bedruckt: »August Albohn Hattenrod«); Milchkrüge, braunes Steinzeug.

Alles sind begehrenswerte Stücke, die zur Attraktion eines Museums wesentlich beitragen würden. Dazu fehlt allerdings der nötige Platz. Es sei jedoch schade, zusehen zu müssen, wenn solche Ausstellungsstücke der Nachwelt für alle Zeit verloren gehen.

Wertvoll sind Lochmanns Aufzeichnungen über die Dorfnamen vor allem der ursprünglichen Besitzer. Fortgeschrieben wurden die weiteren Bewohnerfamilien, sodass auch zu erkennen ist, ob das entsprechende Haus zwischendurch in einen fremden Besitz überging. Das war vor vier Jahrzehnten noch einfacher möglich als heute. In verschiedenen Seniorennachmittagen hat Lochmann Kenntnis darüber erhalten. Er befasste sich auch mit den besonderen Namen, die Auswärtige über einen Ort erfanden. Die Reiskirchener sind heute noch die »Mattebeul«, die Burkhardsfelder die »Löffelstiel«, die Harbacher die »Reuwekeil« und die Hattenröder die »Hussmäh«.

So wie vor über zehn Jahren die Ortschronik über »Die Geschichte von Hattenrod - ein Dorf in Oberhessen« vom inzwischen verstorbenen Gustav Ernst Köhler vorgestellt wurde, so bieten sich auch die nun gewonnenen Erkenntnisse an, nach der Corona-Krise in einem Vortragsabend bekannt gemacht zu werden.

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