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Ein lyrisches Konzert war ein besonderes Ereignis im "Dom der Rabenau" (v.l.): Ulrika Völkel, Katharina Fendel, Annika Rink. Foto: vh

Platz für Trauer

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Rabenau(vh). Wenn man in einer so großen Kirche wie dem "Dom der Rabenau" eine Stecknadel fallen hört, ist das schon etwas ganz Besonderes. Beim lyrischen Konzert mit dem spanischen Namen "La Llorona" (Die Weinende) kam es zu dieser Ausnahmesituation. Sie hätte der Aufmerksamkeit geschuldet sein können, die lyrische Texte einfach benötigen, denn Lyrik ist oftmals schwer verständlich. Bei der Darstellungsform dieser Veranstaltung wechselten lyrische Eigentexte von Ulrika Völkel und musikalische Beiträge von Katharina Fendel (Querflöte) und Annika Rink (Gitarre und Gesang). Höchste Andacht widmeten die Zuhörer also den Lyriktexten sowie dem musikalischen Ausdruck. Gleichwohl die Liedtexte spanischer Herkunft waren.

Den Konzerttitel La Llorona hat seinen Ursprung in der gleichnamigen weiblichen Figur einer lateinamerikanischen Legende. Die soll ihre Kinder in einem Fluss ertränkt haben. Späte Reue lies ihre Seele wehklagen. Die Legende blieb natürlich außen vor. Das Motiv des Klagens über den Verlust von Kindern oder Angehörigen allgemein stellte das Trio sehr deutlich heraus. Dieser Tage beschäftigt die Menschen in Mittelhessen das Brand-Drama in Mengerskirchen, wo eine junge Familie den Tod ihrer vier- und zehnjährigen Töchter zu beklagen hatten. Selbst die Notfallseelsorge diktierte der Presse in den Notizblock, dass fremde Menschen in einer solchen Situation nicht wirklich Trost spenden können. Das lyrische Konzert La Llorona gab mit Gedichten und Musik dem Verlust, den jeder nur individuell fühlen kann, Ausdruck.

Ulrika Völkel sagte dem Reporter, Trauer habe leider wenig Platz in dieser Welt. Nach dem Tod ihrer Schwester und später ihres Sohnes sei es einfach passiert, den Schmerz durch lyrisch-verpackte Bilder auszudrücken. Völkel las nicht einfach nur vor, sie betonte auch die Passagen intensiv, hob und senkte ihre Stimme, dass eine besondere Dichte entstand. Fendel hat Querflöte studiert, unterrichtet an der Marburger Musikschule. Rink studierte Musik und Spanisch und hat eine Affinität zu Spanien und Südamerika. Sie sang unter anderem Zamba para no morir von Mercedes Sosa, La llorona (traditionell) und Alfonsina y el mar von Ariel Ramirez.

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