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Paletten mit Dosen statt Wäschekörbe: In der alten Laubacher Wäscherei wird heute der Nitro-Coffee der Firma "Faustcatcher" gebraut. Roman Schönfeld hält die Stellung, sein Bruder und Mitgründer Dieter Bender lebt derzeit in den USA. 

Trendpotenzial

Mehr als kalter Kaffee: Reiskirchener Brüder brauen Nitro-Coffee

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Pulver und Aufputschmittel kommen ihnen nicht in die Dose: Roman Schönfeld und Dieter Bender wollen die Fitness-Branche revolutionieren - mit Stickstoff versetztem Kaffee aus der Dose.

Jede Geschichte hat irgendwo ihren Anfang. Selbst heutige Weltkonzerne haben einmal klein begonnen - in Garagen beispielsweise oder in Studentenwohnheimen. "Und wir sind die zwei Jungs, die eine alte Wäscherei gekauft haben", sagt Roman Schönfeld und lacht. "Herzlich willkommen in unserer Zentrale."

Der 33-Jährige öffnet eine schwere Türe. Auf den ersten Blick zu sehen: Dosen - viele Dosen. Schönfeld grinst: "So etwa 200 000 würde ich schätzen." Statt Körben voller sauberer Wäsche verlassen das Laubacher Gebäude aus den 70ern heute Paletten mit Nitro-Getränken der Marke "Faustcatcher".

Faustcatcher: Anfänge im CrossFit

"Wir wollten immer etwas eigenes machen", sagt Schönfeld. Vor etwa vier Jahren ließen er und sein Bruder Dieter Bender (36) diesen Traum Wirklichkeit werden. Die Idee dazu kam mit einer Trendsport-Welle aus den USA. "Mein Bruder schreibt dort an seiner Doktorarbeit", erzählt Schönfeld. Als dieser festgestellt habe, dass "CrossFit" - eine Fitnesstrainingmethode und Wettkampfsport zugleich - immer beliebter wurde und auch in Deutschland Anklang fand, sei schnell eines klar gewesen: "Auf diesen Zug müssen wir aufspringen."

In einem Online-Shop stellten die Brüder den Athleten alles rund um den Sport zur Verfügung: Kalk zum Gewichtheben, Bandagen, Springseile und mehr. "Irgendwann ging es an das Thema Ernährung", sagt Schönfeld. Wer viel Sport betreibt, greife früher oder später auf Proteinshakes, Energydrinks oder ähnliches zurück.

Reiskirchen: "Wie kalter Kaffe?"

"Das meiste davon putscht mit künstlichem Koffein auf", sagt er, "wir haben festgestellt, dass es für Sportler eigentlich keine natürlichen Drinks gibt. Da haben wir uns gedacht: Warum machen wir nicht etwas mit echtem Kaffee?"

Die einstige Vision hält er heute in den Händen: "Es gab aber Zeiten, da mussten wir uns stark für dieses Produkt rechtfertigen", erzählt der Reiskirchener. "Wie, ihr macht kalten Kaffee?", sei eine der skeptischen Fragen gewesen. "Es ist nicht nur kalter Kaffee", sagt Schönfeld, "es ist viel mehr. Es ist ein Lifestyle-Produkt." Begleitet von einem typischen Zischen zieht er an der Öse der "Faustcatcher"-Dose, schenkt den Nitro-Kaffee in ein Glas und lehnt sich zufrieden zurück. Langsam bildet sich ein feiner Schaum auf der Oberfläche des Getränks.

Laubach: Stickstoff für die Crema

Nitro ist vom englischen Nitrogen abgeleitet und bedeutet Stickstoff. Wer schon einmal in einem Irish Pub war, kennt ein ganz spezielles Nitro-Getränk mit Sicherheit: Das Guiness Bier. Auch das wird mit Stickstoff versetzt. Das Gas macht den Schaum cremiger und länger haltbar. Was mit Bier funktioniert, muss auch mit Kaffee klappen - das dachten sich damals zumindest die Brüder. Einziger Haken: "Stickstoff kann man nicht so einfach im Supermarkt kaufen", sagt Schönfeld und lacht.

Hilfe habe das Start-up von der TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mit Sitz in Gießen bekommen. "Von dort haben wir nicht nur den Stickstoff, sondern auch das nötige Know-how", sagt Schönfeld, denn Stickstoff sei äußerst schwer zu dosieren. Angefangen habe dann alles mit einer kleinen Zapfanlage. Damit war das Team auf Sport-Meisterschaften im ganzen Land. "Das Problem war nur, dass die Sportler den Kaffee nicht mitnehmen konnten."

Laubach: 2000 Dosen die Stunde

Den Nitro-Coffee in Dosen zu bekommen, das war die knifflige Aufgabe, die die Brüder zwei Jahre Tüftelei kosten sollte. "Uns sind am Anfang ziemlich viele Dosen explodiert", sagt der 33-Jährige. Mittlerweile haben sich sowohl Zubereitung als auch Abfüllung eingependelt. Zwei bis drei Tage in der Woche produzieren sie, bis zu 2000 Dosen können in einer Stunde befüllt werden.

Neben dem reinen Kaffee gibt es noch eine Mocca-Variante mit Hafermilch sowie Kombucha, ein frementiertes Tee-Getränk. Alle drei Getränke bilden den gleichen feinen Schaum: "Der Stickstoff macht den Kaffee besser und weicher. Er sorgt für ein cremiges Mundgefühl und auch auf dem kalten Kaffee für eine Crema", sagt Schönfeld.

Faustcatcher: Bald bei Rewe

Für die Getränke hat "Faustcatcher" auch eine Bio-Zertifizierung. "Uns war es wichtig, auch auf Nachhaltigkeit und Regionalität zu achten." In gut zwei Wochen soll es die Dosen zunächst in den regionalen Rewe-Märkten geben. "Wir peilen aber irgendwann auch den überregionalen Markt an", sagt Schönfeld.

Aktuell brauen die Brüder einen Hektoliter am Tag - bei der Firma Licher ist es weit über eine Million pro Jahr, wenn auch Bier. "Wer weiß, wo es mit uns mal hingeht", sagt Schönfeld und lacht, "die waren am Anfang auch nur zu zweit."

Info: Faustcatcher - Der Markenname

Das Logo der Firma "Faustcatcher" zeigt einen Hund - "mein Bruder hat das Logo gezeichnet", sagt Roman Schönfeld. "Sein Hund heißt Faust." Schönfelds Bruder, Dieter Bender, wohnt derzeit in den USA, dort, wo einst in den 80ern die "Foxcatcher Farm" stationiert war, ein Trainingszentrum für Ringer. "Außerdem steht ›to catch‹ irgendwie gleichzeitig für einstecken und austeilen", sagt Schönfeld, "in Kombination mit ›Faust‹ fanden wird das sehr passend für eine Sportmarke."

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