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Manfred Schmitt erläuterte anhand von drei Blumentöpfen die Vorgänge bis zur Fertigstellung einer Glocke.

In China läuteten die ersten Glocken

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Reiskirchen(msr). Mit den Klängen der "Gloriosa" vom Erfurter Dom eröffnete Manfred Schmitt aus Saasen seinen Vortrag in Wort, Bild und Ton über die geschichtliche Entwicklung der Glocken. Eingeladen hatte dazu die evangelische Kirchengemeinde Veitsberg-Saasen in das Gemeindehaus.

Wie der Referent ausführte, hatte bevor Friedrich Schiller seine berühmte Ballade "Das Lied von der Glocke" schrieb, diese als Klangkörper und Instrument der Menschheit schon fünftausend Jahre Geschichte hinter sich. China wird als Ursprungsland der Glocke angesehen. Dort gibt es erste Aufzeichnungen über Glocken aus dem dritten und vierten Jahrtausend vor Christus.

Bei den Chinesen war die Glocke das tonangebende Instrument, sie war die "Stimmgabel", sie war das "Maß aller Dinge" für das gesamte Kaiserreich. Diese Verehrung und das Hervorheben der Glocke findet man in vielen Kulturen und Religionen wieder. In den Ländern des Christentums wurde die Glocke zum Symbol der Harmonie.

Im 6. Jahrhundert hielten die Glocken im Christentum ihren Einzug. Als hörbare Verbindung zwischen Gott und Gläubigem wurde die Glocke als Rufer zum Gebet. Papst Sabian (604-606) verfügte, dass die Gebetszeiten der Mönche auch auf die Christenheit außerhalb der Klostermauern übertragen werden sollte.

Jedes Gebet wurde mit dem Läuten der Glocken eingeleitet. Man betete morgens (Auferstehung Jesu), mittags (Menschwerdung Jesu) und abends (Leiden und Sterben Jesu). Die Bevölkerung machte aus den drei Gebetszeiten und dem Läuten ganz praktische Bedeutungen: morgens das Aufstehen, mittags die Mittagspause und abends das Ruhen der Arbeit. Das Läuten war daher gleichzeitig der Zeitansager, erklärte Schmitt.

Karl der Große verhalf den Glocken zu einem beispiellosen Siegeszug durch Europa. Neue Aufgaben für das Läuten der Glocke kamen hinzu: Taufglocke, Vaterunserglocke, Todesglocke, Hochzeitsglocke. Im Mittelalter dienten Glocken auch als Sturm-, Pest- oder Feuerglocke und sie riefen zur öffentlichen Gerichtsverhandlung.

Im Weltkrieg eingeschmolzen.

Glocken dienten nicht nur dem Frieden, sondern sie waren auch das Erz für Gewalt in Kriegen: Im Zweiten Weltkrieg landeten 50 000 deutsche Kirchenglocken auf den Glockenfriedhöfen.

Viele Töne bilden den Klang einer Glocke, sie bilden die "Seele", die Klangfarbe, erklärte Schmitt. Seit 1951 gibt es Qualitätskriterien zur Herstellung von Glocken. Die ersten Glockengießer in Europa waren Mönche.

Um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert feierte die Gießkunst Einzug in das städtische Handwerk. Darüber hinaus besaß die Glocke eine Inschrift und eine Zier. Nach dem Guss bekam die Glocke einen Namen und wurde von der Kirchengemeinde geweiht.

Neben den zahlreichen Kirchenglocken gibt es eine große Vielzahl profaner Glocken. Zum Schluss seines Vortrages hielt Schmitt fest: "Mit dem Verstummen der Glocken verschwinden vielerorts auf der Erde die menschliche Würde, die Menschenrechte und die Menschlichkeit und der christliche Glaube."

Am Sonntag, 19. April, um 18 Uhr gibt es einen weiteren Vortrag mit dem Schwerpunkt "Glocken der Kirche Veitsberg-Saasen. FOTO: MSR

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