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Gefällt: Die alten, großen Bäume am ehemaligen Sportplatz in Reiskirchen gibt es nicht mehr. "Wegen der Verkehrssicherheit mussten sie weichen", sagt der Bürgermeister. FOTO: PM

Kahlschlag

Ärger um gefällte Bäume in Reiskirchen

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Die meterhohen Bäume, die früher den Reiskirchener Sportplatz von der Jahnstraße trennten, sind weg - gefällt von einem Tag auf den anderen. Anwohner üben Kritik.

Sie ist mit ihnen alt geworden. Die meterhohen Bäume, die früher den Reiskirchener Sportplatz von der Jahnstraße trennten, hat Christa Stock von ihrem Elternhaus schräg gegenüber quasi zu prächtigen Pflanzen heranwachsen sehen. Jetzt sind sie weg, gefällt von einem Tag auf den anderen.

"Fassungslos" sei sie gewesen, als ihre Tochter, die heute dort wohnt, ihr vor drei Wochen davon erzählte. Zum einen, weil das Fällen zwischen Anfang März und Ende September verboten sei. Zum anderen, weil man im Zuge der Bauleitplanung - wo früher gekickt wurde, stehen heute Häuser - seitens der politisch Verantwortlichen den Erhalt des Grünstreifens versprochen habe, so Stock.

Gemeinde sieht sich in der Pflicht

Beides ist richtig, wie Bürgermeister Dietmar Kromm auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung erklärt. "Die Grünanlage ist im Bebauungsplan zum Erhalt festgesetzt", sagt der Rathauschef. Einzelne Bäume betreffe das allerdings nicht. Die Fällung sei notwendig geworden, weil die Pflanzen "in teilweise umfänglichen Maß Tothölzer" aufgewiesen hätten, so Kromm. "Hierdurch war die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde gefährdet."

Fällarbeiten später als geplant

Was den Zeitpunkt angeht, hätte die Fällung eigentlich schon früher erfolgen sollen. "Aufgrund der Wetterlage - Wind und Nässe -, war die Durchführung zu einem früheren Zeitpunkt aber leider nicht möglich", sagt der Bürgermeister. Und weiter: "Fällarbeiten, die zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherungspflicht notwendig sind, dürfen das ganze Jahr über durchgeführt werden."

Vögel verlieren ihr Zuhause

Besänftigen können diese Aussagen Christa Stock nicht. Für sie ist die "grüne Lunge" des Quartiers vernichtet worden, außerdem der Lebensraum verschiedener Vögel. Zwei Turmfalken seien nach der Fällung auf der Suche nach ihren Bäumen verzweifelt umherflogen, berichtet eine Anwohnerin. Ein großer Rotmilan, der seit einem guten Monate in einem der Bäume beheimatet gewesen sei, habe sein Zuhause verloren.

Stock: "Nur ein äußerst rücksichtsloses Verhalten gegen Mensch, Tier, Flora und Fauna kann man dem Auftraggeber für die Baumfällaktion attestieren."

Neupflanzung noch offfen

Die Seniorin erwartet von der Gemeinde, dass diese dort für neue Pflanzen sorgt und zwar für große. Ob das geschehen wird, ist fraglich. Wie Kromm erklärt, stehe zunächst das Entfernen des Wurzelwerks an. "Dann werden wir uns die Bereiche anschauen und entscheiden, ob es neue Anpflanzungen geben wird oder nicht. Bäume werden wir vermutlich keine mehr setzen."

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