Bürgerinitiative formiert sich

  • vonConstantin Hoppe
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Reiskirchen (con). Der Aufstellungsbeschluss für eine Bauleitplanung für das Gewerbegebiet »Holzweg-Stirn« in Ettingshausen hat im Dorf für reichlich Wirbel gesorgt. Am Samstag trafen sich Gegner der Erweiterung zu einer ersten Versammlung.

Bereits in der letzten Sitzung der Reiskirchener Gemeindevertretung waren viele Ettingshäuser anwesend, um ihren Bedenken gegenüber den Planungen Gehör zu verschaffen.

Problematik Freibad

Damals noch umsonst, denn mit einem Mehrheitsbeschluss wurde der Aufstellung statt gegeben. Deshalb haben sich vor allem besorgte Anwohner zu der Bürgerinitiative »Lebenswertes Ettingshausen« zusammengeschlossen, Initiatoren sind Frank Burkhardt, Andrea Wild und Mike Löffler. Dann wurde eine öffentliche Informationsveranstaltung am 6. März kurzfristig aufgelöst - es gab keine coronabedingte Erlaubnis. Und auch eine Woche später, am vergangenen Samstag, konnte die Veranstaltung nicht vor Ort angeboten werden, sondern musste als Online-Meeting stattfinden - was die Initiatoren aber nicht daran hinderte, ihre Anliegen zu vertreten.

Auf dem Areal will die Federnfabrik Subtil GmbH erweitern, zudem soll Platz für weitere Gewerbebetriebe geschaffen werden. Ein Teil des geplanten Gebiets wird im Regionalplan Mittelhessen überwiegend als Vorranggebiet Industrie und Gewerbe (Bestand) dargestellt, die südlich und nördlich angrenzenden Flächen jedoch als Vorranggebiet Landwirtschaft.

Die größte Befürchtung der BI-Mitglieder betrifft die Größe der geplanten Erweiterung: »Der Bebauungsplan für 70 000 Quadratmeter Fläche soll geändert, weitere 100 000 Quadratmeter aufgenommen werden - vor allem landwirtschaftliche Fläche«, sagte Thomas Simasek, der das Online-Treffen moderierte und die BI vorstellte. »Laufen Sie diese Fläche mal ab - da werden Sie merken, wie groß sie ist.« Und durch Bauarbeiten, Neuansiedlungen und Firmenvergrößerungen sei auch mit zunehmendem Lkw-Verkehr zu rechnen, der voraussichtlich über den Holzweg und die umliegenden Ortschaften geleitet werden müsste.

»Der Holzweg ist nicht für den Schwerlastverkehr geeignet«, meinte Simasek. Der Verkehr müsste auch am Freibad vorbei, dort sei im Sommer die Parksituation bereits sehr angespannt und viele Fußgänger wollen die Straße kreuzen.

Der größte Kritikpunkt der Bürgerinitiative ist die Informationslage, dass man von den Plänen erst kurz vor dem Aufstellungsbeschluss der Gemeindevertretung aus der Zeitung erfahren habe. »Bis heute haben wir auch nichts vom Geschäftsführer der Subtil GmbH gehört - das verstehen wir nicht unter Offenheit und Transparenz.«

Bürger am Verfahren beteiligen

Den Abschluss des Treffens machten zwei Stimmen aus der Politik, die sich im Parlament gegen das Projekt gestellt hatten: Reinhard Strack-Schmalor (SPD) und Renz Bernd Hornischer (Grüne) stellten die Sicht ihrer Fraktionen dar. »Ortsansässige Gewerbegebiete sollen vor Ort Vergrößerungsflächen haben, aber es fehlen hier noch zu viele Informationen. Die vorgesehene Fläche ist vollkommen unerklärlich«, sagte Strack-Schmalor. »Es sollte eine sinnvolle Bürgerbeteiligung geben.«

Nach der Kommunalwahl liegt es an der neu zusammengesetzten Gemeindevertretung, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen. Denn der Aufstellungsbeschluss bedeutet nur den ersten Schritt, der Dinge wie die Erstellung eines faunistischen Gutachtens ermöglicht. Ob das Gewerbegebiet tatsächlich erweitert wird, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

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