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Im Vergleich zum restlichen Landkreis schneidet Reiskirchen bei der hausärztlichen Versorgung schlecht ab. SYMBPLFOTO: DPA

»Derzeit kein Handlungsbedarf«

  • VonChristina Jung
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Reiskirchen (ti). Ein Hausarzt kümmert sich im Landkreis Gießen durchschnittlich um 1471 Einwohner. Kein guter Wert, aber ausreichend, wie Experten meinen (GAZ-Bericht vom 17. Juli). Betrachtet man die Kommunen separat, stellt sich die Situation mitunter noch schlechter dar, wie der Blick auf Reiskirchen zeigt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen (KVH) kommen dort 3416 Patienten auf einen Verorgungsauftrag.

Noch dazu ist ein Drittel der Hausärzte über 60 Jahre alt, hört also mutmaßlich in den kommenden Jahren auf, zu praktizieren. Ist der Gemeinde die Problematik bekannt? Wird diesbezüglich vielleicht bereits etwas unternommen?

Derzeit nicht, sagt Reiskirchens Erster Beigeordneter Dr. Thomas Stumpf, der den im Urlaub weilenden Bürgermeister Dietmar Kromm vertritt. Das heißt aber nicht, dass man sich über die ärztliche Versorgung in der Gemeinde keine Gedanken macht.

2017 hatten die Freien Wähler diese bereits aufs politische Tableau gebracht und in der Gemeindevertretung einen Prüfantrag für ein Ärztehaus gestellt. Um langfristig die medizinische Zukunft der Bürger zu sichern, wie es in der Begründung hieß.

Entwicklung beobachten

Der Gemeindevorstand beauftragte damals die Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH mit einer Analyse der medizinischen Versorgungsstrukturen. Doch die kam nach Gesprächen mit ortsansässigen Ärzten und Gesundheitsberuflern zu dem Schluss: Reiskirchen braucht ein solches Angebot nicht. Die Kommune ist mit Medizinern und weiteren Spezialisten wie Physio-, Ergo- und Logotherapeuten, Apotheken und ambulanten Pflegediensten überversorgt. Was sich nicht direkt vor Ort findet, könne aufgrund der guten Anbindung an Gießen oder Grünberg problemlos erreicht werden.

Und genau darauf verweist Stumpf auch mit Blick auf die Hausärzte-Thematik, nennt als Beispiel Burkhardsfelden, wo der Busecker Mediziner Dr. Ulrich Hentschel jahrelang in einer Zweigstelle seiner Praxis einen Großteil der Bürger im Ortsteil versorgte. Viele Saasener führen zu Hausärzten nach Grünberg, Ettingshäuser nach Lich. Die Mehrzahl der Menschen sei mobil, darüber hinaus gebe es gute Busverbindungen. Stumpf: »Das Problem ist in meinen Augen ein rein statistisches«, sagt er mit Blick auf die Zahlen der KVH. Die kämen heraus, wenn man die Einwohnerzahl nehme und sie durch die Versorgungsaufträge teile. Seines Wissens sei es in den Reiskirchener Praxen nicht so, dass man dort aufgrund von zu viel Arbeit stöhne. »Derzeit sehe ich keinen Handlungsbedarf«, sagt Stumpf.

Das heißt aber nicht, dass man in Reiskirchen abwarte, bis ein echtes Problem vorhanden sei. Zwar »ist die medizinische Versorgung der Bürger nicht unser Kerngeschäft«, dennoch werde man »die Entwicklung beobachten« und die Situation von Zeit zu Zeit neu bewerten. Aber selbst wenn sich eine Handlungsnotwendigkeit ergeben sollte - die Möglichkeiten der Gemeinde schätzt der Erste Beigeordnete aufgrund fehlender Expertise eher gering ein. Folglich werde man sich in diesem Fall der Sachkenntnis von Fachleuten bedienen, »die für uns tätig werden«.

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