Der Winzerverein Odenhausen/Lumda hat in der verlängerten Kirchstraße am Unteren Hainberg in vier Reihen 96 Rebstöcke sitzen. Einmal jährlich ist Weinlese. FOTO: VH
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Der Winzerverein Odenhausen/Lumda hat in der verlängerten Kirchstraße am Unteren Hainberg in vier Reihen 96 Rebstöcke sitzen. Einmal jährlich ist Weinlese. FOTO: VH

Weinlese für Hartgesottene

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). Wer sich ausdrücklich der Harmonie und Fröhlichkeit verschrieben hat, den kann so leicht nichts erschüttern. Ausgerechnet am Tag der Weinlese kam es zur Bewährungsprobe. Als die Damen des Winzervereins Odenhausen/Lumda am Samstagmorgen den Kopf aus der Haustüre steckten, regnete es. So ein Pech, denn am vorigen Samstag wäre noch ideales Pflückwetter gewesen. Kellermeister Günther Krug hatte aber nun mal den 26. September festgelegt, damit die Trauben am Unteren Hainberg möglichst viel Sonne abbekämen. Das ist wichtig für die Endausreife.

72 Grad Öchsle

Jedenfalls machten sich die Vorsitzende des Winzervereins und ehemalige Weinkönigin, Anette Henkel, Ortsvorsteherin Tina Reinhardt und weitere Frauen auf in die verlängerte Kirchstraße, wo man im Jahr 2004 in vier Reihen 66 Rebstöcke gepflanzt hatte (heute sind es 96). Am Himmel über dem Lumdatal präsentierte sich der noch junge Herbst erstmals in seiner schmuddeligen Version: Grau und dunstig und mit Dauerregen. Da die Weintrauben nach der Lese ohnehin mit dem Wasserstrahl sauber gespritzt würden, war die Nässe von oben bestenfalls unangenehm. Wo jedoch blieben die Männer?

Ein Familienvater tauchte zwar etwas später auf und rettete knapp die Männerquote, aber der Kellermeister, der amtierende Weinkönig Mathias Schmidt und die anderen warteten derweil im Trockenen auf Fischer’s Hof.

Die Odenhäuser Weinlese 2020 gestaltete sich demnach als reine Frauensache. Wegen der diesjährigen Trockenheit fiel die Beerengröße eher bescheiden aus, sodass die abgeschnittenen Traube zwar üppig Früchte aufwies, bezüglich Größe und Gewicht aber wie geschaffen für die Frauenhände war. Apropos "trocken": Der Hainberger Riesling ist ein trockener Typ mit wenig Restsüße. Das wirkt offensichtlich wie ein natürlicher Schutz gegen den Waschbär.

Dieser drollige Kerl treibt hier am Südhang unter einem riesengroßen Wildkirschbaum hin und wieder sein Unwesen. Manchmal vergreift er sich dann auch an den Weinbeeren. Heuer hat er wohl das überreife Obst bevorzugt, das allerorten herumliegt. Zwar gibt es im Winzerverein den "Wingertschütz", aktuell Jürgen Bender, der ist auch Jagdgenosse, aber die Flinte darf er innerorts nicht zücken.

Vereinsmitglieder müssen daheim mindestens einen Rebstock ziehen. Der Ertrag aus dem Weinberg und den Privatreben wird alljährlich zusammengetan. Diesmal waren es 60 Kilogramm weiße Trauben aus dem Weinberg, 45 Kilo privat sowie 19 Kilo rote Trauben vom Hainberg. Den Mitgliedern waren ihre Roten allesamt vom Mehltau dahingerafft worden.

Kellermeister Krug arbeitet im Weinberg vorsichtig mit Schwefel, was noch zu den biologischen Methoden zählt. Chemie ist allemal verpönt. Bei andauernd feuchtwarmer Witterung, wie das in den vergangenen Jahren üblich war, fühlt sich der Mehltau pudelwohl.

Ohne Vorbeugung kann der Ernteertrag also flachfallen. Mehltau-Bekämpfer Krug käme auch zu den Mitgliedern, freilich nur auf Anfrage. Trotz Südhangs und großer Trockenheit weisen die Früchte des Winzervereins durchschnittlich nur etwa 72 Grad Öchsle auf. Die Maßeinheit für das Mostgewicht bestätigt die geringe Zuckersüße. Qualitätsweine beginnen ab 95 Grad Öchsle. Wobei diese Gradzahl nicht alles ist.

Nachher im Hofackerweg regnete es immer noch. Heiko Dietz schickte das Erntegut einmal durch die Traubenmühle und anschließend in die Presse, wo er zusammen mit Krug den wertvollen Saft gewann.

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