Ratlos am Kühlregal?

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Gießen (pm). Tierfreunde haben es beim Milcheinkauf nicht leicht: Bei einem Testkauf im hessischen Einzelhandel fanden die Ernährungsexpertinnen der Verbraucherzentrale Hessen bei acht konventionellen und sechs Bio-Produkten wohlklingende Begriffe oder Siegel, mit denen die Anbieter für traditionelle Haltung, natürliches Futter oder mehr Tierschutz werben. "Hinter welchen Versprechen gesetzliche Vorgaben stehen und welche eine reine Werbemasche sind, können Käuferinnen und Käufer am Kühlregal kaum beurteilen", meint Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen.

Laut der EU-Öko-Verordnung müssen Bio-Kühe "so oft als möglich Zugang zu Auslauf im Freien oder zu Weideflächen haben". Mindestzeiten sieht die Verordnung jedoch nicht vor. Im Stall steht jeder Kuh mehr Fläche zu als bei konventioneller Haltung. Das Futter muss aus ökologischem Anbau stammen, was weniger Dünger, Pestizide und Verzicht auf Gentechnik bedeutet. Den Futterbedarf sollen die Tierhalter über Grundfutter wie Gras, Silage und Heu decken und möglichst wenig Kraftfutter verwenden. Weiterhin ist die Medikamentengabe durch Tierärzte strenger reglementiert.

Der Begriff "Weidemilch" ist gesetzlich nicht definiert. Es existieren nur gerichtlich festgelegte Mindestvorgaben, die ein Anbieter einhalten muss, um Verbraucher nicht zu täuschen. An diese halten sich fünf der sechs untersuchten Anbieter und gewähren den Kühen an mindestens 120 Tagen für je sechs Stunden Weidegang. Unklar ist meist, wie die Haltungs- und Fütterungsbedingungen der Kühe im Winter aussehen.

Die Bezeichnung "Heumilch" ist EU-weit geschützt durch das EU-Zeichen "garantiert traditionelle Spezialität". Es garantiert Milch von Kühen, die statt Silage und Gärfutter ausschließlich frisches Grünlandfutter, Heu und Getreide erhalten. Verboten ist außerdem gentechnisch verändertes Futter. Diese Vorgaben zur Fütterung erläutern alle vier Anbieter, drei werben zusätzlich mit regionaler Herkunft der Milch.

Die vier Angebote, bei denen "Land" im Produknamen auftaucht, vermitteln über Abbildungen wie Wiesen, Milchkannen oder einen Holzstall ländliche Idylle. Wieso mit dem Begriff "Land", geworben wird, ist unklar und lässt eine reine Werbemasche vermuten. "Die zahlreichen Siegel, Hinweise und Abbildungen helfen bei der Suche nach einer Milch mit mehr Tierwohl eher nicht. Die Hinweise sollten sich deshalb auf wenige gesetzlich festgelegte Bezeichnungen und Label mit klaren Vorgaben analog dem Bio-Siegel oder den Standards für Heumilch beschränken", meint Franz.

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