+
Ob auf den Gleisen im Lumdatal in einigen Jahren wieder Züge fahren, ist nach wie vor fraglich. FOTO: JWR

Diskussion in Allendorf

Reaktivierung der Lumdatalbahn: Aktivisten machen Druck

  • schließen

Wann gibt es neue Zahlen zur Lumdatalbahn? Und wann kommt endlich ein klares Signal? Bei einer Diskussionsveranstaltung in Allendorf wurde zur möglichen Strecken-Reaktivierung nachgehakt.

Klamme kommunale Kassen, aussterbendes Gewerbe in den Ortskernen, mangelnde öffentliche Infrastruktur: Zahlreiche Punkte, an denen der Schuh im Lumdatal aus Sicht vieler drückt, sind am Freitag im Allendorfer Bürgerhaus zur Sprache gekommen. Der Verein Lumdatalbahn hatte zu einer Podiumsdiskussion mit Moderator Klaus Pradella eingeladen. Der Saal war voll besetzt, im Publikum drängten sich Interessierte und Kommunalpolitiker vor allem aus Allendorf (Lumda), Rabenau und Staufenberg. Auf der Bühne saßen neben Landrätin Anita Schneider unter anderem zwei Bundestagsabgeordnete.

Mehrfach wurden in der Diskussion mangelnde Spielräume der Kommunen beklagt. Es bedürfe einer besseren finanziellen Ausstattung, um Daseinvorsorge betreiben zu können - von Radwegen und attraktivem ÖPNV bis zu Gewerbeansiedlungen. Kommunen müssten enger kooperieren, damit sich das Lumdatal dynamisch entwickeln könne, hieß es unter anderem.

Mit Spannung wurde erwartet, wie der neueste Stand zur möglichen Lumdatalbahn-Reaktivierung ist. Aus Wiesbaden war Frank Sachs, Referent für Schieneninfrastruktur im Hessischen Wirtschaftsministerium, gekommen - allerdings ohne substanzielle Neuigkeiten.

Das Land warte zurzeit auf die Novelle des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes auf Bundesebene, sagte er. Erst dann könne Hessen das Projekt beim Bund anmelden. Möglich sei damit eine Förderung von bis zu 90 Prozent. Bislang hatte im Raum gestanden, dass das Land bis zu 85 Prozent der Reaktivierungskosten übernehmen könnte. Im Auftrag des RMV laufe zurzeit die Vorplanung. Die Suche nach einem Planungsbüro gestaltete sich offenbar schwierig. Sachs rechnet mit einem Ergebnis im März oder April, "dann wird man wissen, was es kostet". Letztlich entscheidend sei aber, "was der Landkreis und die Kommunen tun".

Auch beim Landkreis befindet man sich in Wartestellung - und die Landrätin spielte den Ball zurück: "Der Kreistag hat gesagt: Ja, wir wollen. Aber wir müssen wissen, was es kostet." Nun sei das Land gefordert, das in Aussicht gestellte neue Prüfverfahren auf den Weg zu bringen. Damit sollen kleinere ÖPNV-Projekte wie die Lumdatalbahn bewertet werden. Sollte es nicht kommen, sei fraglich, ob bei steigenden Kosten die Förderfähigkeit noch gegeben sei. "Wir müssen jetzt wissen: Geht das Land mit oder nicht?", sagte Schneider. Erst dann könne der Kreistag entscheiden, ob die weitere Planung eingeleitet wird. Bislang wurden die Kosten auf rund elf Millionen Euro beziffert. Fraglich ist, ob und inwieweit diese Summe nun nach oben korrigiert wird.

"Der hessische Wirtschaftsminister kann und will nicht mehr kneifen", machte der Linken-Bundestagsabgeordnete Jörg Cezanne den Aktivisten Mut. Aus dem Publikum wurde mehrmals geäußert, es müsse nun schnell gehen. Zu viel Zeit sei vergangen, 2025 als Jahr der Reaktivierung zu spät. "In meinen Augen ist das schon auf der Zielgeraden", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol. Doch man müsse realistisch bleiben. "Wenn das schon 2025 kommt, ist das wirklich gut".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare