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Exponate mit hohem Wiedererkennungseffekt: Vor den Schautafeln mit den Aufnahmen der Konfirmationsjahrgänge entwickeln sich teils angeregte Gespräche.

"Ei, bist du das?"

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Reiskirchen (gal). Ein lang gehegter Wunsch ist wahr geworden: Die Gruppe Lindenstruth der Heimatgeschichtlichen Vereinigung (HGV) Reisirchen hat eine Ausstellung "Konfirmation in Lindenstruth" organisiert und damit viele Besucher in die Wieseckhalle gelockt. Im Vorfeld waren Bilder aller Konfirmationen im Ort gesammelt worden. Das interessierte auch jene, die längst nicht mehr in Lindenstruth wohnen. Diese waren via Presse, Freunde und Verwandte informiert worden - und kamen zahlreich. Einige trafen sich erstmals nach Jahrzehnten wieder: Ungläubiges Staunen, Umarmungen.

Konfirmation im Wandel der Zeit

Teilweise erwies es sich als schwierig, sich rückwirkend an die Namen der damaligen Konfirmanden zu erinnern und deren Gesichter zuzuordnen. "Ei, bist du das?" war eine oft gestellte Frage. Eine ältere Frau bemerkte: "Manche haben sich kaum verändert, bei anderen ist die ›Scherb‹ (das Gesicht) aber ganz anders geworden." Und so bildeten sich schnell Grüppchen, es entspann sich eifriges Erzählen von- und übereinander. Im Ergebnis blieben viele Besucher nach dem Betrachten der Bilder länger an den Tischen sitzen, um sich zu unterhalten und die Lebensläufe der ehemaligen Mitkonfirmanden zu erfahren. Manchmal wurden auch die aktuellen Adressen ausgetauscht, um künftig den Kontakt aufrechterhalten zu können. Hier und da wurden sogar Termine für ein nächstes Treffen festgelegt.

Die Präsentation an Bildmaterial war gewaltig, obwohl mit Sicherheit immer noch viele nicht erfasste alte Jahrgangsfotos in häuslichen Alben schlummern. Der Verein ist stets für neues Bildmaterial aufgeschlossen. Auf den Tischen gaben Konfirmationsurkunden und Geschenke einen Überblick der Konfirmationsbräuche, die sich im Laufe der letzten 130 Jahre sehr geändert haben. Interessant war ebenfalls das Resümee der im Laufe 2018 erarbeiteten und ausgewerteten Fragebogen. Diese gaben etwa Aufschluss darüber, welche Aufgaben die Jugendlichen in der Konfirmandenzeit zu erfüllen hatten, ob viel oder wenig für den Vorstellungsgottesdienst zu lernen war, wie die Konfirmation in der Kirche und zu Hause gefeiert wurde. Anekdoten wurden zum Besten gegeben.

Für die HGV-Ortsgruppe Lindenstruth begrüßte Ulrike Kühn-Polzin die Besucher der nunmehr 17. Ausstellung, darunter auch Pfarrer Dieter Sandori und Pfarrerin Ulrike Fritz-Lauer. Sie dankte allen Helfern und weiteren Personen, die im Vorfeld der Ausstellung zum Gelingen beigetragen haben und Waltraud Albach für die Hauptarbeit.

Arbeit auf wenige Schultern verteilt

HGV-Vorsitzender Kurt Herber bedankte sich bei den Lindenstruthern für deren Arbeit und verwies auf die Wichtigkeit der Vereinigung für folgende Generationen. "Es ist leider nicht selbstverständlich, dass alle Jahrgänge komplett konfirmiert werden", merkte Pfarrer Dieter Sandori in seinem Grußwort an.

Ortsvorsteher Gerhard Albach bezeichnete die Ausstellung nicht nur als einen Tag der Erinnerungen, sondern auch als einen Tag der Wiedersehen. Einige Besucher hätten sich nach fünf oder sechs Jahrzehnten zum ersten Mal wieder getroffen, nach vorsichtigem Abtasten dann wieder erkannt und sich schließlich über Lebensläufe und Lebenssituationen ausgetauscht. Er resümierte, dass eine solche Ausstellung nur von wenigen Personen auf die Beine gestellt werde, was letztlich eine kaum zu schulternde Belastung für die Zukunft werden könnte. Junge engagierte Interessierte wären auch in diesem Verein eine große Bereicherung.

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