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Die Nachwuchsreporter mit Abdul M. Kunze auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Ein Raum voller Träume und Fantasie

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Ein großer Mann, ganz in Schwarz gekleidet, kommt aus der Seitentür des Gebäudes. Es ist Herr Kunze, der die Klasse 4a der Grundschule Homberg-Ohm abholt, um mit ihr einen Rundgang hinter die Kulissen des Stadttheaters Gießen zu unternehmen und sie mitzunehmen in die bezaubernde Theaterwelt.

Unzählige Fotos an den Wänden, eine blau glitzernde Decke, von der allerhand herunterhängt, Puppen, Tiere und andere Requisiten - das erwartet jenen, der das Büro von Herrn Kunze betritt. Hier werden Bühnenbilder in Miniaturausgabe entworfen, Kostüme gemalt und Requisiten ausgedacht. Fasziniert blicken sich 18 Kinderaugenpaare um - überall gibt es etwas zu entdecken.

Herr Kunze, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, führt die Kinder anhand der Gebäudefassade durch die Geschichte des Stadttheaters. Dieses wurde 1907 durch Spenden von Gießener Bürgern erbaut: ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns. Damals durften sich aber nur die vornehmen Leute auf die besten Plätze setzen und den Haupteingang benutzen. Ärmere Bürger mussten den Seiteneingang nehmen.

Das Theater wurde, wie viele andere Gebäude in Gießen leider auch, durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Allerdings war das Glück im Unglück: "nur" der Theatersaal mit seinen 620 Sitzplätzen wurde zerstört und brannte völlig aus.

Besonders beeindruckt sind die Kinder von den reichlichen Verzierungen an der Decke und den Seitenwänden des Foyers, die mit echtem Blattgold belegt sind, und davon, dass es im gesamten Theater über 9000 Lichtquellen gibt.

Im Theater arbeiten ca. 250 Personen in 50 verschiedenen Berufen. Zwölf dieser Berufe gibt es nur am Theater. Die meisten davon sind Schauspieler, aber es gibt auch Gewandschneider, Regisseure, Tänzer, Techniker für Licht und Ton, Souffleure, Schreiner, Sekretärinnen, Garderobieren und viele andere Berufe. Die Intendantin als Chefin des Theaters sucht mit ihren Kollegen pro Jahr an die 50 Stücke aus und überlegt, welcher Schauspieler für welche Rolle am besten geeignet ist.

Jetzt beginnt die harte Arbeit! Von der ersten Probe bis zur Aufführung vergehen sechs Wochen. Alle Schauspieler proben an sechs Tagen in der Woche jeweils von 10-14 und von 18-22 Uhr. Zwischendurch werden Texte gelernt, denn allein ein Theaterstück umfasst zwischen 50 und 150 Seiten Text. Ein Schauspieler hat bis zu sieben verschiedene Rollen pro Jahr.

70 000 Kostüme im Fundus

Alle Kostüme werden von Gewandschneiderinnen und -schneidern genäht. Die Ideen, die die Mitarbeiter zuvor von den Kostümen, den Requisiten oder dem Bühnenbild im Kopf haben, müssen auf Papier gebracht und dann genäht, gebaut oder angefertigt werden. Mittlerweile gibt es über 70 000 Kostüme im Fundus.

Zum Abschluss erzählt Herr Kunze mithilfe der Handpuppe eines Löwen den kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern aus Homberg die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte.

"Alles, was wir tun, soll dazu beitragen, die Geschichten zu erzählen", so Herr Kunze, denn "die Schauspieler sind Geschichtenerzähler und Menschenspieler. Hier im Theater haben wir lebendige Menschen vor uns."

Sicherlich ist das auch ein Grund, warum das Stadttheater mit 120 000 Besuchern pro Jahr so beliebt ist.

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