us_klaus_050621_4c_1
+
Klaus Döring

Ein Mann voller Tatendrang

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Reiskirchen (us). Er war ein Mann der eher leisen Töne, freundlich, ausgleichend und allseits geschätzt. Jetzt trauern die Menschen in Reiskirchen um ihren Ehrenbürgermeister Klaus Döring. In der Nacht zum Montag, wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag, ist er plötzlich gestorben. 18 Jahre lang, von 1984 bis zum 31. Dezember 2001, hat der Mann aus Bersrod die Geschicke der Gemeinde gelenkt und sich zudem in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert.

Dörings Laufbahn hatte 1960 als Jungbote beim Postamt Gießen begonnen. Der weitere berufliche Weg führte ihn 1971 in die Stadtverwaltung Lich und, mittlerweile Beamter im gehobenen Dienst, 1984 auf den Chefsessel im Reiskirchener Rathaus. Sein Interesse für die Kommunalpolitik hatte der damals 38-Jährige schon früher entdeckt. 1977 wurde er in die Gemeindevertretung Reiskirchen gewählt, darüber hinaus fungierte er als Ortsvorsteher von Bersrod und Vorsitzender des SPD-Ortsbezirks Bersrod.

Als er 18 Jahre später aus dem Dienst schied, hatte er der Gemeinde im Wiesecktal seinen Stempel aufgedrückt. 50 Millionen Mark wurden in seiner Amtszeit allein in die Abwasserbeseitigung investiert. Zudem hatte er gegen erhebliche Widerstände die Ansiedlung der Kreismülldeponie am Rande der Autobahn realisiert, die der Gemeinde Einnahmen von 20 Millionen Euro verschaffte. »Ich weiß nicht, wie die Gemeinde sonst alles hätte gestalten sollen«, resümierte er beim Ausscheiden aus dem Amt. Zu seinen Erfolgserlebnissen im Rathaus zählte er damals unter anderem die Umnutzung des alten Pfarrhofs und die erfolgreiche Jugendarbeit. Die Umgehungsstraße hingegen, auf die er während seiner gesamten Amtszeit hingearbeitet hatte, ist bis heute nicht gebaut.

Wie sehr die Menschen ihren Bürgermeister wertschätzten, zeigte die erste Direktwahl im Jahr 1995. Damals wurde Döring im ersten Wahlgang bei drei Gegenkandidaten mit fast 60 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Im politischen Alltagsgeschäft allerdings wehte ihm ein rauer Wind entgegen. Dazu kamen gesundheitliche Probleme. Und so entschied sich der Sozialdemokrat im Alter von 55 Jahren gegen eine neuerliche Kandidatur in der unter seiner Ägide stark gewachsenen Gemeinde. »Jetzt kommt erst mal das eigene Ich«, sagte er damals in einem Interview.

Egoismus sieht allerdings anders aus. Seine Ehrenämter als Ortsgerichtsvorsteher und Schiedsmann behielt der Diplom-Verwaltungswirt bei. Zudem war er ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht in Gießen, beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel und beim Sozialgericht in Gießen.

Soziales Gewissen

Bis 2015 saß er im Kreistag, danach im Kreisausschuss. Weitere Betätigungsfelder waren der Kreisseniorenbeirat, die Zweckverbände der Sparkassen Gießen und Grünberg und der Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Busecker Tal. Als Vorsitzender hat er mehrere Jahre lang die Apfelwein- und Obstwiesenroute im Landkreis Gießen mitgeprägt.

Als Verantwortlicher der Motorfreunde Bersrod lagen ihm vor allem die Verkehrserziehung und die Sorge ums Wohl der älteren Verkehrsteilnehmer am Herzen. Sein soziales Gewissen fand in seinem Engagement für den VdK und die Gießener Tafel Ausdruck. Die Jagdgenossenschaft Bersrod und der Reiskirchen Partnerschaftsverein durften ebenfalls auf seine Unterstützung zählen.

Als Bürgermeister hatte Döring die Partnerschaften mit Muttersholtz (Elsass), Goleszow (Polen) und Wandersleben in Thüringen mitbegründet. Außerdem hat der Mann mit einer Vorliebe für die Küste die inoffizielle Partnerschaft zum ostfriesischen Leerhafe eingefädelt und das Boßeln nach Reiskirchen geholt. Für seinen Einsatz wurde er vielfach ausgezeichnet. Stellvertretend sei an dieser Stelle das Bundesverdienstkreuz am Bande genannt, das der Bersröder 2010 entgegennahm.

Privat war Klaus Döring ein Familienmensch. Um ihn trauern Ehefrau Inge, die Töchter Carmen und Tanja und Enkel Ben David. Nicht nur sie werden ihn vermissen. ARCHIVFOTO: LA

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare