"Lili Marleen": Sängerin Anita Vidovic interpretiert Schlager aus verschiedenen Epochen. FOTO: VH
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"Lili Marleen": Sängerin Anita Vidovic interpretiert Schlager aus verschiedenen Epochen. FOTO: VH

Sternstunden des Schlagers

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). Kaum ist der Sommer vorbei, da stellen sich unvermittelt erste Vorboten des Herbst-Blues ein. Was dagegen helfen mag, sind Spaziergänge an der frischen Luft oder heitere Veranstaltungen, insofern diese wiederum nicht ausfallen. Weil im Hofgut-Theater wie überall sonst auch Abstand gehalten werden muss, gibt es dort momentan stets zwei aufeinanderfolgende Aufführungen. Die Sängerin Anita Vidovic und Begleitpianist Frank Mignon gastierten hier schon mit einer Schlagertrilogie. Die Einzeltermine mit Liedern aus den 30er/40er Jahren, 50er Jahren und 70er Jahren wurden nun zusammengefasst zu einem "Best of".

Zeitgeist im Fokus

Der viel geschmähte deutsche Schlager scheint unkaputtbar, hat bislang alle Anfeindungen überlebt. Vidovic und Mignon sind keine Schlagerinterpreten, sie nähern sich dem Material von der witzigen Seite her, stellen Lieder und Zeitgeist zusammen. Vidovic wechselte mehrfach das Kostüm, währenddessen verließ Minon seinen Sitzplatz hinter dem Pianola und es erklangen Titel aus dem Off. Dann ging es mit Elan weiter.

Vidovic hauchte den Originalsingstimmen Leben ein, wirbelte zum jeweiligen Takt bewegungstechnisch passend über die Bühne oder nutzte dafür einen Stuhl. Die lockere Machart der Künstler übertrug sich auf das Publikum, das diesen Ball dankbar aufnahm. Die Schlager der 1930er Jahre sind untrennbar mit Filmen der Ufa verbunden. Es erklangen "Sing’ mit mir" (gesungen von Marika Rökk im Film "Hab’ mich lieb") oder "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" (Marlene Dietrich in "Der blaue Engel").

Die 1940er Jahre waren nicht nur heiter. Lale Andersen hatte mit "Lili Marleen" mitten im Weltkrieg einen Hit. Vidovic sang das Lied in verschiedenen Sprachen. In den 1950ern angekommen, rückte der Zeitgeist in den Mittelpunkt. Die Frau als solche plagten zwei wesentliche Fragen: ""Was ziehe ich an" und "Was koche ich". Aus dem Handbuch der guten Ehefrau, einem Ratgeber von 1952, wurde zitiert. Musikalische Erkenntnis: "Liebeskummer lohnt sich nicht". Die 1970er Jahre erinnerten etwa an Peter Alexander ("Die kleine Kneipe"), Bernd Clüver ("Der Junge mit der Mundharmonika") oder Nico Haak ("Schmidtchen Schleicher").

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