Angeklagte: »Du leidest, so lange Du lebst!«

Gießen/Reiskirchen (ti). »Jeder von uns kann Nein sagen, Sie haben es nicht getan!« Deutliche Worte gebrauchte Richterin Antje Kaufmann am Montag in einem Prozess am Gießener Amtsgericht, um einer 44-jährigen Angeklagten klar zu machen, dass deren Verhalten im Dezember vergangenen Jahres in Reiskirchen absolut inakzeptabel gewesen war. Die Fernwalderin musste sich wegen Bedrohung und Beleidigung verantworten.

Gießen/Reiskirchen (ti). »Jeder von uns kann Nein sagen, Sie haben es nicht getan!« Deutliche Worte gebrauchte Richterin Antje Kaufmann am Montag in einem Prozess am Gießener Amtsgericht, um einer 44-jährigen Angeklagten klar zu machen, dass deren Verhalten im Dezember vergangenen Jahres in Reiskirchen absolut inakzeptabel gewesen war. Die Fernwalderin musste sich wegen Bedrohung und Beleidigung verantworten. Gegen eine Strafbefehl in Höhe von 1600 Euro hatte sie Einspruch eingelegt. Immerhin: Auf Grund ihres schweren Schicksals sah die Richterin von einer höheren Bestrafung ab, obwohl es in ihren Augen gerechtfertigt gewesen wäre. 800 Euro muss die Frau nun zahlen.

Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Oberamtsanwalt Otto Linscheid, hatte der Rentnerin vorgeworfen, nach einer Affäre ihrem Verflossenen am 11. und 14. Dezember 2008 in Reiskirchen in drei Fällen beleidigt und einmal sogar bedroht zu haben. »Hallo Bayernschwänzchen, zieh’ Dich warm an. Ich bin gleich da«, soll sie ihm ebenso auf die Mobilbox gesprochen haben wie die Sätze: »Du leidest, so lange Du lebst. Du kriegst ein Messer ins Herz!« Ähnlich hässliche Worte schrieb sie drei Tage später auf einen Zettel, den sie dem Mann an seinem Wagen hinterließ.

Die Angeklagte räumte die Vorwürfe ein. Sie habe damals eine schwere Zeit gehabt und viel Alkohol getrunken. Sie sprach von einer Krebserkrankung samt Strahlentherapie und mehreren Hüftoperationen. Den Beleidigten und Bedrohten, der im Prozess als Nebenkläger auftrat, hatte sie 2006 bei einer Silvesterfeier kennen gelernt. Danach habe er ständig bei ihr angerufen, »mich gedrängt, mit ihm Kaffeetrinken zu gehen«. Immer wieder habe er sie kontaktiert, »bis ich nicht mehr konnte«. Später erfuhr die 44-Jährige, dass sie nicht die einzige Frau gewesen war. Heute mache sie eine Intensivtherapie, und selbst ihre Psychologin meine, »er hat mich seelisch und körperlich missbraucht«.

Für Staatsanwaltschaft und Gericht aber noch lange kein Grund für derlei Reaktionen. »Es tut mir Leid, was Sie da durchgemacht haben, aber das ist natürlich keine Entschuldigung«, meinte die Richterin. »Nett ist das nicht, was er da lesen musste.« Zudem laufe bereits ein weiteres Verfahren gegen die Angeklagte wegen Sachbeschädigung. Wieder soll ihr Ehemaliger der Geschädigte sein. In Linscheids Augen hätte einfach »irgendwann einmal Schluss sein müssen«, aber die Rentnerin habe weiter gemacht und müsse sich nun dafür verantworten.

Er beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro (40 Tagessätze zu 20 Euro) und sprach von einer »Gnadenentscheidung«. Rechtsanwalt Axel Weber forderte eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Die Äußerungen seiner Mandantin seien nur »symbolisch zu verstehen« und keine wirkliche Bedrohung für den Adressaten gewesen. Die Angeklagte, eine »ganz anständige Bürgerin«, sei eine »benutzte, weggeworfene Frau, die heute noch darunter leidet, was passiert ist«.

Doch laut Richterin »toleriert weder das Opfer noch die Rechtslage« solche »Auswüchse«. Sie könne es nicht nachvollziehen, dass die Angeklagte einerseits davon spreche, sich gedrängt gefühlt zu haben, andererseits aber nicht von ihrem Opfer lassen konnte. Sie mache den Eindruck einer »gekränkten Verlassenen«, die mit einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro »gut fahre«.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare