Raub, Einbruch, Beleidigung, Bedrohung

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Gießen/Grünberg (se). Seit rund vier Jahren befindet sich ein 19-jähriger Syrer in Deutschland. In den vergangenen Monaten des Aufenthaltes hat er zu verstehen gegeben, dass ihm die deutsche Rechtsordnung - zumindest in Teilen - gleichgültig ist. Auf der Anklagebank sitzt der in Harbach wohnende junge Mann, weil er nach den Angaben von Staatsanwalt Mike Hahn seit Ende letzten Jahres eine Reihe von Straftaten begangen hat, deren Schwere eine Untersuchungshaft offensichtlich ratsam erscheinen lassen.

Der Syrer, der die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht, bediente sich auch der Hilfe eines Dolmetschers, um das von Richterin Maddalena Fouladfar geleitete Verfahren vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Gießen zu verfolgen. Insgesamt sechs Straftaten werden dem Mann vorgeworfen.

So soll er am 4. September dieses Jahres einen Lebensmittelmarkt in der Watzenborn-Steinberger Wilhelmstraße überfallen haben, um die Kasse zu entwenden. Es war ein Überfall im zweiten Versuch. Den ersten hatte er abgebrochen, weil sich eine Kundin in dem Geschäft befand. Sechs Minuten später aber schlug er dann zu. Er bedrohte den Verkäufer mit einem Brotmesser, dessen Klinge rund 30 Zentimeter lang ist, schnappte sich die Kasse und verschwand. In der Kasse befanden sich rund 800 Euro, wie der Verkäufer berichtete.

Zunächst hatte der Angeklagte Probleme, die Geldkassette zu öffnen, doch als er diese in seinem Versteck in Watzenborn wieder ans Stromnetz anschloss, klappte es doch. Der junge Mann versteckte seine Utensilien, darunter den Schal und die Baseballkappe, die ihm zur Maskierung dienten, schnappte sich das Geld und eine Freundin, fuhr dann nach Frankfurt, um einzukaufen und "Party zu machen".

Vor dem Überfall hatte der Angeklagte eigenen Angaben zufolge eine Flasche Wodka getrunken und etwas Speed konsumiert. Diese Tat räumte der junge Mann ein, nicht aber den Spirituosen-Diebstahl ein paar Wochen später in einem Garbenteicher Supermarkt, obwohl eine Verkäuferin ihn wiedererkannt hatte.

Doch der 19-Jährige hat noch weit mehr auf dem Kerbholz: Ein paar Monate zuvor war er in eine Garbenteicher Tankstelle eingebrochen; mit einem Stein hatte er am 1. Juli gegen 21.40 Uhr die Glasscheibe der Eingangstür eingeworfen und Tabakwaren im Wert von rund 440 Euro entwendet. Der an der Tür angerichtete Schaden beträgt ebenfalls mehrere Hundert Euro.

Flegelhaft verhalten

Diese Tat gab er ebenso zu wie die Nötigung und Bedrohung einer Frau, die als Zeugin in einem Strafverfahren gegen einen Freund aussagen sollte. So soll er der Frau eine Nachricht geschrieben haben, sie habe gefälligst wohlwollend auszusagen. "Willst du sterben?" und "Mit mir macht man keinen Spaß!", teilte er der Frau mit. Hier zeigte sich der Angeklagte ebenfalls geständig, nicht aber bei den weiteren Tatvorwürfen.

Gleich zwei Straftatbestände (Bedrohung, Beleidigung) verwirklichte der 19-Jährige laut Anklage, als er einem ihm bekannten Polizisten begegnete und sich zu der Bemerkung hinreißen ließ: "Polizei, Hurensohn muss man abstechen." Auch den Einbruch bei einem Bekannten in Ettingshausen will er nicht begangen haben. Dabei soll er unter anderem 170 Euro und ein iPhone erbeutet haben.

Darüber hinaus hat sich der Angeklagte gegenüber den ermittelnden Polizisten despektierlich bis flegelhaft verhalten. Nur einmal, so einer der ermittelnden Beamten, sei der junge Mann ein bisschen ruhiger geworden, als ihm nämlich mitgeteilt wurde, welche Strafen ihn bei den zur Last gelegten Taten im Falle einer Verurteilung erwarten können.

Fortgesetzt wird das Verfahren vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Gießen am 26. November.

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