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Das hat der Senf gemacht: Die leuchtend gelben Blüten des Kreuzblütlers prägen derzeit vielerorts das Landschaftsbild.

Blühende Landschaften im Herbst

Raps im Herbst? Gelbe Felder in Hessen werfen bei Laien Fragen auf

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"Ja, ist denn schon wieder Frühling?" So mag sich der Laie angesichts der blühenden Felder fragen. Nicht Raps aber blüht da.

Die Niederschläge der vergangenen Wochen haben der Natur gutgetan. Im Sommer auf abgeernteten Feldern ausgebracht, geht die Saat nun auf. Vor allem die hellgelben Blüten des Weißen Senfs sorgen für willkommene Farbtupfer an den oftmals trüben Herbsttagen.

Nur sehr selten aber werden die Samen des Kreuzblütlers zu Senf verarbeitet. Wie vom Fachdienst Landwirtschaft beim Lahn-Dill-Kreis zu erfahren, werden die Pflanzen hierzulande - das heißt in den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill - gerade mal auf 7,5 Hektar als Hauptfrucht angebaut. Verschwindend gering, angesichts einer Gesamtfläche von rund 60 000 Hektar. "Bei uns gibt es dafür keinen Markt", erklärt das Pflanzenbauexperte Herbert Becker vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).

Wohl aber wird der Weiße Senf recht häufig als Zwischenfrucht zur Bodenverbesserung angebaut. "Das ist bei uns die günstigste Variante", erklärt Becker die recht hohe Verbreitung. Auch hier kommen natürlich Grundsätze der Fruchtfolge zum Tragen: Wo zum Beispiel Raps angebaut wird, kommt Senf nicht infrage. Da beide zur gleichen Pflanzengattung gehörten, sagt Becker, würde andernfalls eine Ausbreitung von Krankheiten befördert.

Gelbe Felder: Senf Zwischenfrucht mit Mehrfachnutzen

Auch wenn der Weiße Senf durch seine auffälligen Blüten in diesen Wochen das Landschaftsbild prägt, gedeihen auf Böden hierzulande doch auch andere Sorten mit gleicher Zweckbestimmung. Weißklee, Phacelia, Lupinen und weitere Hülsenfrüchte etwa. Insgesamt würden wohl 15 bis 20 Prozent der Anbauflächen mit jedweder Art Zwischenfrucht bepflanzt. Freilich nur eine Schätzung, fügt Pflanzenexperte Herbert Becker an, statistisch exakte Erhebungen dazu gebe es nicht.

Dass die EU den Landwirten sogenanntes Greening, also Gründüngung, ohnehin vorschreibt, schickt Manfred Paul, Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill, voraus. Er selbst setzt vor allem auf Hirse. Was den Weißen Senf angeht, so biete auch der den Vorteil, als schnell wachsende Zwischenfrucht den Boden zu verbessern.

Wie das? Alle Gründüngungspflanzen, ob nun Senf, Hirse oder Ölrettich, zeichneten sich durch eine intensive Durchwurzelung des Bodens und Vermeidung von Erosion aus. Ein Plus auch für alles, was da kreucht und fleucht unter der Erdoberfläche und die Humusbildung fördert.

Senf statt Raps im Herbst: "Schmeckt" auch den Insekten

Nach der Vegetationsperiode, sagt der Verbandsvorsitzende, werden die Pflanzen "eingeschlegelt", also mit dem Mulcher eingepflügt, und führen der Krume wertvollen Stickstoffdünger zu.

Dass in hiesigen Breiten auch der Senf kaum mehr als Futter Verwendung findet, merkte Verbandsvorsitzender Paul noch mit großer Besorgnis an. Sei dies doch ein Indiz dafür, dass immer weniger Berufskollegen sich die hohe Belastung der Viehhaltung aufbürden möchten. "Das bedeutet oft eine Doppelschicht - neben dem Job in einer Firma die Arbeit auf dem Hof mit den Tieren. Und das bei den niedrigen Preisen."

Nicht zu vergessen bei der Senf-Betrachtung: Wie andere Gründünger, die kurz vorm Ende der Vegetationsperiode blühen, beschert auch diese Pflanze den Insekten Nahrung. Unter anderem Wildbienen laben sich an den Ingredienzien der leuchtenden Blütenpracht.

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