Corona-Krise und Klimawandel

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Reiskirchen(us). Michael Seipp-Wallwaey wollte ein Zeichen setzen. Trotz Corona-Pandemie hatte er für Mittwochabend zu einer Bürgerversammlung eingeladen. "Ein Versuch, ein wenig Normalität in ungewöhnlichen Zeiten zu schaffen", begründete der Vorsitzende der Gemeindevertretung seine Initiative. Außerdem sollen solche Versammlungen laut Hessischer Gemeindeordnung jedes Jahr zu wichtigen Themen abgehalten werden. Diesmal ging es um die Auswirkungen des Klimawandels und der Corona-Krise auf die Kommune. Konkret: Um den Zustand des Gemeindewalds und der kommunalen Finanzen. Referenten waren Heinz-Jürgen Schmoll, der stellvertretende Leiter des Forstamtes Wettenberg und der kommissarische Revierförster Thomas Kremberg, der seine Aufgabe zum 1. September übernommen hat, sowie Bürgermeister Dietmar Kromm.

Die Fichte hat keine Zukunft

Schmoll machte deutlich, dass Forstleute in Generationen denken. "Was wir heute pflanzen, werden unsere Urenkel ernten können." Aber was soll man pflanzen? Das ist die große Frage. Der "Brotbaum" des Försters, die Fichte, die in den 50er und 60er Jahren großflächig gepflanzt wurde, hat keine Zukunft mehr. Sie hält der Trockenheit nicht stand. Ähnlich ergeht es der Buche, die der häufigste Baum im 549 Hektar großen Gemeindewald ist. Ihr Anteil beträgt 42 Prozent. Pilze, Bakterien und Insekten setzen ihr so zu, dass die Bestände auf einigen Standorten absterben. Das Holz sei kaum noch zu vermarkten, sagte Schmoll. Wo es geht, setzen die Förster auf Naturverjüngung. Ansonsten muss aufgeforstet werden. Dafür gebe es ein mehrjähriges Konzept, sagte Kremberg. Gepflanzt werden sollen u.a. Traubeneiche, Winterlinde, Heinbuche, Douglasie, Weißtanne und einige Sonderarten. "Der Wald wird nicht mehr so sein wie bisher", konstatierte Bürgermeister Kromm. Und die Gemeinde wird mit ihm vorläufig auch kein Geld mehr verdienen. Nach 2019 ist auch in diesem Jahr wieder mit einem Defizit zu rechnen.

Auch sonst muss sich die Gemeinde nach der Decke strecken. Das Loch, das die Corona-Krise in den Gemeindehaushalt gerissen hat, ist groß. Allein die Gewerbesteuer brach um 3,56 Millionen ein.

Doch es gibt einen Lichtblick: "In den vergangenen drei Jahren lief es gut", sagte Kromm. "Wir haben Rücklagen." Der Bürgermeister zeigte drei Möglichkeiten auf, um mit dem Engpass umzugehen: Einsparungen, Ertragsanpassungen und Rücklagenentnahme. Kromm: "Wie wir 2021 damit umgehen, müssen wir noch sehen." Der Haushalt soll am 9. Dezember von der Gemeindevertretung verabschiedet werden.

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