Erhöhtes Risiko für einen Waldbrand: Kahlfläche vor der Kulisse toter Fichten. FOTO:TB
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Erhöhtes Risiko für einen Waldbrand: Kahlfläche vor der Kulisse toter Fichten. FOTO:TB

Waldbrandgefahr

Regen fehlt: Forstamt Wettenberg warnt vor Waldbrandgefahr

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Nach Wochen fast ohne Regen gilt in Hessen die erste von zwei Waldbrandalarmstufen. Forstämter überwachen nun verstärkt gefährdete Bereiche.

Am vorvergangenen Samstag ging ein Starkregen über dem Kreis Gießen nieder, füllte Zisternen und Wasserfässer. Aus Sicht der Land- und Forstwirte freilich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die Jahreszeit zu hohe Temperaturen, fast keine Niederschläge und ein frischer Wind haben die guten Startbedingungen dank des regenreichen Winters wieder zunichte gemacht.

Anempfohlen sei dafür ein Blick auf den "Dürremonitor" des Helmholtz-Instituts: Im Zeitraffer ist dort zu sehen, wie sich immer mehr Flächen rot einfärben, das für Pflanzen verfügbare Wasser versiegt, die Brandgefahr steigt. Dass es in Mittelhessen noch vergleichsweise gut aussieht, ist da nur ein schwacher Trost. Und die aktuellen Schauer? Laut den Experten ändern diese ob der ausgetrockneten Böden nichts an der anhaltenden Waldbrandgefahr.

Für das Forstamt Wettenberg ist in Zeiten der hessenweit ersten Alarmstufe A Dauerdienstbereitschaft angesagt. "Besonders gefährdete Flächen" sind fortan besonders im Auge zu behalten, wie Behördenchef Ralf Jäkel im GAZ-Gespräch erklärt.

Wo befinden sich im Landkreis Gießen jene besonders anfälligen Bereiche, was macht sie dazu? Jäkel verweist zunächst auf die bekannten klimatischen Parameter, die hohen Temperaturen, die Trockenheit im März und vor allem im April. Und er macht auf ein Phänomen aufmerksam, das beim Blick auf die recht guten Niederschlagswerte im Winter oft vergessen wird: "Es gab Regen, aber viel zu wenig Schnee." Der aber sei wichtig, da er beim langsamen Tauen den Boden gleichmäßig durchfeuchte. Anders der Regen: "Der steht oberflächennah an, um dann in einem Rutsch durch den trockenen Boden durchzusacken." Wie bei dem Blumentopf, der lange nicht gegossen wurde.

Was nun die Bestände mit einem erhöhten Brandrisiko angeht, verweist er auf Waldgesellschaften mit "Licht-baumarten". Lärche oder Kiefer etwa, die - anders als bei der Buche der Fall - eher freigestellt werden müssen, sollen sie gute Wachstumsbedingungen erhalten. Weniger beschattet, trocknet der Boden mit leicht brennbarem Material - Gras, Laub, Nadeln - schneller ab. Zu dieser Spezies zählen etwa Kiefernwälder, wie sie in Gießen, Linden oder Buseck zu finden sind.

Meist handelt es sich dabei auch noch um niedrigere Lagen mit erhöhtem Risiko. Besser sieht es Jäkel zufolge im Ostkreis aus, an den Ausläufern des Vogelsbergs: "In höheren Lagen wie Grünberg ist das Niederschlagsdefizit geringer." Und ebenso die Besucherfrequenz. Dass bei der Einschätzung der Waldbrandgefahr der Faktor Mensch eine entscheidende Rolle spielt, das unterstreicht der Forstamtschef. Feuer entstünden, mal abgesehen von Blitzen, eben durchweg aus Unachtsamkeit. Eine weggeworfene Kippe, ein Funke von einem Grillplatz, das genüge in diesen Zeiten. Und was ist mit der Theorie von der Glasscherbe, die zum Brennglas wird? Für Jäkel ein Ammenmärchen. Dazu müsste der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen schon über längere Zeit stabil sein (für die nächsten fünf Milliarden Jahre hoffentlich auszuschließen, die Red.).

Wie steht es mit vorbeugenden Maßnahmen? Schon seit Langem setze das Forstamt diese um. Stünden Nachpflanzungen an, durchmische man die Bestände mit "schwerer brennbaren Laubbaum-Arten".

Ob das jedoch viel bringt? Nach den langen Trockenperioden der letzten Jahre ist der Wald angeschlagen. Vielerorts finden sich geschädigte oder gar tote Bestände, Kahlflächen mit großen Mengen leicht entflammbaren Materials, ausgedörrte Kronen, Äste, Reisig. Nach Wochen ohne nennenswerten Regen steigt da die Gefahr täglich.

Keine Überraschung also: Der Klimawandel erhöht das Brandrisiko. Intakte Waldgesellschaften, erläutert Jäkel, wiesen ein kühleres Innenklima, eine höhere Bodenfeuchte auf. "Ein geschlossener Mantel, der in der Lage ist, extreme Wetterlagen zu puffern." Dieser Mantel aber, um im Bild zu bleiben, ist vielerorts zerschlissen.

Wie eingangs erwähnt, wird für Südhessen eine erhebliche größere Brandgefahr ausgewiesen. Für den Wettenberger Amtsleiter nichts Neues: "Die ersten zehn Jahre meiner beruflichen Karriere war ich in Darmstadt, da hatten wir regelmäßig Waldbrände." Hierzulande habe man bisher nur mit kleineren Ereignissen, vor allem in Linden und Gießen, zu tun bekommen.

Auf dass es so bleibt, braucht es auch im Gießener Land nicht nur vereinzelte Schauer, sondern einen Landregen über eine längere Periode hinweg.

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