Ein sogenanntes Scherengatter ist heute Standard beim Flächenschutz im Wald. Egal ob dahinter gepflanzt werden soll, bereits vorhandene Naturverjüngung hochkommt oder durch natürliche Sukzession eine Fläche bewaldet wird. FOTO: VH
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Ein sogenanntes Scherengatter ist heute Standard beim Flächenschutz im Wald. Egal ob dahinter gepflanzt werden soll, bereits vorhandene Naturverjüngung hochkommt oder durch natürliche Sukzession eine Fläche bewaldet wird. FOTO: VH

Schwarze Zahlen mit Stilllegung?

  • vonVolker Heller
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Rabenau(vh). "Gatter und Blei, Blei, Blei - sonst gibt es Bonsai-Bäume", machte Christian Schneider in drastischen Worten dem Bauausschuss der Gemeindevertretung klar. Stürme, Mäusefrass, Käfer, Trockenheit und Baumkrankheiten haben den 577 Hektar großen Kommunalwald dermaßen geschädigt, dass er in den kommenden Jahren das Loch in der Gemeindekasse nur noch größer werden lässt.

Pflichten des Waldbesitzers von Dauer

So viel ist sicher, doch welche Gegenmittel könnte es geben, wäre die "Stilllegung" ein taugliches? Die Frage bewegt momentan die Rabenauer Politik. Ohne Investition würde man auch kein Defizit einfahren, lautet eine (zu) einfache Logik. Allein die Kosten für Neuanpflanzungen liegen bei einer Million Euro.

Schneider, gelernter Förster und nun bei der Oberen Forstbehörde des RP angestellt, machte eines klar: Die forstwirtschaftliche Betätigung mir nichts dir nichts einzustellen, das ginge nicht. Und sagte ebenso, dass Stilllegung auch ein juristisches Problem sei.

Der Gesetzgeber bekräftige den funktionellen Ausgleich zwischen Interessen der Allgemeinheit und des Waldbesitzers. Die Schutzfunktionen und Wohlfahrtswirkungen für Umwelt- und Naturschutz, Wasserhaushalt und Erholung seien bisher an die wirtschaftliche Nutzung (Holzeinschlag) gekoppelt. Planmäßige Forstwirtschaft, gemäß dem Prinzip Nachhaltigkeit und festgeschrieben in der zehnjährigen Forsteinrichtung, sei im Grunde genommen "bis in alle Ewigkeit" so angelegt.

Für Hessens Staatswald sei aktuell die zehnprozentige Herausnahme der bis dahin bewirtschafteten Fläche eines Reviers verbindlich, um so lebensnotwendige Ökosystemleistungen zu sichern. Für Gemeindewälder würden fünf Prozent empfohlen. Theoretisch könne Rabenau die "Biodiversitätsstrategie Hessen" bemühen, vielleicht eine Marge bis zu 30 Prozent erhalten.

Ökopunkte fürs Gewerbegebiet

Wie Schneider weiter erklärte, müsse jede Kahlfläche von über einem halben Hektar binnen sechs Jahren erkennbar in Bewuchs gebracht werden.

Neben den üblichen Verfahren - Neuanpflanzung oder Naturverjüngung - nannte Schneider eine Variante, die jedem Naturschützer gelegen käme: Sukzession. Je nach Bodenverhältnissen siedeln sich dabei anfangs Weichhölzer, dann wirtschaftlich interessante Baumarten an. Sukzession kann mit Naturverjüngung oder künstlicher Aussaat kombiniert werden. Ohne Flächenschutz und höhere Bejagung (eben Gatter und Blei) könne das aber nicht funktionieren, meinte Schneider. Statt Stilllegung kämen ferner der Verkauf des Waldes oder die Umwandlung in einen Stiftungswald oder Kooperationen bei der Beförsterung infrage.

Ingrid Moser (Landschaftspflegevereinigung, LPV) verwies nun auf die Chancen, die sich aus einer Stilllegung von Waldflächen ergeben, indem Ökopunkte angesammelt und verkauft werden. Infrage kommende Bestände werden entsprechend ihrer ökologischen Wertes kategorisiert, für alte Buchenbestände etwa gibt es mehr Punkte als für einen Fichtenwald.

Für große Teile des Rabenauer Gemeindewaldes hat die LPV dies bereits erledigt. Bei 742 802 Ökopunkten würde eine Stilllegung bei einem aktuellen Preis von 0,51 Cent je Punkt eine Summe von rund 387 000 Euro bedeuten - so man für alles einen Käufer fände.

Moser verwies hier auf geplantes interkommunales Gewerbegebiet bei Lumda und mahnte zu schnellem Handeln angesichts der vielen "Mitbewerber" mit hohen Beständen an Ökopunkten. Dass bei Übertragung in eine Stiftung wie in Laubach das Gemeindeparlament die Entscheidungshoheit verlöre, bat sie zu bedenken. Wie im Fachausschuss am Ende deutlich wurde, bedarf es auch hier weiterer Beratungen.

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