Tendenz geht zum Kita-Neubau

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). In Rabenau fehlen derzeit mindestens 31 Kindergartenplätze. Hinzu kommt, dass die Kita Rabennest in Londorf nur sechs reguläre Gruppen aufnehmen darf und seit geraumer Zeit eine zusätzliche Gruppe durch Sondergenehmigung betreiben kann. Es ist somit absehbar, wenn der neu zu schaffende Raumbedarf für mindestens drei oder vier Gruppen ausgelegt sein sollte. Am Montag beriet der Bauausschuss. Eine endgültige Lösung wurde noch nicht gefunden, war auch nicht beabsichtigt, aber eine Tendenz deutete sich nach langer Diskussion an.

Stefanie Muskau vom Architekturbüro Seidel und Muskau (Wettenberg) berichtete zunächst über die Umbauvariante Bürgersaal nebst altem Bahnhof, angedacht für zwei Gruppen und Erweiterungsmöglichkeit um weitere zwei Gruppen. Aline Peters von der Alho Raumfabrik (Morsbach/NRW) bot alternativ ein vorgefertigtes Modulgebäude für vier Gruppen. Dieser Neubau würde auf dem Festplatz Geilshausen entstehen. Das Stimmungsbarometer tendierte nach gut zwei Stunden Sitzung in diese Richtung. Entschieden ist aber noch nichts.

Kosten mindestens 600 000 Euro

Rabenaus Finanzexperte Karl-Heinz Weicker erläuterte, warum man im Rathaus die Umbauvariante bisher als attraktiv betrachtet habe. Der Bürgersaal werde übers Jahr betrachtet nur schwach genutzt, koste die Gemeinde aber 40 000 Euro pro Jahr an Unterhalt. Deshalb würde eine Umnutzung die beiden Gebäude besser auslasten. Nach Westen hin wäre die Erweiterung möglich. Die Inanspruchnahme des öffentlichen Spielplatzes nebenan sei günstig. Weickers Fazit: "Das war verlockend". Hinzu kommt, dass ein zweizügiger Kindergarten nur 300 000 Euro jährliche Folgekosten verursache, ein vierzügiger jedoch das Dreifache.

Von der finanziellen Seite abgesehen, würde Weicker aus Vernunftgründen allein der Kita für vier Gruppen den Vorzug geben. Muskau erläuterte den Umbau, der etwa 600 000 Euro kosten würde. Das wäre allerdings nur eine Übergangslösung für fünf Jahre oder länger; nach Ablauf der geplanten Nutzungsdauer müsste trotzdem neu gebaut werden. Falls die Kita jedoch dauerhaft im Bürgersaal/Bahnhof bleiben würde, müsste der Umbau hochwertiger ausgeführt werden und kostete gut 775 000 Euro. Wie viel Euro der sich in diesem Fall später anschließende Erweiterungsbau kosten würde, kam am Montag nicht zur Sprache.

Die Befürchtung von Dr. Roland Baetzel (SPD), falls die Lumdatalbahn wieder fahren würde, käme es zu Lärmbelästigung und gefährlichen Situationen, entkräftete Bauamtsleiter Thomas Mohr. Moderne Züge seien leise genug. Am Gleis würden bauliche Sicherungsmaßnahmen getroffen.

Ute Wissner (Grüne) bedauerte den Wegfall des Spielplatzes im Falle des Umbaus. Mohr sagte, der Spielplatz könne außerhalb der Kita-Zeiten öffentlich genutzt werden.

Karl-Heinz Till (Grüne) meinte, kaum, dass der Umbau fertig sein würde, reiche der zusätzliche Platz schon wieder nicht. Außerdem könne der alte Bahnhof ein Sanierungsfall sein (etwaige Altlasten). Till resümierte: "Die Zukunft ist der Neubau".

Ob Umbau Bürgersaal oder Neubau: Beides könnte voraussichtlich im Spätherbst 2021 bezugsfertig sein. Die Modulbauweise würde knapp 1,4 Millionen Euro kosten. Es entstünden jeweils zwei Räume für Unter-Dreijährige und Über-Dreijährige. Heinrich Nachtigall (CDU) fragte: "Können wir uns leisten, jetzt mehr auszugeben als wir aktuell brauchen" und erinnerte an die ebenfalls anstehende Finanzierung des Feuerwehr-Gerätehauses in Geilshausen.

Ausschuss-Vorsitzender Egon Kellermann (CDU) machte seinem Ärger Luft. Beim zweiten Anbau der Kita Rabennest habe man behördlicherweise versichert, das reiche für die nächsten 15 Jahre. "Die große Politik" habe die Situation an der Basis aus dem Blick verloren. Kellermann nannte das "Schlamperei".

Ewald Thomas (FW) rechnete vor: "Wir wollen einen Kindergarten bauen, ein Feuerwehrhaus und gleichzeitig die Grundsteuer B nicht erhöhen. Woher nehmen wir das Geld?"

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